A-Capella-Band Basta überzeugt in der Kufa

A-Capella-Auftritt: Band Basta überzeugt in der Kufa

Die Kölner A-Capella-Gruppe tritt im Stil einer Boygroup auf – ganz ohne Instrumente.

Wer Musik liebt, ist bei Basta goldrichtig. Im Stil einer Boygroup stürmten die fünf Musiker aus Köln am Mittwochabend die Bühne der Kulturfabrik und eroberten die Herzen des Publikums. Mit lebensprallen Liedern und einem einstudierten, aber tänzerisch wohldosierten Arrangement entwickeln sie eine einzigartige Bühnenpräsenz. Und das alles a cappella, also ohne Instrumente, nur mit ihren klaren Stimmen. Dennoch entsteht das Gefühl, in einem Konzertsaal zu sitzen. Man weiß gar nicht, ob man mehr der Musik oder eher den umwerfend komischen Texten folgen soll. Diese reichen von einfühlsamen Balladen über humorvolle Geschichten bis hin zu satirischen Inhalten. Kurz: ein bunter, kurzweiliger Mix von höchstem Unterhaltungswert, der dem Titel des neuen Programms „In Farbe“ voll entspricht.

Alpine Romantik mit
einer satirischen Hymne

Mit „New York, Rio, Gütersloh“ gelingt sogleich ein perfekter Auftakt. Eine Persiflage auf die Konzertreisen, bei denen die Welt in bunten Farben vorüberzieht: „Wir kennen jedes kleinste Backstage-Klo zwischen Regensburg und Itzehoe, kennen jeden Kilometerstein zwischen Oderbruch und Niederrhein“. Der Song „Mein Auto“ vereint alpine Romantik mit einer satirischen Hymne auf des Mannes besten Freund, das Auto, während „Kranke Männer“ als köstliche Persiflage im Hardrock-Sound auf die maskuline Wehleidigkeit daherkommt. Fünf coole Typen mit Mutterwitz, Selbstironie und jeder Menge Rhythmus im Blut – dazu auch noch gut verständlich und grammatikalisch korrekt – steigern sich nach und nach zu einer mitreißenden Show.

Jedes Lied des neuen Albums ist ein kleines Gesamtkunstwerk – musikalisch, tänzerisch und textlich. Wer das bildlich nachvollziehen will, kann auf der Homepage der A-Cappella-Gruppe nachsehen. Dort gibt es zum Teil auch die passenden Videos dazu, allerdings nicht die Live-Atmosphäre aus der Kufa, denn die Jungs waren richtig gut drauf. Man spürt förmlich, dass ihnen ihre Arbeit Spaß macht. Das kommt kaum stärker zum Tragen als bei „Reggaeton im Altersheim“, wo es laut „Party, Party“ durch die ganze Geriatrie ertönt und Eierlikör richtig reinknallt, wenn man ihn mit Ibuprofen mischt. Schließlich habe die ältere Generation auch ihre Berechtigung, meinen sie, und empfehlen den durch die Musikrichtung Reggaeton beeinflussten lateinamerikanischen Song Despacito zum Begräbnis. Fazit: Überbordend intonierter und getanzter Irrsinn auf bestem Niveau.

Spätestens jetzt kocht der große, fast ausverkaufte Saal der KuFa und ist bereit für ein Abba-Medley. Man covere immer wieder gern die (Achtung: Fake) holländische Band und das Publikum weint inzwischen Lachtränen. Zum Beispiel bei der Weihnachtsversion von Super Trouper als Super Puter oder von Chiquitita, das kurzerhand als „Schicke Kita für Korbinian Flint, den besten aller Söhne“ umgedichtet wird. Das mittlerweile stehend applaudierende Publikum fordert Zugabe um Zugabe und Basta lässt sich nicht lumpen. Sei es mit elegischen Choralklängen   oder mit einem ungewöhnlichen Schlaflied nach dem Motto „Papa mit Baby allein zu Haus“, was die Vielfalt der Band wiederspiegelt.

Krönender Abschluss ist das Bekenntnis zum Schlager und eine musikalische Persiflage auf Marianne Rosenberg. Deren Hit „Er gehört zu mir“, interpretiert durch deren Bruder Herbert Rosenberg alias Herbert Grönemeyer, feiert die Gruppe zusammen mit dem begeisterten Publikum, das den Rosenberg-Refrain übernimmt.

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