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Katharina Fritsch: Künstlerin der Alltags-Ikonen

Katharina Fritsch: Künstlerin der Alltags-Ikonen

Die berühmte Künstlerin, Professorin für Bildhauerei an der Akademie, spricht erstmals über ihr Leben und ihre Kunst.

Düsseldorf. Katharina Fritsch gehört zu den Künstlern, die Düsseldorf berühmt machen. Sie war Kommilitonin von Andreas Gursky und Thomas Schütte, die heute als Stars gehandelt werden. Aber sie gilt noch immer als große Unbekannte und Unnahbare.

Dabei wurde sie hier vor zehn Jahren fast hymnisch mit ihrem grünen Elefanten im K 21 gefeiert. Das Licht vom Kaiserteich brach sich an dem lebensgroßen Kunststoff-Ungetüm, die Besucher waren fasziniert. Nun gab sie im Gespräch, inzwischen Professorin an der Kunstakademie, etwas von ihrer Vita preis.

Sie verlebte ihre Kindheit und Jugend in der Bischofsstadt Münster und wuchs „sehr katholisch auf. Es war immer ein Faszinosum für mich, in eine Kirche zu gehen.“

Aber zugleich wehrt sie sich gegen ein Klischeebild: „Ich mache keine katholische Kunst, auch wenn ich mit einer gelben Madonna angefangen habe. Meine Symbole sind sehr herausfordernd. Sie tauchen überall in der Welt auf.“ Dazu gehören Katzen und Mäuse, der Totenkopf und die Heiligenfigur. Zu ihrem jüngsten Ei sagt sie: „Ich wollte schon lange ein Ei machen und habe Eier gesammelt, bis ich endlich mal zwei Eier hatte, die ich benutzen konnte. Es ist sehr schwer, ein Ei zu machen.“

Sie gehört zu den seltenen Bildhauern, die farbig arbeiten. „Ein Ding, eine Farbe“, erklärt sie. Die gipserne Madonna, Typ Lourdes aus einem Devotionalienladen in Kevelaer, hat Katharina Fritsch leuchtend gelb gefärbt, in Erinnerung an die goldene Madonna ihrer Heimatstadt Essen. Der Elefant ist grün. Die 224 dicht aneinander gedrängten Pudel sind pechschwarz. Vieles wirkt obsessiv und absolut zugleich. Den Totenschädel hat sie mit weißer Farbe gespritzt und sagt: „Das Bild lässt sich nicht greifen. Das sind 3-D-Bilder.“ Der Betrachter erlebt sie wie Erscheinungen.

Mit Farben ist die Künstlerin aufgewachsen, denn der Großvater war Generalvertreter von Faber Castell. Er hatte die Garage voller Wachsfarben und Buntstiften. Sie sagt: „Es war alles da, was man sich nur denken konnte. Das war für mich das Eldorado.“ Sie wisse sehr viel über Farben, mische sie selbst an und benutze seit Jahrzehnten bestimmte Pigmente, um diese unglaubliche Leuchtkraft zu erhalten. Aber sie betont: „Die Farbskala kommt eher aus einer Intuition heraus.“

Ihre Skulpturen erregen gegenwärtig im Skulpturengarten des MoMa, New York, große Aufmerksamkeit. Dort kontrastieren sie mit den bräunlichen Bronzen von Meistern wie Rodin und Matisse. Sie wirken ungemein präsent, wie visuelle Irritationen, wie Ikonen des Alltags.

2013 wird sie auf dem Trafalgar Square einen ultramarin-blauen Hahn aufstellen, zehn Meter hoch und im Innern durch Stahlgerüste stabilisiert. Die Jury lobt die kühne Farbe, die monumentale Größe des Hahns und das „Gefühl der Halluzination in der freundlichen Architektur des 18. Jahrhunderts.“