1. NRW
  2. Düsseldorf
  3. Kultur

Ehrung: Jürgen Mühle - Die Hemmungen weggeschauspielert

Ehrung: Jürgen Mühle - Die Hemmungen weggeschauspielert

Jürgen Mühle engagiert sich seit 40 Jahren für die freie Theaterszene. Heute wird er mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet.

Düsseldorf. Als Jürgen Mühle mit dem Schauspielern beginnt, steckt in fast allen Inszenierungen der Zeitgeist. Wenn ein romantischer Hochzeitskuss mit dem Tod der Braut endet, schüttelt sich das konservative Publikum, wenn Nackte auf die Bühne tragen, gilt das als Skandal.

Mühle lacht, wenn er an die 60er Jahre in Düsseldorf zurückdenkt. „Die Zuschauer reagierten intensiv“, erzählt der 64-Jährige. „Heute geht es dagegen gemütlich zu. Da lautet die kritischste Frage ,Warum habt ihr das denn gemacht?’“

Mühle ist Vorsitzender des Trägervereins des Forum Freies Theater und hat in den vergangenen Jahren maßgeblich dazu beigetragen, dass die freie Szene in Düsseldorf einen festen Platz einnimmt. Für sein Engagement wird er heute mit dem Rheinlandtaler geehrt.

Er selbst lernt die Bedeutung des Theatermachens bei Ernest Martin schätzen, der an so ziemlich jedem Projekt im künstlerischen Düsseldorf der 60er und 70er beteiligt ist — Juta, Werkstatt (Tanzhaus-Vorläufer), Seniorentheater. „Das Theaterspielen hat mich verändert“, sagt Mühle. Hat sein Selbstbewusstsein gestärkt und den Blick auf die Welt geschärft. „Ich hatte früher Hemmungen, ein Restaurant zu betreten. Das Theaterspielen hat mich gelehrt, sicher durch jede Tür zu gehen.“

Ein wenig von dieser Altachtundsechziger-Dankbarkeit spielt sicher mit, als Mühle in den 90er Jahren dem Drängen von Politik und freier Theaterszene nachgibt und den Trägerverein Forum Freies Theater gründet. Darunter firmieren seither Juta und Kammerspiele und bieten den freien Gruppen eine Bühne.

Dass die Qualität der Aufführungen dabei arg variiert, macht nichts aus, meint Jürgen Mühle. „Die freie Szene soll sich ja ausprobieren können“, meint er. Das komme an. „Wir platzen aus allen Nähten und ich hoffe, dass wir eines Tages noch ein drittes Haus bespielen können.“ Das Publikum hat sich stark verändert. „Früher kamen junge Erwachsene und Ältere. Heute sind es vor allem Schüler und Jugendliche.“

Mühle geht nach wie vor ins Theater, fährt dazu auch nach Bochum und Dortmund. „Manchmal fällt es mir nach der Arbeit schwer, noch ein Stück anzuschauen. Aber am Ende kommen meine Frau und ich immer beglückt aus dem Saal.“