Sommerkino im Malkasten: Lange Nacht für Science-Fiction-Fans

Film : Sommerkino im Malkasten: Lange Nacht für Science-Fiction-Fans

Kay Kauls Programm im Malkastenpark wird immer beliebter. Es startet am 27. August.

Scifi ist die Abkürzung für Science-Fiction. Am 27. August findet im Malkastenpark das vierte Scifi-Sommerkino statt, eine Veranstaltung, die immer beliebter wird. Kaum gab Kay Kaul als Organisator und Gründer dieser Reihe den Termin bekannt, meldeten sich schon die ersten 1600 Fans an. Sie kommen nicht nur aus Düsseldorf und Köln, sondern sie reisen sogar aus Belgien an. Beginn der Vorstellung ist um 20 Uhr. Die meisten Fans sind schon zwei Stunden früher da und genießen die Aurora-Space-Lounge mit den fantastischen Getränken. Was ist da los? Was entwickelt sich jenseits der subventionierten Hochkultur?

„Ein Mädchen versumpft in ihrem überdigitalisierten Single-Appartement“, schreibt Marcus Hanisch, Student der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin zu seinem Streifen „Love note“. „Sie bewegt sich nicht mehr, überlässt den Alltag der Technik. einziger Kontakt zur Außenwelt ist der Chat. Nonstop sendet sie Herzchen und Küsse an ihr „Love Interest“, ihren Schwarm im Chat, den sie noch nie getroffen hat. Bis ein Stromausfall sie von der Außenwelt abschneidet. Und dazu zwingt, einen analogen Liebesbrief zu schreiben“. So notiert der junge Filmemacher zu seinen gut sechs Minuten dauernden Aufnahmen.

18 Video-Filme können im Park bewundert werden

Es ist einer von 18 Streifen, die zwischen einer Minute und 15 Minuten dauern. In den Übertragungen geht es um einen Biologen, der eine menschenleere Stadt voller Vegetation entdeckt. Standorte liegen hinter dem Jupiter und hinter dem Saturn. Ein schüchterner junger Mann vergisst die Sprache im Angesicht des Mädchens seiner Träume und bekommt eine zweite Chance. Ein junger Filmemacher träumt sogar davon, dass Steven Spielberg seine bewegten Bilder sehen könnte. Es geht um eine Gefangene ihrer eigenen ungeliebten Kindheit, um uralte Roboter, die sich nach Freiheit sehnen, und um die allzu schnell entschwindende Zeit, die nur eine neu konstruierte Maschine aufhalten kann.

Kay Kaul, der Veranstalter des Abends, stammt aus Düsseldorf und ist Meisterschüler von Klaus Rinke. Er kommt aus einer Ingenieursfamilie. Das technische Verständnis liegt ihm im Blut. Eigentlich wollte er Film und Video studieren, doch die Filmklasse befand sich nach dem Abgang des Filmemachers Ole John im Umbruch und entwickelte sich zur Filmwerkstatt. Daraufhin studierte Kaul bildende Kunst und wurde „virtueller Bildhauer“, wie er sich nennt. Beim WDR ließ er sich in Filmdramaturgie und Aufnahmetechnik unterweisen, wurde selbst Tutor der Filmklasse, baute für die Rinke-Klassen-Ausstellung „Saldo“ eine gigantische Filmkulisse in den alten Kunstpalast und bereitete sie in einer Computer-Simulation vor. Heute, nach dem Abriss des Kunstpalastes, ist das Virtuelle das einzige Zeugnis vom alten Gebäude. Ein Klick, und alles ist wieder da, die Cafeteria, die Kuppel, die Säle. Das Science-Fiction-Spiel kommt nicht nur der originalen Architektur nahe, sondern konserviert den Palast für die Zukunft, als Fiktion.

2003 hatte Kaul sein Aha-Erlebnis. Es war das Jahr einer besonders günstigen Mars-Konstellation. Der Mars war nur noch neun Monate Flugzeit von der Erde entfernt und nicht mehr anderthalb Jahre. Die NASA schickte daraufhin gleich zwei Rover ins All. Die Mars-Sonde der ESA, die den Beagle an Bord hatte, konnte das Landegerät zwar nicht aufklappen, brachte dafür aber hochauflösende Aufnahmen in der Marskamera auf die Erde zurück. Die Medien starteten eine riesige Berichterstattung, die auch den Künstlern imponierte.

Als Kay Kaul mit seinen Freunden in eben jenem Jahr 2003 die Ausstellung „Transform Art“ in einem leeren Ladenlokal an der Worringer Straße eröffnete, kam das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ mit einer großen Reportage heraus. Kaul sammelte, was das Zeug hielt, über das Fernsehen. Auf den ersten Marsabend folgte „Merry Mars“, denn die Landung der ESA-Mission erfolgte am zweiten Weihnachtsfeiertag.

„Re-Entry“ hieß Kauls Programm 2004 in der Kunsthalle, „Zero Gravity“, also Schwerelosigkeit, 2005 im Kunstpalast und „Mission O14“ 2014 in der Dresdner Ostrale, zu der er regelmäßig eingeladen wird und wo er inzwischen auch Technischer Leiter der Video-Installationen ist.

2016 organisierte er mit Melanie Richter vom Vorstand des Malkastens das erste Sommerkino im Park. Und das Publikum strömte herbei. Im letzten Jahr hockten 600 Teilnehmer auf der Wiese im Park, denn Science-Fiction wurde zum Hit. Inzwischen mietet der Malkasten 60 Bierbänke, die natürlich nicht reichen, und finanziert den Großprojektor. Kay Kaul hat vom eigenen Geld eine aufblasbare Riesenleinwand angeschafft, denn nur so ist Kino für alle möglich.

Nun ist Kaul zwar Filmer, er produziert aber nur Dokumentar- und Kunstfilme, keine Science-Fiction-Filme. Die holt er sich aus dem Internet, als frei zugängliches Material bei Youtube oder über die Profiplattform Vimeo, deren Mitglied er ist. Alle 18 Filme meldet er bei der GEMA an. Drei Monate hat er gesurft, um sie zusammenzutragen. Inzwischen kennt er sich so sehr aus, dass er schon überlegt, ob er im nächsten Jahr nicht sogar einen öffentlichen Aufruf für ein Science-Fiction-Festival starten soll.

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