Wie sich Düsseldorf in der Rheinterrasse in die Wolle bekam

Häkeln : Wie sich Düsseldorfer in der Rheinterrasse in die Wolle bekommen

2500 Besucher schauten sich beim Wollfestival an, was 70 Aussteller an zwei Tagen zu bieten hatten. Die setzen mehr und mehr auf Nachhaltigkeit.

Am Wochenende war die „Rheinterrasse“ ein Muss für alle, die an der (Woll-)Nadel hängen. Dort trafen sich über 2500 Strick- und Häkelenthusiasten zum zweiten „Wollfestival“ in Düsseldorf. Zwei Tage lang konnten sich die Besucher über die neusten Trends informieren, fachsimpeln, Expertenrat einholen oder sich miteinander austauschen.

Die Idee, einmal ein Festival rund ums Stricken zu veranstalten, kam Initiatorin Daniela Johannsenova vor sechs Jahren. Die Neusserin hatte damals ein Wollgeschäft in Köln. Da lag es nahe, die erste Auflage in der Domstadt zu veranstalten. „Doch dort waren wir von den Kapazitäten her einfach zu beengt, weil wir aus dem ursprünglichen Konzept längst hinausgewachsen sind“, bringt Daniela Johannsenova ihre Motivation auf den Punkt, sich nach einer neuen Location umzuschauen. Mit der „Rheinterrasse“ hat sie 2018 den optimalen Veranstaltungsort gefunden, wie sie betont. „Wir können hier zwei Ebenen nutzen und haben in diesem Jahr sogar noch den Silbersaal und den gelben Salon dazu anmieten können“, freut sich sie sich über die steigende Nachfrage.

Rund 70 Aussteller boten Wolle aus unterschiedlichsten Materialien, etwa aus Alpaka oder Ziegen-Mohair und Zubehör an. Beispielsweise handgenähte Aufbewahrungstaschen für Stricknadeln, aus Holz gefertigte Wollabroller, Schmuck aus Zwirn oder Knöpfe in allen denkbaren Farben und Formen. Im Erdgeschoss gab es in liebevoller Kleinarbeit restaurierte Spinnräder zu bestaunen, Designerinnen stellten ihre Strickmuster vor und an der „Wollfühlbar“ gab es verschiedene Materialien zu entdecken.

Nachhaltigkeit und Tierwohl waren auch beim „Wollfestival“ ein Thema. Beispielsweise mit „veganen Kunstfellbommeln“ für Mützen von Anita Agic. Die Österreicherin setzt die Idee gemeinsam mit ihrer Mutter seit 2013 um. „Wir fertigen alles von Hand und individuell nach den Wünschen unserer Kunden“, so Agic.

Auch Angelika Starker hat Nachhaltigkeit im Blick. Auf ihrem Hof nahe Dresden züchtet die Oberhausenerin mit ihrem Mann Alpakas. Rund 70 Tiere hat das Ehepaar. „Die Alpakas haben so viele Farben, dass wir die aus ihren Haaren gewonnene Wolle nicht färben müssen“, verrät Angelika Starker. Alpaka-Haar ist reich an Keratin (Eiweiß). „Das wird ihnen entzogen und wir verwenden es als Zutat für unsere natürlichen Seifen“, gibt sie Einblick in die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten. Qualitativ weniger hochwertige Haare, werden beispielsweise zu Einlegesohlen für Schuhe. „So können wir die gesamte Wolle unserer Tiere verwenden“, versichert Angelika Starker.

Sylvia Veithen züchtet Mohair-Ziegen. „Wir lassen sie zweimal im Jahr scheren“, berichtet die Belgierin. Die Wolle wird in Frankreich gesponnen und eingefärbt. Sylvia Veithen fertigt daraus im Anschluss Pullover, Schals oder Mützen.

Beim Rundgang wurde deutlich: Stricken ist weit davon entfernt, ein angestaubtes Hobby zu sein. Nadel und Knäul nehmen inzwischen nicht nur alle Altersgruppen in die Hand, auch die Herren entdecken den kreativen Zeitvertreib für sich.

„Strickende Männer sind gar nicht so selten. Früher war es sogar üblich“, stellt Michael Deiting-Meißelbach, Gründer von „Maleknitting Cologne“, klar. Den Umgang mit der Nadel hat der Kölner von seiner Mutter gelernt. „Das ist gut drei Jahrzehnte her“, gibt er zu. Wie für viele war Stricken noch Teil des Unterrichts an seiner Grundschule. Vor sechs Jahren entdeckte Michael Deiting-Meißelbach das Hobby neu, hängt seitdem begeistert an der (Woll-)Nadel und gründete eine Männer-Strick-Community. Man(n) trifft sich regelmäßig einmal im Monat für vier Stunden. „Dann wird gestrickt, gehäkelt oder gesponnen, wie jeder mag“, plaudert Deiting-Meißelbach aus dem Nähkästchen. Ein Düsseldorfer sei auch in der Männerrunde, verrät er schmunzelnd.

Zugegeben in Sachen Herrenstrick-Treffs ist in der Landeshauptstadt noch Luft nach oben. Dafür gibt es aber einen Fachmann, der nicht nur Anleitungen für strickende Männer schreibt, sondern auch vor rund einem Jahr das Geschäft „Stoffe und Zubehör“ an der Bahnstraße übernommen hat. „Was viele nicht wissen, früher waren in Strick-Zünften ausschließlich Männern organisiert“, stellt Michael Weinreich klar und führt weiter aus: „Man kennt Bilder von strickenden Cowboys, Fischern oder Schäfern. Die zum Teil bis heute zu Nadel und Knäul greifen“.

Die Bühne hatte Daniela Johannsenova wie schon im vergangenen Jahr gemeinnützigen Organisationen wie dem Verein „Kölner Herzkissen e. V.“ zur Verfügung gestellt. Für die Veranstalterin „eine Herzensangelegenheit“.

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