Ein Goldschmied als Juwel der Carlstadt in Düsseldorf

Einzelhandel : Ein Goldschmied als Juwel der Carlstadt

50 Jahre Orfèvre feiert Inhaber Peter Hassenpflug, der jetzt eine Nachfolgerin hat.

Der Mietvertrag an der Bastionstraße 35 endet im März 2020, ein Jahr nach dem 50-jährigen Bestehen der Schmuck-Galerie Orfèvre. Gründe genug für den Inhaber Peter Hassenpflug, Jahrgang 1932, seine Karriere zu beenden? Doch der vielfach ausgezeichnete Goldschmied strahlt selbst wie ein Diamant: „Ich bin glücklich, eine junge Nachfolgerin gefunden zu haben, die die Schmuck-Galerie weiterführt. Natürlich werde ich sie in der Übergangszeit begleiten. So behalte ich auch den Platz für meinen Schmuck, den ich sicherlich noch eine Weile auffüllen kann.“

Manchmal spielt eben der Zufall mit. Es war eine Begegnung mit der Kollegin Gabriela Uphaus, ebenfalls eine Spezialistin für ausgefallenen Unikat-Schmuck, die ihre Galerie in der Trinkaus-Galerie betreibt. Sie empfahl ihre junge Mitarbeiterin Lisa Blum, die im kommenden Jahr ihren Bachelor an der Düsseldorfer Fachhochschule macht. Der Vermieter spielte auch mit, indem er die Miete nur moderat erhöhte. Und die Kunst-, Mode- und Einkaufsstadt Düsseldorf, in der inhabergeführte Ladengeschäfte seltener werden, behält damit ein Juwel in der Carlstadt.

Gegründet wurde Orfévre  (Goldschmied) 1969 in einem Seitengang des gerade eröffneten Kö-Center, als genossenschaftliches Projekt. Zehn selbstständige Goldschmiede suchten für sich einen Ausstellungs- und Verkaufs-Raum in repräsentativer Lage. Die Wahl fiel auf  Düsseldorf. Das Konzept scheiterte mehr oder weniger an der Organisation der regelmäßigen Bestückung. Nach sechs Jahren übernahm Hassenpflug, der einzige Düsseldorfer in der Gruppe, die Galerie: „Damals ein Abenteuer.“ In dem nahm seine Frau Marie Hassenpflug das Heft in die Hand, Peter Hassenpflug konnte kreativ bleiben. Das Grundkonzept blieb: Fertigung und Ausstellung ausschließlich künstlerisch und handwerklich hochwertigen Unikat-Schmucks.

Als das kleine Ladenlokal an der Kö gekündigt wurde, zog Orfèvre in einen Hinterhof an der Bastionstraße, von dort ins bald zu enge Vorderhaus, schließlich an die heutige Adresse Bastionstraße 35, wo wieder Platz für Werkstatt und Ausstellung ist. 1989 kam Michael Kunze als Partner hinzu, 2014 Anina Caracas.

Seit 2016 leitet Hassenpflug den Laden allein. Seine künstlerische Handschrift gleicht mehr einer Philosophie. Da schwebt ein Korallenzweig wie in einem metallenen Fischernetz gefangen, das sich zu einem ungewöhnlichen Halsschmuck schmiegt. In einem schrägen Silberröhrchen bewegen sich 120 Zirkonia-Steine. Auch dies ein Stück für Individualisten: Die Trägerin des Ohrschmucks wird von einem rauschigen Rieseln der Steinchen begleitet.

Bekannt wurde Hassenpflug auch als einer der wenigen, der das seltene und dunkle Schmuck-Metall Tantal verarbeitet, man könnte auch sagen zähmt. Sein spezifisches Gewicht entspricht dem von 18 Karat Gold. Das Ergebnis ist eine spannende Formensprache, robuste, wie geschmiedet wirkende Ummantelungen, die edlen Steinen Geborgenheit geben. Schmuck mit Persönlichkeit für Träger, die selbst eine besitzen.

Vor fünf Jahren stand Hassenpflug schon einmal an einem Wendepunkt, als 2014 seine Frau Marie starb und sein Geschäftspartner Michael Kunze seine Karriere als Goldschmied beendete. Dann machte er doch weiter und kann nun ein halbes Jahrhundert Orfèvre  mit einem großen „Ringfest“ feiern - steht doch gerade dieses Schmuckstück für Unendlichkeit.

Gefeiert wird am Sonntag, 14 bis 18 Uhr, mit Kom(m)ödchen-Star Niki Ankenbrand und Lehmbauer Damir Levak. Auf einem Podest werden 50 Ringe von Hassenpflug ausgestellt, für jedes Orfèvre-Jahr einen: „Die Hälfte davon hab ich neu gefertigt.“

Im Jubiläumsangebot: Ein Dutzend Ringe in einer Auflage von 50 Stück zu Preisen von 100 bis 200 Euro. Fifty-Fifty, für die Hassenpflug immer mal wieder eine Arbeit spendet, hat einen eigenen Stand, wo Hassenpflugs an die Kette gelegte silberne Schmetterlingsflügel mit Goldpunkt angeboten werden. „Damit will ich auch auf das Insektensterben hinweisen.“ Es gibt 50 Stücke. „Wieviel würdest Du dafür nehmen?“, wollte Fifty-Fifty-Geschäftsführer Hubert Ostendorf wissen. Der Schmuckkünstler kalkulierte 480 Euro. Fifty-Fifty ruft  jetzt 200 Euro auf  — die Hälfte ist vorbestellt.

Mehr von Westdeutsche Zeitung