Fußball-WM: Bei Siegen baden Schweden im Brunnen

Fußball-WM : Bei Siegen baden Schweden im Brunnen

Wenn Deutschlands zweiter Gruppengegner spielt, sind von Malmö bis Luleå alle Menschen im Land fußballverrückt.

Nach dem Fehlstart der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft gegen Mexiko, muss nun ein Sieg her. Sonst droht das Aus in der Gruppenphase. Gegner am morgigen Samstag (20 Uhr) ist Schweden. Die Spiele der„Blågult“, der Blau-Gelben, schauen in Schweden selbst Nicht-Fußball-Fans, weiß Greger Hanson.

Foto: abi

Der Eishockeyprofi ist Schwede und spielt seit Anfang 2018 bei den Krefelder Pinguinen. Zur Weltmeisterschaft erklärt der Offensivmann, wie fußballverrückt die Schweden sind, und wie er sein Team einschätzt.

Wie fußballverrückt sind die Schweden?

Greger Hanson: Sehr! Obwohl die Eishockey-Nationalmannschaft viel erfolgreicher ist. Wenn die schwedische Auswahl spielt, schaut jeder: alte und junge Leute, sogar solche, die sich sonst gar nicht für Fußball interessieren. Die Schweden sind sehr loyale und treue Fans. Sie bleiben am Ball, obwohl das Team oft nicht gut genug ist, um die großen Spiele zu gewinnen.

Haben die Fans einen bestimmten Schlachtruf?

Hanson: Seit der Europameisterschaft 2004 ist der Schlachtruf „Schieß’ den Ball ins Tor, schieß’ den Ball ins Tor“ am populärsten. Die Fans singen das ohne Ende. Die Zeilen stammen aus einem Song des schwedischen Sängers Markoolio, der extra zum Turnier geschrieben wurde.

Was sind die beliebtesten Fan-Utensilien?

Hanson: Die Schweden lieben es, sich für die Spiele zu verkleiden. Das beliebteste Outfit ist ein Vikinger-Helm mit Hörnern, ein falscher Bart und dazu blaue und gelbe Schminke im Gesicht. Aber auch die etwas merkwürdige Pippi-Langstrumpf-Variante sieht man oft. Sie ist eine sehr populäre Figur der schwedischen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren. Mir gefällt die Vikinger-Verkleidung besser.

Gibt es in Schweden traditionelles Essen oder Trinken zu den Spielen?

Hanson: Nein. Außer vielleicht Bier — und das in rauen Mengen. Vielleicht können die Fans so die Enttäuschungen und Niederlagen besser verkraften.

Falls Schweden gewinnen sollten, wie wird gefeiert?

Hanson: Wenn Schweden ein Spiel bei einem wichtigen Turnier gewinnt, sind die Leute beim Public Viewing so euphorisch, dass sie vor Freude im nächstgelegenen Brunnen der Stadt baden gehen — obwohl das Wasser bei uns oft ziemlich kalt ist. Aber da Schweden so selten gewinnt, freuen sich die Leute so sehr, dass ihnen das egal ist.

Gibt es nach Zlatan Ibrahimovics Abtritt wieder ein Fan-Idol bei den Schweden?

Hanson: Ibrahimovic ist wohl der beliebteste Spieler aller Zeiten. An ihn reicht momentan keiner heran. Auch nicht Emil Forsberg von RB Leipzig, der momentan unser bester Spieler ist.

Sie sind Profi-Eishockeyspieler. Wie ist Ihr Verhältnis zum Fußball?

Hanson: Ich liebe Fußball und schaue es definitiv mehr im Fernsehen als Eishockey. Ich freue mich, dass ich die WM in Deutschland erleben darf. Ich glaube, in kaum einem andern Land macht das mehr Spaß. Die Fans hier haben einfach eine starke Bindung zu dem Sport und fiebern so leidenschaftlich mit. Ich werde jedenfalls ziemlich viel Fußball schauen zum Leidwesen meiner. Was mir im Fußball allerdings - im Gegensatz zum Eishockey - nicht so gut gefällt: Die Spieler versuchen immer öfter, mit Schwalben durchzukommen. Vor allem in Italien und Spanien ist das extrem geworden.

Wie werden Sie die Spiele Ihres Teams verfolgen?

Hanson: Viel zu Hause mit Freunden. Ich werde aber auch mal zum Public Viewing in Krefeld gehen, um die Atmosphäre zu erleben und zu sehen, was die verrückten deutschen Fans so anstellen.

Im Hinblick auf das Duell am Samstag: Wie stark ist Schweden? Und wie weit schafft es das Team?

Hanson: Gegen Deutschland werden sie wohl verlieren. Sollte es aber zu einem Unentschieden reichen, werden wir feiern, als hätten wir die WM gewonnen. Ich glaube aber generell, dass wir gute Chancen haben, ins Achtelfinale einzuziehen. Dort ist aber vermutlich Schluss.

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