So will die Politik über die neue Umweltspur in Düsseldorf entscheiden

Verkehrswende : Neue Umweltspur: So will die Politik entscheiden

Wirtschaftsverbände warnen vor Verkehrschaos und den Folgen. Bei den Politikern lässt sich bereits eine Tendenz ablesen.

Möglichst schnell, auf jeden Fall noch im Herbst will die Stadtspitze die dritte und mit Abstand längste Umweltspur einrichten: Hinter der A46 soll sie wie berichtet von der Werstener Straße (Höhe Südpark) quer durch die City zunächst bis kurz vor die Corneliusstraße, dann auch über sie und weiter über Berliner Allee bis zur Kaiserstraße eine Autospur ersetzen – und nur von Rheinbahnbussen, E-Fahrzeugen, Taxis, Radfahrern sowie Autos mit drei oder mehr Insassen befahren werden dürfen.

Die politische Debatte um die Kappung einer Fahrspur nimmt jetzt noch einmal richtig Fahrt auf, obwohl ja zwei Umweltspuren längst in Betrieb sind. Die übrigens haben bislang noch keinen Verkehrskollaps ausgelöst, wie der CDU-Verkehrsexperte Andreas Hartnigk einräumt – auch wenn der eigentliche Lackmustest erst nach den Sommerferien ansteht. „Wir werden die Vorlage in der Fraktion erst einmal genau prüfen. Und da geht es ja um einen Versuch. Wichtig wäre es zum Beispiel, dass das Umweltministerium nun mal erste Daten von den beiden Umweltspuren vorlegt – denn es geht doch vor allem darum, ob sich die Luft da verbessert hat oder nicht.“

Zugleich fordert der CDU-Fraktionsvize eine umfassendere Diskussion, es dürfe nicht alleine um Luftqualität und Umweltspuren gehen. Hartnigk: „Auf keinen Fall wollen wir, dass der Wirtschaftsstandort Düsseldorf nachhaltig geschädigt wird, weil die Erreichbarkeit der Stadt für Pendler deutlich schlechter wird.“

In die gleiche Kerbe hauen wenig überraschend die Wirtschaftsverbände. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) kritisiert, dass diese dritte Umweltspur auf einer der Haupteinfallstraßen und ohne funktionsfähige Umsteigemöglichkeiten auf den ÖPNV oder alternative Verkehrsmittel einen Verkehrsinfarkt vor allem in der Rushhour auslösen werde. „Dabei haben wir vor allem die Erreichbarkeit der Stadt für den gewerblichen und Lieferverkehr im Blick, aber auch die der innerstädtischen Arbeitsplätze“, sagt Hauptgeschäftsführer Gregor Berghausen. Die IHK appelliert indes zugleich an alle Autopendler, wenn es ihnen möglich ist, auf Alternativen umzusteigen. Berghausen nennt da vor allem den ÖPNV samt der Nutzung des Fimentickets, aber auch unternehmensinterne Pool-Lösungen, etwa für Fahrgemeinschaften.

 Das Handwerk warnt vor den Folgen „einer kilometerlangen Verengung der Haupt-Pendlerachse durch die City“ und befürchtet lange Rückstaus. Die Gefahr bestehe, dass der Verkehr sich neue Wege sucht – und zwar in schlechter geeignete Durchfahrtsbereiche. Die Emissionen würden sich mit verlagern und dort möglicherweise über den Grenzwert hinaus hochgetrieben, was den neuen Luftreinhalteplan konterkarieren würde, und den Wirtschaftsverkehr insgesamt blockiere, fürchtet Kammerpräsident Andreas Ehlert.

Dagegen steht neben Umweltverbänden und den Grünen auch die SPD voll hinter dem Projekt Umweltspuren: „Es gibt viele unnötige Autofahrten in Düsseldorf, man wird eine Verhaltensänderung ohne Einschnitte für die Autofahrer nicht erreichen“, sagt Fraktionschef Markus Raub. Im übrigen hätten die beiden ersten Umweltspuren kein Verkehrschaos hervorgerufen. Raub: „Vor allem aber kann mir kein Kritiker eine kurzfristig machbare, gute Alternative zur Reduzierung der Schadstoffe und damit zur Vermeidung von Diesel-Fahrverboten nennen.“

Für die FDP hingegen betont Fraktionschef Manfred Neuenhaus, dass es sich um einen Versuch handele: „Im Prinzip gehen wir den mit, aber wir müssen erst die Details prüfen.“ Denn man dürfe nicht, wie OB Geisel das wolle, die Autofahrer umerziehen, „vor allem so lange es keine echten ÖPNV-Alternativen gibt“.

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