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Düsseldorf: NRW-Forum: Fotoschau aus 80 Jahren Tour-Geschichte

Düsseldorf : NRW-Forum: Fotoschau aus 80 Jahren Tour-Geschichte

Das NRW-Forum präsentiert eine Fotoschau aus 80 Jahren Tour-Geschichte. Andreas Gursky und Kraftwerk machen mit.

Düsseldorf. Auf die Beine der Radfahrer hat es Timm Kölln abgesehen. Deren Muskeln liegen nicht nur in den Waden, sondern sie breiten sich auch über den Knien aus. Der Fotograf aus Berlin hat sie wie Maschinenteile aufgenommen, die zum Erfolg führen, denn die gesamte Physiognomie des Körpers ist auf das Rad abgestimmt. Für die Ausstellung „Mythos Tour de France“ im NRW-Forum hat er sein Motiv auf eine Größe von mehreren Metern abziehen lassen. So sagen sie etwas über die Kraft, die jeder Teilnehmer mitbringen muss, wenn er sich diesem Sport widmet. Dem Kolumbianer Mauricio aber nützten sie letztlich nichts. Er verunglückte, erlitt einen Gehirnschaden und ist seitdem Invalide. Doch dieses Schicksal ahnt kaum jemand, der durch die Schau der grandiosen Bilder geht.

Düsseldorf: NRW-Forum: Fotoschau aus 80 Jahren Tour-Geschichte

Als den „Countdown zum Grand Départ“ begreift Alain Bieber als Chef des NRW-Forums die Ausstellung. Bevor sich die Sportler vom 29. Juni bis 2. Juli am Startplatz Düsseldorf treffen, können die Fans die 120 Aufnahmen genießen. Sie stammen von hochberühmten Fotografen und Fotokünstlern und dokumentieren zugleich 80 Jahre Kulturgeschichte.

Düsseldorf: NRW-Forum: Fotoschau aus 80 Jahren Tour-Geschichte

Den Auftakt machen Magnum-Fotografen wie Robert Capa und Richard Kalvar, die mit der analogen Kamera die Ruhmes- und Schattenseiten dieses Sports ablichten. Vor einem halben Jahrhundert war es noch möglich, den Startenden mit der Kamera entgegenzulaufen, wie es Richard Kalvar tat. Heute wäre das unmöglich angesichts all der Absperrungen. Anno dazumal hielt denn auch ein Mann in Knickerbockern beim Start einfach eine simple Fahne hoch.

Düsseldorf: NRW-Forum: Fotoschau aus 80 Jahren Tour-Geschichte
Foto: Stadt Düsseldorf

Um den kleinen Formaten der Altvorderen zu entgehen, ließ das NRW-Forum von zwei Capa-Aufnahmen ein tolles Kippfoto anfertigen, indem zwei Aufnahmen übereinandergelegt wurden. Auf dem einen blicken die Zuschauer nach links, auf dem anderen nach rechts. Übereinandergelegt, ergibt dies ein Wackelfoto. Wer es betrachtet und sich dabei bewegt, meint, die Aufnahme laufe mit ihm mit.

In Düsseldorf gibt es drei besondere Fans der Tour de France. Andreas Gursky präsentiert ein faszinierendes Hochformat aus den Alpen, mit den bunten Flecken der Sportler, die sich in die Kurven schmiegen. Gursky ist ein großer Förderer des Düsseldorfer Radsportereignisses. Mit seinem Namen, seiner Kunst und seiner geschenkten Sonderedition trägt er viel zur Kultur dieses Ereignisses bei.

Der zweite Fan ist Philipp Hympendahl. Sein bestes Foto entstand 2001, als er mit einer alten Plattenkamera und zwei Kassetten losfuhr. Er übernachtete im Auto hoch oben in den Bergen. „Ich wollte die Stimmung, die Geschichte“, sagt er im Gespräch. Wie von einem Aussichtsturm ist die Aufnahme gemacht, mit einem genialen Blick zugleich in die weite Landschaft im Hintergrund. Dem Tempo und der Hektik des Sports begegnet er mit der Langsamkeit und Ruhe der analogen Kamera.

Eine kleine Sensation bietet die Kultband Kraftwerk. Sie erlaubte, dass der Fotograf Kai Schäfer das legendäre Cover der Platte „Tour de France“ auf einen alten Plattenspieler von 1975 legte, der durch seine stilvolle Aluminium-Verkleidung geradezu kostbar wirkt. Für Schäfer ging ein Traum in Erfüllung, denn der Kraftwerk-Frontmann Ralf Hütter versah das Foto mit seiner Signatur.

Genau so besonders wie die Entstehung des Bildes ist auch seine Zukunft. Denn die großformatige Aufnahme wird ab Freitag über das Auktionsportal United Charity für einen guten Zweck versteigert. Der Verkaufserlös kommt vollständig dem städtischen Kinderhilfezentrum in Düsseldorf zugute. So hat die Tour de France mit ihrem enormen PR-Wirbel und den vielen Kosten doch noch eine gewisse Nachhaltigkeit erlangt. Das Kinderhilfezentrum unterstützt nämlich Eltern, die ihre Kinder wegen vielerlei Problemen nicht ausreichend versorgen können.