Düsseldorf: Dreifach-Mord: Angeklagte schweigt

Düsseldorf: Dreifach-Mord: Angeklagte schweigt

Die 35-Jährige steht ab dem 17. Januar in Gießen vor Gericht. Sie soll zwei Frauen in Düsseldorf und einen Zauberer getötet haben.

Düsseldorf. Der Fall hatte für viele Diskussionen gesorgt. Erst drei Monate nachdem an der Karolinger Straße in Bilk die Leichen von zwei Frauen gefunden wurden, kam heraus, dass es sich um einen Doppelmord handelte. Und auch das nur durch Zufall, denn in Gießen stellte die Polizei Schmuck und zwei EC-Karten sicher, die aus der Düsseldorfer Wohnung stammten. Dort soll die 35 Jahre alte Tatjana B. einen ehemaligen Nachbarn umgebracht haben.

Weil diese Tat zuerst entdeckt wurde, hat die Gießener Staatsanwaltschaft die Ermittlungen geleitet. Und darum findet der Prozess auch dort statt. Vom 17. Januar an muss sich Tatjana B. dort wegen dreifachen Mordes vor dem Landgericht verantworten. Wie Patrick Liesching, der Pressesprecher des Gießener Landgerichts, erklärte, ist der Prozess zunächst auf 29 Verhandlungstage angesetzt und soll bis Mai dauern.

Vermutlich wird am ersten Verhandlungstag nur die Anklage der Staatsanwaltschaft verlesen. „Die Angeklagte hat den ersten Fall abgestritten und sich zu der anderen Tat bisher nicht geäußert“, sagt Liesching. Zurzeit wird nicht davon ausgegangen, dass Tatjana B. ein Geständnis ablegen will. Darum wird wohl eine aufwändige Beweisaufnahme mit vielen Zeugen erforderlich sein, um die 35-Jährige zu überführen.

Am 10. Mai vergangenen Jahres waren in der Wohnung an der Karolinger Straße eine 58-jährige Frau und ihre 86 Jahre alte Mutter leblos aufgefunden worden, beide italienischer Abstammung. Weil die Tochter als depressiv galt, ging die Mordkommission lange von einem so genannten „erweiterten Suizid“ aus. Das heißt, die 58-Jährige soll zuerst ihre Mutter und dann sich getötet haben. Dass aus der Wohnung zwei EC-Karten fehlten, fiel zunächst nicht auf. Sonst hätte man schneller festgestellt, dass bereits drei Tage vorher, am 7. Mai, eine vermummte Frau an einem Geldautomaten der Volksbank an der Aachener Straße einen dreistelligen Geldbetrag abgeholt hat.

Dass Mutter und Tochter beide tödliche Verletzungen hatten, wurde erst später in der Rechtsmedizin festgestellt. Doch der Fall wurde zunächst einmal zu den Akten gelegt. In Gießen suchte die Polizei bereits seit April vergangenen Jahres nach dem Mörder von Erich N. (79), der als Zauberer Riconelly bekannt war. Im Mai nahmen sie seine ehemalige Nachbarin Tatjana B. fest, die bei der Tat DNA-Spuren hinterlassen haben soll. Außerdem hat die 35-Jährige den Mann angeblich schon einmal bestohlen. Bei ihr fand man die beiden EC-Karten und Schmuck aus dem Besitz der beiden toten Frauen. Außerdem hatte Tatjana B. in Düsseldorf gewohnt, bevor sie nach Gießen umgezogen ist. Ob es sich bei Angeklagten um die Frau handelt, die am 7. Mai in der Volksbank Geld abgehoben hat, ist ebenfalls noch unklar.