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Welche Straßennamen in Düsseldorf geändert werden sollen

Straßennamen : Welche Straßennamen in Düsseldorf geändert werden sollen

Neue Namen für zwölf Straßen empfohlen, die nach Kolonialisten oder NS-Anhängern benannt wurden.

Wie soll eine Stadt mit Namen von Plätzen und Straßen umgehen, die mit einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft unvereinbar sind? Diese Frage wollte der Kulturausschuss parteiübergreifend von Mahn- und Gedenkstätte  sowie Stadtarchiv geklärt wissen. Nach anderthalb Jahren hat der eingesetzte siebenköpfige Beirat Ergebnisse vorgelegt. Er empfiehlt dem Stadtrat, zwölf Namen zu ändern (Kategorie A): Pfitznerstraße, Petersstraße, Wissmannstraße, Porschestraße, Münchhausenweg, Lüderitzstraße, Woermannstraße, Leutweinstraße, Schlieffenstraße, Wilhelm-Schmidtbonn-Straße, Heinz-Ingenstau-Straße, Hans-Christoph-Seebohm-Straße.

Das prominenteste Beispiel ist wohl die nach Ferdinand Porsche benannte Straße in Flingern. Der Automobilkonstrukteur war laut Bastian Flehrmann, Leiter der Mahn- und Gedenkstätte sowie Mitglied im Beirat, ins NS-Regime verstrickt, wurde zum Wehrwirtschaftsführer und SS-Oberführer. Er war Hitlers „Lieblingskonstrukteur“ für die Massenmotorisierung. Er organisierte laut Gutachten als Hauptgeschäftsführer und Aufsichtsratmitglied von Volkswagen auch den Ausbau des Unternehmens zum Rüstungsbetrieb. Die Belegschaft bestand zu 70 Prozent aus Zwangsarbeitern, die zum Teil von Porsche selbst auch aus Konzentrationslagern wie Auschwitz angefordert wurden. In der „Ausländerkinder-Pflegestätte“ wurden Zwangsarbeiterinnen nach der Geburt die Kinder weggenommen, die man zum großen Teil sterben ließ.

Schon in der Vergangenheit viel diskutiert wurde die Wissmannstraße. Schüler der Hulda-Pankok-Gesamtschule hatten einen neuen Namen gefordert. Der Beirat kommt zur gleichen Empfehlung. Begründung: Hermann von Wissmann war Ende des 19. Jahrhunderts für zahlreiche Massaker in Ostafrika verantwortlich und überzeugter Rassist.

Auffällig ist bei der Auswahl, dass gleich fünf der zwölf Straßen in Urdenbach liegen. Hintergrund: Die Nazis benannten dort ein neu gebautes Viertel nach Kolonialisten. Während die Briten nach 1945 Umbenennungen aus der NS-Zeit rückgängig machten und durch die vorher verwendeten Namen ersetzten, war das dort nicht möglich.

Von insgesamt 3500 Straßen und Plätzen in Düsseldorf konzentrierte sich der Beirat zunächst auf 645 Namen. Vorgabe: Die Personen starben nach 1870 und wiesen aus wissenschaftlicher Sicht Berührungspunkte zu Antisemitismus, Kolonialismus, Nationalsozialismus oder Militarismus auf. Näher in den Blick nahmen die Forscher 99 Personen. Darunter war etwa auch Künstler Joseph Beuys aufgrund von Mitgliedschaft in der Hitlerjugend und in der Wehrmacht. Er wurde jedoch vor allem mit Blick auf sein Gesamtwerk, wie Benedikt Mauer als Leiter des Stadtarchivs und Beiratsmitglied sagt, als unkritisch eingestuft (Kategorie C). Als immerhin weiterhin diskussionswürdig sieht der Beirat etwa die Benennungen nach Komponist Richard Wagner und Generalfeldmarschall und Militärstratege im Zweiten Weltkrieg Erwin Rommel an, empfiehlt hier aber keine Änderungen. Insgesamt 25 Namen landeten in dieser Kategorie B. Rommel gilt als Mitwisser des Attentats auf Adolf Hitler im Jahr 1944, was der Beirat ihm zugute hält. „Für uns war immer wieder entscheidend, wie sich die Persönlichkeiten entwickelt haben und wie sie sich von ihren früheren Taten distanzierten“, sagt Flehrmann.

Und obwohl Wagner wie auch der Komponist Hans Erich Pfitzner „glühende Antisemiten“ waren, wie Mauer ausführt, ist nur Pfitzner in Kategorie A gelandet. „Denn er erlebte den Holocaust mit, hielt aber auch nach 1945 an den Zielen des Nationalsozialismus fest.“ Mit Blick auf Wagner sagt Flehrmann, dass eine Stadtgesellschaft manche Erinnerung auch aushalten müsse.

Details zu Namen und Gutachten:

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