Kaufmann im E-Commerce - Dieser neue Ausbildungsberuf hat Perspektive

Experte für Onlinehandel : Dieser neue Ausbildungsberuf hat Perspektive

Paul Walber (21) ist einer der Ersten in Deutschland, die sich für die neue Ausbildung Kaufmann im E-Commerce entschieden. Er bestückt, pflegt und optimiert den Onlineshop bei QVC.

Bürokaufleute, Kfz-Mechatroniker und Einzelhandelskaufleute sind die ewigen Spitzenreiter in der Hitliste der Ausbildungsberufe. Viele Schulabgänger konzentrieren sich bei der Wahl ihrer Lehrstelle offenbar auf die soliden Klassiker, andere neue und vielversprechende Ausbildungsberufe bleiben unentdeckt. Das Online-Portal azubistartpunkt.de will junge Menschen bei der Berufswahl unterstützen. Es gibt nicht nur einen Überblick über aktuelle Ausbildungen und Studiengänge, sondern informiert auch über mögliche Arbeitgeber zwischen Rhein und Wupper. Der „Job-Buddy“ findet anhand von Stärken und Interessen des Bewerbers heraus, welche Ausbildungen und Studiengänge zum Einzelnen passen. Auch der neue Ausbildungsberuf Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce ist auf azubistartpunkt.de vertreten. Er wurde im August 2018 eingeführt und ist die Folge des immer weiter wachsenden Online-Handels und des damit steigenden Bedarfs an Fachkräften für den Bereich E-Commerce.

Paul Walber ist einer der Ersten in Deutschland, die einen völlig neuen beruflichen Weg gehen und sich im vergangenen Jahr für diese Ausbildung entschieden. Seit September lernt der 21-Jährige bei QVC mit Sitz an der Plockstraße die verschiedenen Abteilungen kennen und hilft dabei, den Onlineshop des Unternehmens, der den meisten als Teleshopping-Sender bekannt ist, zu bestücken, zu pflegen und bekannter zu machen. Er sorgt dafür, dass Produkte im Onlineshop bestmöglich durch Text, Bild und Platzierung dargestellt und auch in den sozialen Medien beworben werden.

Zweimal in der Woche sind Paul Walber und die zweite Auszubildende im E-Commerce bei QVC in der Berufsschule in Duisburg. Dort werden neben den rechtlichen und technischen Grundlagen für den Online-Handel auch Arbeitsrecht und Unternehmenskommunikation nähergebracht.

Nach seinem Abitur 2017 nahm sich der 21-Jährige erst einmal „Zeit zum Orientieren“. „Ich machte einige Praktika und arbeitete in einem Unternehmen, das ich schon mit 16 kennengelernt hatte“, sagt er. Damals wurde er im Lager eingesetzt, nach seinem Schulabschluss übertrug man ihm die Verantwortung für den bis dahin kaum wahrgenommenen Onlineshop. „Ich konnte mich komplett austoben und den Shop von A bis Z aufziehen“, sagt er. „Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich mich informierte, ob es eine Ausbildung gibt, die in diese Richtung geht.“

Der 21-Jährige hatte Glück – und das perfekte Timing. 2018 wurde er Teil des ersten Jahrgangs des neuen Ausbildungsberufs. Die Entscheidung hat er nicht bereut. „Die Ausbildung ist modern. Sie entspricht dem Zeitgeist“, sagt er. Denn nicht nur bei QVC steigt die Bedeutung des Onlinevertriebs. „Junge Menschen wissen aus ihrem eigenen Konsumverhalten, dass sich der Handel immer mehr digitalisiert“, sagt er.

Im vergangenen Jahr ist der Onlinehandel in Deutschland laut Handelsverband um fast zehn Prozent gewachsen, die Umsätze in den Läden stiegen nur um 1,5 Prozent. Dementsprechend setzen Unternehmen auf Auszubildende, die sich mit der digitalen Welt auskennen und die Grundlagen des kaufmännischen Berufs kennen.

Auch deshalb stehen Paul Walbers Chancen, nach seiner Ausbildung übernommen zu werden, sehr gut. „Ich bin optimistisch“, sagt er. Allen, die die Ausbildung in Erwägung ziehen, rät er: „Man sollte schon fit am PC, auch in Excel sein. Und weil sich online rechtlich auch so schnell so viel ändert, muss man sich ständig auf den neuesten Stand bringen wollen, dynamisch und flexibel sein.“

Die Checkliste der Bundesagentur für Arbeit:

Was macht ein Auszubildender im E-Commerce:

Kaufleute im E-Commerce sind im Internethandel an der Schnittstelle von Einkauf, Werbung, Logistik, Buchhaltung und IT tätig. Sie wirken bei der Sortimentsgestaltung mit, bei der Beschaffung von Waren und Dienstleistungen und präsentieren das Angebot in Onlineshops, auf Onlinemarktplätzen, in Social Media oder Blogs. Mit Kunden kommunizieren sie per E-Mail, Chat oder telefonisch und nehmen Anfragen, Reklamationen oder Lieferwünsche entgegen. Sie richten Bezahlsysteme ein, überwachen Zahlungseingänge und veranlassen die Übermittlung bestellter Waren und Dienstleistungen.

Darüber hinaus planen sie zielgruppen- und produktspezifische Onlinemarketingmaßnahmen, organisieren die Erstellung und die gezielte Platzierung von Werbung und bewerten den Werbeerfolg. Für die kaufmännische Steuerung und Kontrolle analysieren sie die Ergebnisse der Kosten- und Leistungsrechnung und werten Verkaufszahlen sowie betriebliche Prozesse aus.

Wo arbeitet man?

Kaufleute im E-Commerce arbeiten in Unternehmen des Einzel-, Groß- und Außenhandels, die Onlineshops betreiben. Bei Herstellerbetrieben, die ihre Produkte online vertreiben, im Internetversandhandel bei reinen Onlineshops, bei Touristikunternehmen, die Reisen und Flüge online verkaufen, bei Logistik- und Mobilitätsdienstleistungsbetrieben (Speditionen, Transportunternehmen, Verkehrsbetriebe, die Leistungen online verkaufen).

Welcher Schulabschluss wird erwartet?

Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben.

Was muss ein Auszubildender mitbringen?

Anforderungen sind Kundenorientierung, Kommunikations- und Kontaktbereitschaft, kaufmännisches Denken, analytische Fähigkeiten (für die Auswertung von Kunden- und Nutzungsdaten), Flexibilität (mit häufig wechselnden Aufgaben und Arbeitssituationen umgehen), Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein (beim Umgang mit Kundendaten, beim Zusammenstellen von Daten über Waren und Dienstleistungen).

Was verdient man in der Ausbildung (in NRW)?

Im ersten Ausbildungsjahr 805 Euro, im zweiten 890 Euro und im dritten 1015 Euro.

Was verdient man nach der Ausbildung?

Zur Orientierung dient die tarifliche Bruttogrundvergütung: 2275 bis 2662 Euro monatlich.

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