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Gladbach - Augsburg: Ein Geschenk für Herrmann

Gladbach - Augsburg: Ein Geschenk für Herrmann

Der Gladbacher Stürmer rettet mit seinem späten Tor nach einer unfreiwilligen Vorlage des Augsburgers Sankoh das 1:1.

Augsburg. Patrick Herrmann hätte ja gewollt. Aber er durfte nicht reden. Stattdessen wedelte er mit einem Plastikbecher und verschwand wieder — begleitet von zwei ernst dreinschauenden Begleitern, auf deren Westen mit gelb greller Schrift Dopingkontrolle geschrieben stand. Es ging dann aber alles doch viel schneller als zunächst vermutet. Und so erzählte Gladbachs Torschütze, er sei wenig überrascht über die Einladung, die ihm Augsburgs Abwehrspieler Gibril Sankoh mit seiner verunglückten Kopfball-Abwehr bereitet habe. Herrmann nahm sie dankend an und erzielte mit seinem dritten Saisontreffer den späten Ausgleich (85.) zum 1:1-Endstand beim Tabellenletzten FC Augsburg. „Unsere Bemühungen sind belohnt worden“, sagte Herrmann zufrieden.

Immerhin rannten die Gladbacher 80 Minuten einem Rückstand hinterher, nachdem Augsburgs Sascha Mölders (5.) eine Flanke mit Kopf und Schulter geschickt über Gladbachs Torhüter Marc-André ter Stegen ins Tor bugsiert hatte.

Ein Punkt beim Tabellenletzten hört sich für einen Europa-League-Teilnehmer nicht so an, dass man in Jubelstürme ausbrechen müsste. Zumal ein Sieg die Mannschaft auf Tuchfühlung mit den Europapokalplätzen geführt hätte. Aber das Gladbach dieser Saison hat nur noch wenig gemein mit dem der vergangenen. Fehlen nicht Leichtigkeit und auch spielerische Brillanz? Das ringt Patrick Herrmann nur ein müdes Lächeln ab. „Arbeit und Moral sind die Grundprinzipien des Fußballs. Danach kommt erst das schöne Spiel“, sagte der Torschütze.

Unzufriedenheit wollte auch bei Max Eberl nicht aufkommen, selbst wenn er sich für den Saisonverlauf drei Punkte mehr gewünscht hätte. „Aber wir lernen gerade, Widerstände zu überwinden. Und das machen wir kollektiv ganz gut“, sagte Gladbachs Sportdirektor.

In Augsburg lag das Team wieder zurück, wie zuvor in Hannover, in Marseille oder in Fürth. Und doch verlor es nie. In neun Begegnungen der vergangenen 37 Tage unterlag Gladbach allein in Düsseldorf in der Verlängerung im Pokal und gegen Stuttgart mit einem Eigentor.

Der Punkt stimmte auch Lucien Favre zufrieden. „Wir haben schlecht begonnen, uns aber gesteigert. Der Punkt ist für mich verdient, auch weil wir Charakter bewiesen haben“, sagte Gladbachs Trainer. Da wartete die Mannschaft bereits im Bus — über München geht es heute zurück mit dem Flieger, am Mittwoch wartet das nächste Spiel. Gegen Wolfsburg. Ein weiterer Test auf Gladbachs Charakter-Reise durch die Liga und Europa.