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Zirkus Upsala: Ein Koffer voller Träume geht auf Reisen

Zirkus Upsala: Ein Koffer voller Träume geht auf Reisen

Mit dem Theaterstück „Stadt im Koffer“ gastiert der Straßenkinder-Zirkus Upsala aus St. Petersburg im FFT-Juta.

Düsseldorf. Es gibt Menschen, die stehen immer nur im Regen, ohne etwas dafür zu können. Es ist ihr Schicksal, sie schnappen sich einen Schirm und ertragen das schlechte Wetter. Es gibt aber auch jene Menschen, die packen all ihre Hoffnungen, Wünsche und Träume in einen Koffer und ziehen los. Die jungen Artisten des Straßenkinder-Zirkus Upsala aus St. Petersburg haben bereits ganz Europa bereist. Bis zum 1. August machen sie im FFT-Juta (Kasernenstraße) Station und bezaubern mit ihrer Show „Stadt im Koffer“.

2003 wurde „Stadt im Koffer“ in Düsseldorf uraufgeführt. In der Neu-Inszenierung wird mit vielen zusätzlichen Video- und Lichteffekten gearbeitet. So werden etwa auf einer Leinwand im hinteren Teil der Bühne von den Artisten selbst gedrehte Animationsfilme gezeigt. Bei der Premiere am vergangenen Donnerstag verzauberte das junge, zehnköpfige Ensemble das Publikum mit poetischen Bildern, fabelhafter Akrobatik und einer guten Portion russischer Melancholie.

Sie erzählen die Geschichte eines Jungen, der seinem erdrückenden Leben entfliehen will und seine Stadt der Träume in einem Reisekoffer versteckt. Ein bisschen ist „Stadt im Koffer“ deshalb auch die Geschichte der Jugendlichen aus dem Upsala-Ensemble. Da macht es dem Publikum nichts aus, dass einer der kompliziertesten Sprünge nicht beim ersten Mal klappt. Ganz im Gegenteil: Es feuert die jungen Artisten sogar an, macht ihnen Mut. Die Kinder stecken das mit einem kecken Schulterzucken weg, denn Spaß und Leidenschaft kennen keine Perfektion.

Upsala ist mehr als eine Zirkus-Show, bei der sich das Publikum zurücklehnt. Wenn ein Artist erst über fünf seiner Kollegen springt, einen Rückwärtssalto macht, im Stand wieder jongliert und dann einer jungen Dame im roten Kleid verliebt in die Augen schaut, hat eine unvergleichliche Gänsehautstimmung das Publikum bis zum Ende der Vorstellung fest im Griff.

Täglich trainieren bis zu 50 Straßenkinder in St. Petersburg für Upsala, wo Zirkus- und Theaterkunst auf Sozialarbeit treffen. Regisseurin Larissa Afanaseva hat Upsala vor elf Jahren gegründet, um den Kindern eine Perspektive zu geben. Der Erlös des Kartenverkaufs geht komplett an Upsala, doch es reicht bei weitem nicht. So ist es selbstverständlich, dass jeder Gast ein herzliches „spasiba“ (russisch für „Danke“) bekommt, wenn er am Ende der Vorstellung eine kleine Spende in den alten, zerknautschten Männerhut wirft.