Im ehemaligen Gewächshaus erblüht die öffentliche Kunst

Im ehemaligen Gewächshaus erblüht die öffentliche Kunst

Ein urbanes Gewächshaus dient Künstlern aus der Region als ungewöhnlicher Ausstellungsraum.

Düsseldorf. Am Worringer Platz erwartet man vieles, aber sicher nicht einen der spannendsten Kunststandorte Düsseldorfs.

Seit 2002 gibt es auf dem eher tristen Platz den Ausstellungsraum "Glashaus" - ein gläsernes Gewächshaus, das selbst einmal Teil eines Kunstwerks im öffentlichen Raum war. Seit Mai 2007 wird es von den Künstlern Khatia Gudushauri und Igor Getman betrieben.

Das Konzept des Ausstellungsortes ist einfach. Größtmögliche Öffentlichkeit bei so geringen Kosten wie möglich. Und einen öffentlicheren Ort als ein "Glashaus" in der Großstadt gibt es wohl nicht.

Dazu ein schneller Ausstellungswechsel, viele Künstler sind aus der Region. "Spätestens nach zehn Tagen beginnt eine neue Ausstellung, außerdem gibt es Performances und Lesungen", sagt Khatia Gudushauri.

Mittlerweile läuft bereits die 75.Kunstaktion, seit die beiden das "Glashaus" übernommen haben: Michael Werneburg zeigt "13 Nocturnes", ein Video, am 18. April ist Nina Grunenberg mit Fotos dran. "Was wir innerhalb von eineinhalb Jahren gemacht haben, ist das 15-Jahresprogramm von anderen Galerien", sagt Gudushauri stolz.

Vor eineinhalb Jahren suchte das Kulturamt der Stadt nach einem neuen Betreiber. Bedingung: Der "Neue" müsse ehrenamtlich arbeiten. "Es gibt keinerlei Verträge.

Wir machen das aus Idealismus", sagt Igor Getman. Das Duo hilft den Künstlern bei den Ausstellungen mit "Hirn und Hand", wie es der gebürtige Ukrainer nennt. Er stellt Videoaufnahmen der Ausstellungen in das Internetportal Youtube oder entwirft die Einladungen zur Vernissage.

Wie sie selber die Ausstellungen finden, ist nicht entscheidend: "Zu wenig Kunst, zu viel Politik", bemängelt Gudushauri schon einmal. Das Künstlerische müsse im Vordergrund stehen, findet sie. Eine Zensur gibt es aber nicht.

Nur einmal haben sie eine Ausstellung abgelehnt. "Das war eine Anfrage für eine Karikaturen-Ausstellung aus dem Iran", sagt Gudushauri. Das Thema war politisch heikel - 2005 hatte es beim so genannten Karikaturenstreit hohe Wellen geschlagen.

Einer, der nur im öffentlichen Raum ausstellt, ist Wandmaler Klaus Klinger. Viele Menschen sahen seine großformatige Ausstellung "Revolution jetzt - Rettet den Kapitalismus" im Glashaus, wenn sie am Worringer Platz vorbeifuhren. "Kunst soll immer zum Nachdenken anregen", sagt Klinger, "und je öffentlicher das ist, desto besser".

Er will die Diskussion in der Öffentlichkeit entfachen. Dass seine provokante Ausstellung nicht beschädigt wurde, führt er unter anderem auf die Obdachlosen vom Worringer Platz zurück.

"Die respektieren das Glashaus" - und passen darauf auf. Frank, einer der Obdachlosen, bestätigt das. Er sagt: "Solange wir hier sind, passiert dem Glashaus auch nichts." Und: "Wir gucken uns die Ausstellungen immer an. Manche Sachen sind gar nicht so schlecht", findet er.

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