Das Weihnachtsmärchen "Der Sängerkrieg der Heidehasen" ist absolut sehenswert.

Premiere: Lodengrün ist der beste Hase im Dorf

Das Weihnachtsmärchen „Der Sängerkrieg der Heidehasen“ hat am Sonntag vor einem halbvollen Haus Premiere gefeiert. Dabei ist das Stück von Regisseur Bruno Winzen absolut sehenswert.

Mit „Der Sängerkrieg der Heidehasen“ bringt das Theater Krefeld eine Heldengeschichte über Freundschaft, Gerechtigkeit und die Kraft des Gesangs von James Krüss (1926-1997) für Kinder ab fünf Jahren auf die Bühne. Regisseur Bruno Winzen hat das Hörspiel aus den 50er-Jahren in Szene gesetzt und sich damit einen Kindheitstraum erfüllt. Die Premiere am vergangenen Sonntagnachmittag sorgt aber leider nur für ein gerade zur Hälfte gefülltes Haus.

Und dabei geht’s auf der Bühne äußerst spannend zu: In der Heidelandschaft Obereidorfs, über der leichter Bodennebel schwebt, herrscht bei den Hasen buntes Treiben. Die Hasenprinzessin (gespielt von Carolin Schuppa) tritt hervor, zieht die Krone über die langen Ohren, wirft sie weg und freut sich, dass sie „jetzt machen kann, was sie will“.

Doch die Freiheit dauert nicht lange. Ihr Vater, der dickbäuchige Hasenkönig Lamprecht der Siebente (Till Brinkmann), findet sie bald und verkündet seinen Untertanen in der Heide, dass am nächsten Tag in Obereidorf der jährliche Sängerkrieg stattfinden werde. Die Aufgabe der Teilnehmer soll es sein, ein Loblied auf die Prinzessin zu singen. Schließlich würde der Sieger die Pfote seiner Tochter bekommen. Natürlich machen sich mehrere Langohren Hoffnung. Als Zuschauer muss man sofort, egal welchen Alters, Sympathien und Antipathien entwickeln.

Nicht nur ein arroganter Hyazinth Löffelstein (Slim Weidenfeld) macht sich Hoffnungen, sondern auch der alte, etwas fülligere Direktor Wackelstein (wieder Till Brinkmann). Mit dem intriganten Gesangsminister (Thomas Wenzel) schmiedet er ein Komplott, um den Kandidaten mit den besten Chancen, Karnickel Lodengrün (Liliom Lewald), aus dem Rennen zu werfen beziehungsweise zu spät starten zu lassen, weil er dessen Sonnenuhr verstellen wird.

Amüsante Wortspielchen:
Aus Mozart wird Möhrzart

Natürlich geht die Geschichte gut aus, denn Lodengrüns Freund Hoppel (Denis Merzbach) und schließlich auch der Hasenkönig mit einer Regeländerung sorgen dafür, dass der ausgetrickste Lodengrün seine Chance bekommt.

Wie schon der Name des gewinnenden Karnickels andeutet, gibt es vergnügliche Anspielungen für die Erwachsenen. Aspekte aus Richard Wagners Opern werden parodiert – Lodengrün erinnert an Lohengrin und der Sängerkrieg aus den Meistersingern wird von Nürnberg in die Lüneburger Heide verlegt. Kleine Wortspiele, bei denen zum Beispiel aus Mozart „Möhrzart“ wird, sorgen für Schmunzeln bei den Großen.

Das Bühnenbild von Harald Stieger bietet neben einer Bilderbuchlandschaft samt Windmühle mit sich drehenden Flügeln manches andere schöne Detail. So lässt er beispielsweise zunächst ein kleines Wölkchen aus dem Bühnenboden steigen. Wenige Augenblicke später wird deutlich, dass dies aus einem Becher heißen Kaffees kommt, weil sich ein sehr gepflegter Karnickelbau aus der Tiefe des Heidebodens ans Morgenlicht hebt.

Die Kostüme der Hasen- und Karnickelgesellschaft stammen von Petra Wilke und nehmen Anleihe an der Mode des Biedermeiers. Die musikalische Leitung dieser Inszenierung hat Julia Klomfaß, die auch als Moritatensängerin dem Geschehen auf der Bühne einen gesungenen Rahmen gibt.

Ein kräftiger Applaus belohnt die Akteure auf der Bühne, doch darunter mischen sich auch Missfallensäußerungen des jungen Publikums. Sie gelten sicherlich nicht der schauspielerischen Leistung von Thomas Wenzel, wohl aber seiner Rolle als intrigantem Gesangsminister. Da setzt sich eben das Gerechtigkeitsgefühl der kleinen und großen Zuschauer durch. Fazit: Die Hasen sind absolut sehenswert.

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