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Set-Besuch: „Düsseldorf mal gegen das Klischee zeigen“

Set-Besuch: „Düsseldorf mal gegen das Klischee zeigen“

Im Tor 3 tummeln sich dubiose Kleinkriminelle und deutsche Filmstars.

Düsseldorf. Der Regen prasselt auf das Blechdach der Diskothek Tor 3, monoton und unaufhörlich. Die schwül-heiße Luft im Inneren treibt den Anwesenden immer wieder Schweißperlen auf die Stirn. Es sind zwielichtige Gestalten, die sich an diesem Mittag an der Ronsdorfer Straße herumtreiben: Frauen in viel zu engen und noch kürzeren Leopardenkleidern, eine schwarzhaarige Domina im Lack-Outfit. Grellrote Lippen und hoch toupierte Haare konkurrieren mit bulligen Typen mit dicken Goldketten und fiesen Tätowierungen um die Aufmerksamkeit der Zuschauer. Schwere Jungs und leichte Mädchen stehen lässig um einen Boxring, als zwei Typen den Raum betreten. Cool, mit schwarzer Baseballkappe und Bomberjacke der eine, unsicher und wie ein Fremdkörper in dunklem Hemd und Brille der andere. Gerade als sie sich mit den finsteren Typen bekannt machen wollen, fährt eine Stimme barsch dazwischen: "Stopp! Cut!"

Im Tor 3 finden derzeit die Dreharbeiten zu dem neuen Film von Autor und Regisseur Christian Zübert ("Lammbock", "Soloalbum") sowie den Produzenten Sönke Wortmann und Tom Spieß statt. Die Komödie mit dem Arbeitstitel "Hardcover" erzählt die Geschichte eines wenig erfolgreichen Schriftstellers (Lucas Gregorowicz), der durch Zufall an einen Kleinkriminellen (Wotan Wilke Möhring) gerät und von ihm zu Recherchezwecken in die Szene eingeführt werden will. Dass beide dabei immer wieder in prekäre Situationen geraten, versteht sich von selbst. Die Koproduktion mit WDR und Arte wird von der Filmstiftung NRW gefördert und soll im nächsten Jahr in die deutschen Kinos kommen. Das Fernsehen wird den Film etwa 2009/10 ausstrahlen.

"Wir fanden es spannend, Düsseldorf einmal abseits der Kö oder des schicken Hafenviertels zu zeigen", erklärt Produzent Tom Spieß die Drehort-Wahl. Entsprechend des Kleinkriminellen-Milieus des Films siedelte sich die Crew daher rund um die Kölner Straße an, die den Hauptschauplatz des Films bildet. "Wir wollten gegen das Klischee arbeiten", betont Spieß, der zusammen mit Sönke Wortmann die Filmgesellschaft "Little Shark Entertainment" führt.

Etwas klischeebehafteter kommen da schon die Figuren daher. Ein Punkt, der vor allem Wotan Wilke Möhring enormen Spaß bereitet hat. "Es war toll - endlich kann ich mal mit großen Gesten spielen und muss nicht so zurückgenommen agieren!" Kollege Justus von Dohnányi, mit Bart und Tätowierungen, aber ohne Haare kaum zu erkennen, stimmt zu: "Ich bin ja hier so ’ne Art Kleinstadt-Pate, klar macht mir das Spaß!"

Es geht am Set zu, wie man es kennt: Die Geldgeber loben den Produzenten ("Es ist toll, dass Sönke Wortmann NRW treu bleibt."), die Schauspieler den Autor ("Ich schätze seinen hintergründigen Humor.") und die Schauspieler sich untereinander ("Die Zusammenarbeit ist toll!"). Und alle sind stolz auf den Film.

Der viele Regen der letzten Wochen hat das Team noch nicht zurückgeworfen. "Das Wetter hat subtil gegen uns gearbeitet", frotzelt Lucas Gregorowicz. "Immerhin hatten wir bisher noch Ausweichmöglichkeiten", fügt Tom Spieß hinzu, "doch jetzt wird’s Zeit für etwas Sonne!" Vielleicht wird sein Wunsch erhört. Das Prasseln auf dem Blechdach ist jedenfalls verstummt.