Lipödem: Demonstration in Düsseldorf, um über Krankheit aufzuklären

Demonstration : Lipödem: „Wir wollen für das Thema sensibilisieren“

Frauen demonstrieren, um über Folgen und Ursachen einer noch recht unbekannten Krankheit aufzuklären.

„Jeden Tag einmal Lächeln, das ist mein Lebensmotto“, sagt Inge Erdinger. Die 62-jährige Düsseldorferin sitzt im Rollstuhl. Folge einer Erkrankung, die noch wenig bekannt ist, dem so genannten Lipödem. Sie betrifft ausschließlich Frauen. „Allein in Deutschland leiden rund vier Millionen Frauen darunter“, so Inge Erdinger. Die Dunkelziffer, da ist sie sicher, liege noch weit höher, denn viele würden überhaupt nicht wissen, dass sie an Lipödem erkrankt sind.

Am Samstagnachmittag organisierte der Verein Lipödem Hilfe Deutschland e. V. am Joachim-Erwin-Platz eine Menschenkette, um auf die noch kaum erforschte Erkrankung aufmerksam zu machen und mit Passantinnen darüber ins Gespräch zu kommen.

„Es geht darum, dass Lipödem genetisch weitergegeben werden kann, das heißt, wenn die Mutter daran leidet, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch die Tochter es hat“, erklärt Inge Erdinger, die in Düsseldorf 2017 eine Selbsthilfegruppe für Betroffene gegründet hat.

Ein Lipödem ist eine chronische Fettverteilungsstörung, die hormonell bedingt ist und in unterschiedlichen Lebensphasen von Frauen auftreten kann. „Bei manchen, wie bei mir selbst, zeigen sich die ersten Symptome durch eine Schwangerschaft, bei anderen erst in den Wechseljahren, aber auch in der Pubertät kann sich ein Lipödem bilden“, so Inge Erdinger.

Die betroffenen Frauen wirken adipös, klagen über schwere Beine und bekommen schnell blaue Flecken bis hin zu Hämatomen, wenn sie angefasst werden. „Besonders für Mütter ist das eine Katastrophe“, weiß Erdinger, denn „sie können kaum noch mit ihren kleinen Kindern spielen, weil es ihnen Schmerzen bereitet“. Die Einwirkungen der Krankheit auf Familien- und Berufsleben sind mit Gelenkfehlstellungen, Knie- und Hüftproblemen oft gravierend. Können bis zur Erwerbsunfähigkeit und wie bei Inge Erdinger in den Rollstuhl führen.

Eine Operation, um das Fettgewebe abzusagen, ist „kein Spaziergang“, meint Inge Erdinger. Es ist schmerzhaft und bedeutet nur, dass an der operierten Stelle keine neuen Fettansammlungen gebildet werden können, aber an anderen Körperpartien schon. Hinzu kommt, dass die OP-Kosten eine Belastung darstellen, da sie nur in seltenen Fällen von der Krankenkasse übernommen werden.

„Wir wollen mit unserer Aktion und der Performance von Plus Size Model Tanja Denise Ahrens die Menschen aufmerksam machen und für das Thema sensibilisieren“, stellt die Gründerin der Düsseldorfer Lipödem-Selbsthilfegruppe klar. Denn die Forschung steckt diesbezüglich noch in den Kinderschuhen und dadurch, dass auch Hausärzte Lipödem nicht immer diagnostizieren können, weil ihnen das entsprechende Fachwissen dafür fehlt, müsse mehr Aufklärung erfolgen. „Denn nur wenn die Frauen die Symptome (er-)kennen, können sie bei ihrem Arzt die richtigen Fragen stellen und sich zu einem Fachmediziner überweisen lassen, der die richtige Behandlung anordnen kann“, ist Inge Erdinger überzeugt.

Informationen zur Erkrankung und Selbsthilfegruppen unter:

www.fett-oder-fett.de

www.lipoedem-hilfe-ev.de

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