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Lesung: Abgründe eines stinknormalen Alltags

Lesung : Abgründe eines stinknormalen Alltags

Stefanie Sargnagel ist berühmt, weil sie krass erzählt. Jetzt las sie im damenundherren aus ihrem neuen Buch.

Düsseldorf. Heute trinkt sie erst Rotwein. Später Bier. Stefanie Sargnagel, die eigentlich Sprengnagel heißt, was auch ganz munter klingt, kippt ordentlich und spricht gerne über Alkohol. Auch am Mittwochabend im Kulturverein damenundherren, wo die 29-Jährige aus ihrem neuen Buch „Fitness“ liest. Seit zehn Jahren studiert sie Kunst, seit 15 trinkt sie Bier, vier Jahre hat sie im Callcenter gearbeitet.

Jetzt macht sie eine Pause, weil sie so viel mit dem Schreiben und Vortragen zu tun hat. „Soweit die Eckdaten meines Lebens.“ Die junge Österreicherin offenbart die Abgründe ihres eigentlich stinknormalen Alltags derart schamlos, dass sie berühmt geworden ist, denn viele finden gut, dass sie das macht. Geschlechtsorgane beim Namen nennen (aber so richtig), absurde Call-Center-Telefonate wiedergeben, die Fäkalienwelt erkunden und dumpfbackigen Gewohnheitstieren den Stinkefinger zeigen.

Ein paar Beispiele aus der Sargnagel-Show: „Mein Privatleben geht alle was an.“ Oder: „Für Krieg bin ich zu dick und antriebslos.“ Oder: „Ich liebe das Chinabuffet, weil es auf so vielen Ebenen Verwahrlosung ausdrückt.“ Oder: „Am liebsten mag ich Abende, an denen alle am Ende totale Psychos sind.“ Oder: „Am besten fand ich die Kelly Family ganz am Anfang, als alle noch auf Heroin waren.“ Oder: „Ich dachte, ich hätte abgenommen, weil meine Taille plötzlich so schmal aussieht. Draufgekommen, dass es nur ein optischer Effekt ist, weil mein Orsch um 20 Zentimeter gewachsen ist.“ Viel Spaß haben die Zuhörer im ziemlich vollen damenundherren an diesem Abend an Stefanie Sargnagels Geschichten, weil sie sie auch so schön hilflos vorträgt. Nach dem Motto: Ich kann doch nix dafür, dass die Welt so ist. Aber raus muss es!

Wenn man bloß liest, was sie zu sagen hat, klingt es allerdings etwas weniger lustig. Niveau haben ihre Ausführungen nicht, aber witzig sind sie. Manchmal sogar zum Totlachen. In ein paar Jahren wird sich vermutlich niemand mehr an das erinnern, was Sargnagel schreibt, aber zwei Stunden lang wird man richtig gut unterhalten.