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Theater: "Trennung für Feiglinge": Konstruktion einer Pointen-Maschine

Theater : "Trennung für Feiglinge": Konstruktion einer Pointen-Maschine

An der Steinstraße hatte die Komödie „Trennung für Feiglinge“ Premiere.

Wir hören französische Chansons, befinden uns in einem Appartement in Paris, und es dreht sich alles um die Liebe - sowie um das Verbleibende, wenn die Glut plötzlich erloschen ist. „Ich möchte ihr am liebsten die Schnauze polieren“, fährt es aus Paul (Max Claus) heraus. Er gesteht seinem besten Freund Martin (Jan Kittmann), dass er seine hübsche und immer nette Freundin Sofie (Dorkas Kiefer) aus unerklärlichen Gründen nicht mehr ausstehen könne.

Er träume von den blutigsten Umständen, unter denen Sofie ums Leben komme und sei enttäuscht, wenn er sie nach dem Aufwachen im Bett lebend vorfinde. Martin kommt aus dem Staunen nicht heraus, erst recht als er erfährt, dass er beim Vergraulen Sofies mitspielen soll.

„Trennung für Feiglinge“ heißt das Lustspiel des französischen Autors Clément Michel (geboren 1974), das nun in der Komödie an der Steinstraße eine umjubelte Premiere feierte. Regie führt René Heinersdorff, als Leiter vom Theater an der Kö eigentlich direkter Konkurrent des benachbarten Hauses. Die Produktion soll nun das kollegiale Miteinander der beiden Düsseldorfer Privattheater dokumentieren, sagt die Komödien-Leiterin Katrin Schindler.

Die Handlung wirkt extrem konstruiert: Paul bittet Martin in die Wohnung, in der er mit seiner verhassten Freundin lebt, einzuziehen. Er solle dies unter einem dramatischen Vorwand tun. Die eigentlich quicklebendige Mutter sei gestorben, und er könne während der Trauerphase nicht alleine Leben.

Er soll sich dann als Gast derart daneben benehmen, dass die Dame des Hauses freiwillig das Weite sucht. Dass sich ein normaler Mensch auf den ziemlich bekloppten Deal einlässt, wirkt zwar unwahrscheinlich, liefert aber eine Steilvorlage für Situationskomik und Pointen.

Zum Kabinettstück wird allein die anfängliche Verwechslung von Martins realem Hämorrhoiden-Leiden mit dem erfundenen Verlustschmerz. Wenn Sofie dem dauererstaunten Martin Ratschläge gibt, wie mit der toten Mutter zu verfahren sei, dieser aber glaubt, sein ihm etwas peinliches physisches Wehwehchen sei Thema, sind der Fantasie beim Erfinden von grotesken Bildern kaum Grenzen gesetzt.

Dass sich das Blatt wendet, ahnt man schon. Doch wie und wie oft es sich in die verschiedensten Richtungen dreht, lässt sich weniger gut vorhersehen. Und so hat der Plot manche Überraschung auf Lager. Der Abend steht und fällt freilich mit den Darstellern. Und alle drei Schauspieler agieren quirlig und glaubwürdig. Trotz der oft unrealistischen Handlung nimmt man dem Trio, insbesondere den beiden Herren, das absonderliche Verhalten ab.

Spielt Max Claus den irren Paul mit beachtlicher Suggestivkraft, gibt Jan Kittmann einen herrlich verdatterten Martin ab. Dorkas Kiefer als naive Sofie hat zwar die unspektakulärste Rolle, doch besticht die natürliche Art der Darstellung.

René Heinersdorff tritt mit seiner Regiearbeit nicht auffällig in den Vordergrund, stellt aber das Gespür der Profis fürs Timing von Gags unter Beweis. Daher gewinnt das Stück rasch an Fahrt und nimmt das Publikum mit.

Und so hat die Komödie mit der turbulenten Produktion einmal mehr die Lacher auf ihrer Seite.