So war es bei Limp Bizkit in Düsseldorf

Konzertkritik : Limp Bizkit gehen mit ihren Fans auf Zeitreise

Die Band legte mit 30 Minuten Verspätung los. Dafür gab es dann aber gleich das volle Brett.

Stell dir vor, Du bist Fan von einer Band und deren Frontmann holt dich auf die Bühne, um mit ihm zusammen einen Song zu performen. So geschehen am Donnertagabend in der Mitsubishi Electric Halle. Limp Bizkit Sänger Fred Durst fragte einfach mal so in die Menge: „Wer will mit mir ans Mikrophon?“ Der macht doch einen Scherz, waren sich die Fans sicher, bis einer aus ihrer Mitte dann tatsächlich zu den Jungs auf die Bühne steigen durfte und die Halle mal so richtig rockte. Damit hatten Limp Bizkit dann wohl nicht gerechnet. Die hatten mit 30 Minuten Verspätung losgelegt. Dafür gab es dann aber gleich das volle Brett der Nu-Metal-Pioniere aus Jacksonville in Florida. Bass N‘ Drums, harte Gitarrenriffs und Hip Hop. Voll war die Mitsubishi Electric Halle zwar nicht, dafür hatte man aber den unbestuhlten Innenraum verbreitert, indem die ersten beiden Tribünen rechts und links entfernt wurden. So hatte die Menge reichlich Platz sich zu bewegen, wenn auch das Auf- und Abhüpfen zwischendrin so wild wurde, dass Fred Durst von der Bühne aus bat, es etwas ruhiger angehen zu lassen.

Überhaupt war Freddy extrem gut aufgelegt und überaus mitteilsam an diesem Abend. Gleich mehrfach bewies das Quintett Humor, beispielsweise bei einer schrägen Coverversion von George Michaels Hit „Faith“. Zuvor gab es eine noch schrägere Gesangseinlage von Gitarrist Wes Borland, in Unterhosen und Seidenjackett über die Bühne stolzierend. Zuvor hatte er noch im glitzernden Bademantel in die Saiten gegriffen.

Danach setzte die Truppe dann noch eins drauf. „Sind hier echte Männer in der Halle?“, hatte Fred Durst das Publikum gefragt. Es reckten sich nicht wenige Hände in die Höhe, bis Durst einen Satz anfügte: „Und wer von euch echten Männern ist bereit, zu mir auf die Bühne zu kommen und sich von einem Mann küssen zu lassen?“

Zwei echte Kerle hatten mit dieser Aufforderung ganz offensichtlich kein Problem und machten den Spaß gerne mit. Die beiden in schwarzen Jeans und T-Shirts gekleideten Fans überragten Fred, der in bunten Bermudas und Oversize-Shirt zwischen ihnen stand, um mehr als eine Kopflänge. Gaben sich unter dem Applaus des Publikums einen dicken Schmatzer und umarmten sich lachend.

Musikalisch boten Limp Bizkit das Erwartbare. Natürlich ihre Version des The Who-Klassikers „Behind blue Eyes“ und „Rollin‘“. An einem Cover von Rage against the Machine’s „Killing in the Name“ versuchten sich Limp Bizkit zwar auch, aber da lag die Messlatte des Originals wohl doch etwas zu hoch für die fünf Herren. Zwischendrin gab es immer mal wieder Samples von DJ Lethal.

Zwar arbeitet die Band an einem neuen Album, dessen Titel „Stampede of the Disco Elephants“ bereits bekannt und dessen Veröffentlichung noch für dieses Jahr angekündigt ist. Am Donnerstag behielten Limp Bizkit aber eher die Vergangenheit im Blick und unternahmen eine „Zeitreise“, wie Fred Durst mehrfach betonte.

Die Hochzeit erlebte die 1994 gegründete Band vor allem zwischen 1997 und 2001. Immer mal wieder verabschiedeten sich Mitglieder aus der Truppe, um dann später wieder zurück zu kommen.

Den letzten großen Hit landeten Limp Bizkit mit ihrem 2011 erschienen Album „Gold Cobra“, das es immerhin in Deutschland auf Platz 1 der Charts geschafft hat. Danach machte die Gruppe mehr durch Querelen untereinander von sich reden, als mit CD-Veröffentlichungen. Das für dieses Jahr angekündigte Album sollte übrigens bereits 2015 erscheinen.

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