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Tänzer Jörg Simon - Porträt zum Abschied: „Mein Körper braucht jetzt mehr Ruhe“

Tänzer Jörg Simon - Porträt zum Abschied: „Mein Körper braucht jetzt mehr Ruhe“

Tänzer Jörg Simon verlässt nach elf Jahren die Ballett-Compagnie der Rheinoper.

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p class="text"><strong>Düsseldorf. Er identifizierte sich stark mit der Ästhetik des Ballettdirektors Youri Vamos: Jörg Simon, der nun die Ballett-Compagnie der Deutschen Oper am Rhein verlässt. Seine Abschiedsvorstellung hatte der 1964 im thüringischen Altenburg geborene Tänzer kürzlich in der Rolle des Oberon im "Sommernachtstraum". Der Stadt und dem Haus bleibt Simon aber erhalten, denn er wechselt ins Künstlerische Betriebsbüro. Dass er von einer Art Hochleistungssport schlagartig zu einer sitzenden Tätigkeit wechselt, stört Jörg Simon keineswegs, im Gegenteil: "Ich habe meinen Körper die ganze Zeit so ausgebeutet, dass er jetzt Ruhe braucht", sagt der Tänzer, der sich in seiner Freizeit gerne mit Computern beschäftigt. "Ich war viele Jahre Ballettsprecher und habe mich immer gerne um organisatorische Fragen gekümmert."

An der Palucca-Schule viel von der russischen Schule gelernt

Im Alter von zehn Jahren begann Simon mit seiner Tanzausbildung an der renommierten Palucca-Ballettschule Dresden, an der er bis 1982 Unterricht erhielt. "Aufgrund der Kooperation mit St. Petersburg lernte man in der Palucca-Schule sehr viel von der russischen Schule kennen", sagt Simon. Etwas vom modernen Tanz habe er aber dennoch dort mitbekommen. Simon erhielt sodann Engagements an der Komischen Oper Berlin, in Leipzig, Luxemburg, Basel und schließlich Düsseldorf. Die Verbindung von klassischer Technik und frei erfundenen Librettos lernte er erstmals bei dem Choreographen der Komischen Oper Berlin, Tom Schilling, kennen und schätzen. Als Vamos Simon Anfang der 90er Jahre von Leipzig, wo zu der Zeit Uwe Scholz choreographierte, nach Basel holte, konnte er seiner Vorliebe für das handlungsorientierte, mehr expressive als technische Ballett intensiv nachgehen. Simon nahm an sehr gegensätzlich gearteten Tanzwettbewerben teil, in Moskau und New York. "Für Moskau konnte man einfach klassische Tanzfiguren bis zur absoluten Perfektion üben." In New York sei es dagegen weniger um die reine Technik gegangen. "Der amerikanische Wettbewerb war anspruchsvoller, weil man sofort eine vorgegebene Choreographie tanzen musste, die man natürlich nicht vorbereiten konnte", erklärt Simon, der bei beiden Wettbewerben ins Finale kam. Als Vamos 1996 Ballettdirektor in Düsseldorf wurde, kam Simon mit ins Rheinopern-Ensemble, wo er unter anderem im Vamos-Ballett "Julien Sorel" nach der Musik Edward Elgars mitwirkte. "Julien Sorel gehört neben Giselle zu meinen Karrierehöhepunkten und absoluten Lieblingsballetten", sagt Simon, der "Julien Sorel" bereits vor 15 Jahren in Basel und nun kürzlich wieder in Duisburg tanzte. "Vamos legt nie so großen Wert auf die äußerliche Virtuosität und konzentriert sich sehr stark auf die Körpersprache, Mimik und den Gesichtsausdruck", sagt Simon. "Dieser Stil passte einfach gut zu mir." Jörg Simon

Geboren 1964 im thüringischen Altenburg

Ausbildung Ballett-Studium an der Palucca-Schule Dresden, Talentschmiede der damaligen DDR

Stationen Berlin, Leipzig, Basel, Luxemburg, Düsseldorf

Wettbewerbe Preise in Moskau und New York

Familie Lebt mit seiner Frau Young Soon Hue-Simon und Tochter Alina in Düsseldorf-Oberkassel