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Regisseure inszenieren die Weltkrisen

Regisseure inszenieren die Weltkrisen

Die neue Spielzeit im Forum Freies Theater beschäftigt sich mit Tragödien im Nahen Osten, Japan und in der Elfenbeinküste.

Düsseldorf. Es ist das Markenzeichen der freien Theaterszene, zügig auf gesellschaftspolitische Veränderungen zu reagieren. Die Intensität, mit der sich diese Künstler ihrer Arbeit widmen, bekommt die Intendantin des Forum Freies Theater (FFT), Katrin Tiedemann, zurzeit besonders deutlich zu spüren. Die Unruhen in den arabischen Ländern, die Atomkatastrophe in Fukushima, die blutigen Konflikte in der westafrikanischen Elfenbeinküste: „Es gibt Künstler, die an diese Orte fahren, um ihren Blick zu schärfen. Oder aber sie stammen von dort“, sagt Tiedemann. Manchmal hört das FFT-Team tagelang nichts von den Regisseuren, in anderen Fällen gibt es Schwierigkeiten bei den Visa-Anträgen.

Die weltpolitisch bedeutenden Umbrüche kommen in der Spielzeit 2011/2012 in vielen Inszenierungen zum Tragen. Tiedemann präsentierte am Mittwoch eine Auswahl der neuen Produktionen. Eröffnet wird die Saison am 6. Oktober mit einem Stück von Frank Raddatz. In „Masks of Violence“ stehen syrische und libanesische Darsteller auf der Bühne und berichten als Augenzeugen von den Geschehnissen in der arabischen Welt. Die Texte stammen unter anderem von Heiner Müller und der Schriftstellerin und Malerin Etel Adnan, einer 85 Jahre alten Frau, die in einem christlich-muslimischen Haushalt groß wurde, Philosophie in den USA und Paris studierte und im nächsten Jahr an der documenta in Kassel teilnimmt.

Ebenfalls im Nahen Osten spielt „Lessons in Revolting“, ein Stück, das die Demonstrationen auf dem Tahrirplatz in Kairo aufgreift, diese in Videos und Musikstücken festhält und auf diese Weise auf der Bühne sichtbar macht. Uraufführung hat das Stück in Kairo, die Deutschlandpremiere findet am 7. Oktober in den FFT-Kammerspielen an der Jahnstraße 3 statt.

Auch Musik spielt wieder eine exponierte Rolle in der neuen Spielzeit. So wird etwa das in diesem Jahr neu eingeführte Format „Interface“ (9.-14. Januar 2012), eine Werkstattreihe für experimentelle Sound-Art, in diesem Jahr fortgesetzt. Dabei stellt das FFT ausgewählten Künstlern Räume und Bühnen zur Verfügung, wo sie Projekte zur Klang- und Lichtkunst verwirklichen.

Unakademischer geht es bei einer Performance des Kanadiers Jacob Wren. Er verbindet Musik mit persönlichen Erfahrungen und macht so aus einem Stapel Schallplatten eine abendfüllende Inszenierung. Die Platten werden eine nach der anderen abgespielt und die dazu gehörigen Geschichten erzählt. Die Vorstellungen sind im Salon des amateurs (15.11.), bei Hitsville (17.11.) und im FFT (19.11.) zu sehen und zu hören.