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Ulrich Hartmann: An Weltkunst vorbei in die Cafeteria

Ulrich Hartmann: An Weltkunst vorbei in die Cafeteria

Interview: Ulrich Hartmann, der Aufsichtsratsvorsitzende von Eon, spricht über die museumsreife Sammlung seines Hauses.

Düsseldorf. Der Energiekonzern Eon ist mit rund 20 Prozent finanzieller Partner der Stadt in der Stiftung museum kunst palast. Er besitzt auch eine eigene Sammlung. Der ehemalige Eon-Chef und jetzige Vorsitzende des Aufsichtsrats, Ulrich Hartmann, schildert im Gespräch, wie es zu den herrlichen Bildern und Skulpturen bei der Veba und der heutigen Eon kam.

Herr Hartmann, die Kunst am Eon-Platz ist wesentlich durch Sie geprägt. Haben Sie heimlich Kunst studiert? Wie kommt diese Qualität in Ihr Haus?

Hartmann: Ich bin interessiert, aber kein Sammler. Wir hatten immer auch Berater. In den 70er Jahren war dies unser Vorstandsmitglied von Stinnes, Günther Winkelmann, der auf Zero spezialisiert war. Damals fingen wir vorsichtig mit Piene und Uecker an. Ich kam 1975 nach Düsseldorf, und da betreute uns der Galerist Alfred Schmela. Das war eine herzliche Zusammenarbeit - zum Schluss war es eine Freundschaft. Da wurden keine Bilder interpretiert, er sagte nur: "Das nimmste!" Schmela hat uns neben Düsseldorfer Künstlern die Amerikaner nahe gebracht: Jackson Pollock, Agnes Martin, Ellsworth Kelly. Zu Preisen, von denen man heute nur träumen kann. Diese Werke könnten im MoMa hängen. Schmela war ein überragender Mann, mit einem unglaublichen Kunstverstand. Das war eine verrückte Zeit.

Haben Sie über ihn sehen gelernt?

Hartmann: Ich habe alles gelernt. Ich will es jedoch nicht als meine persönliche Sache ansehen. Ich habe aber daran mitgewirkt, dass das Geld zur Verfügung stand.

Schmela starb 1980. Was kam danach?

Hartmann: Ich bin in meinem beruflichen Werdegang durch den Konzern gewandert, von Düsseldorf weg. Ende der 80er Jahre kam ich zurück, als Finanzchef. 1993 wurde ich Vorstandsvorsitzender der Veba und habe die sehr nette Anita Kaegi kennen gelernt. Sie war zuvor Kunstberaterin bei einer Bank und dort auch für Anlagen in Kunst zuständig. Seit 1993 beriet sie die Veba, später Eon. Sie ist von Galerien unabhängig. Wir brauchten einen Berater, der sich nicht durch ein Verkaufsinteresse steuern lässt. Mit dem Umzug der Eon im Jahr 2001 ins jetzige Gebäude haben wir noch einmal zeitgenössische Kunst gekauft, lebende Künstler, und uns dabei mehr auf Europa konzentriert.

Gibt es einen festen Ankaufsetat?

Hartmann: Nein, aber wir haben nun knapp über 500 Arbeiten. Der größte Teil wurde in den 90er Jahren und mit dem Umzug gekauft. Das Gebäude von Oswald Matthias Ungers ist allerdings für Kunst nur sehr eingeschränkt geeignet. Die Architektur ist selbst Kunst, viel Stein und viel Glas.

Sie besitzen kapitale Installationen, die Videoskulptur mit dem V für Veba von Nam June Paik und den Raum von Bill Viola etwa.

Hartmann: Ja, beides sind Auftragswerke. Paik wollte für Veba außer dem V noch das E und B und A machen, das Projekt wurde aber nicht weiter verfolgt. Mit Bill Viola sind wir sehr eng befreundet. Kennen gelernt haben wir uns 1997, als die ehemalige Veba an die New Yorker Börse ging und wir uns überlegten, wie sich das Unternehmen in Amerika engagieren soll. Wir waren fasziniert von Bill Viola und finanzierten seine erste Retrospektive, die erstmals am Whitney Museum zu sehen war. Er war uns von Herzen dankbar. Der Mann ist wirklich ein Philosoph. Damals lag sein Vater im Sterben, und er setzte sich intensiv mit dem Tod auseinander. Jahre später machte er die Installation "Living Witness" im Eon-Gebäude, wie eine kleine Kapelle. Die Idee, da zur Ruhe zu kommen, finde ich gut. Er zeigt in seinem Video Personen, die aus dem Nichts hervorkommen, über ihr Leid klagen, wieder zurück gehen und verschwinden. Bill Viola war sicherlich ein Höhepunkt in der Begegnung mit Künstlern.

Sie verfolgen Kunst mit großer Sicherheit, nicht nur Malerei und Video. Entscheiden Sie allein?

Hartmann: Es gibt einen, der es vorschlägt, und andere, die es akzeptieren müssen. Wir waren von der Fotografie auch schon sehr früh angetan. Das begann Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre mit den Bechers in Düsseldorf. Die großen Werke von Beat Streuli, Andreas Gursky, Axel Hütte etc. wurden 2001 und 2002 gekauft. Wir haben uns auf die Themen Natur und Menschen konzentriert. Fotografie eignet sich gut für die steinernen Wänden des Neubaus, denn sie ist durch Glas oder Kunststoff geschützt.

Wie gehen die Mitarbeiter mit einer Kunst um, die bei Tony Cragg doch recht labil ist?

Hartmann: Sie gehen gut damit um. Ab und zu fehlt zwar eine Flasche, aber ich glaube eher, dass Besucher sie mitgehen lassen. Die Teile sind alle aufgezeichnet, und Tony Cragg bildet sie im sandstrahl-geblästen Zustand wieder nach. Viele Mitarbeiter haben Bilder in ihren Büroräumen, und sie besuchen Ausstellungen im museum kunst palast. Außerdem läuft man jeden Tag im Haus an Kunst vorbei. Andreas Gursky hängt vor, Beat Streuli in der Cafeteria.

Sie waren ein großer Befürworter für die Public Private Partnership mit der Stadt am Ehrenhof. Ist das eine Idee auch für die Zukunft?

Hartmann: Es hängt wie beim Geschäft von den handelnden Personen ab. Wenn sie nichts daraus machen, klappt es nicht. Wir sind sehr optimistisch, dass der neue Museumschef Beat Wismer die Partnerschaft mit Eon vernünftig weiter führt. Auch der Freundeskreis soll reaktiviert werden. Im Herbst gibt es einen neuen Vorstand.

Georg Thoma ist als Vorsitzender im Gespräch?

Geboren Ulrich Hartmann wurde 1938 in Berlin geboren

Ausbildung Jurastudium 1958 bis 1967 in München, Berlin und Bonn; Assessor-Examen

Beruflicher Werdegang Seit 1973 arbeitete er bei der Veba; von 1980 bis 1985 als Vorstandsmitglied der Nordwestdeutschen Kraftwerke, Hamburg; 1985 bis 1989 Vorstandsmitglied PreussenElektra, Hannover; 1989 bis 1993 Vorstandsmitglied Veba, Finanzen; 1993 bis 2000 Vorstandsvorsitzender der Veba, Düsseldorf; 2000 bis 2003 Vorstandsvorsitzender der Eon, nach der Fusion von Veba und Viag. Seit 2003 Aufsichtsratsvorsitzender der Eon.

Ehrenamt Seit 1993 Königlich Norwegischer Generalkonsul.

Ausstellung Das museum kunst palast im Ehrenhof präsentiert die Schau "Die Kunst zu sammeln". Zu sehen sind Werke aus den letzten hundert Jahren aus Düsseldorfer Privat- und Unternehmensbesitz. Die Ausstellung läuft bis zum 22. Juli, di bis so 11 - 18 Uhr.

Führungen Samstags und sonntags um 15 Uhr. Die Kuratoren führen am 5. Juli um 17 Uhr. Buchung über: Telefon 899-0100

info@museum-kunst-palast.de

Eon-sammlung Sieben Werke aus Eon-Besitz sind im Ehrenhof zu sehen. Sie stammen von Axel Hütte, Shirin Neshat, Ernst Wilhelm Nay, Sigmar Polkes, Werke von Kenneth Noland, Jackson Polock und Gerhard Richter.