Gladbachs Ramy Bensebaini: Vom Unbekannten zum Matchwinner

Borussia Mönchengladbach : Ramy Bensebaini: Vom Unbekannten zum Matchwinner

Ramy Bensebaini musste zum Elfmeter gegen die Bayern erst aufgefordert werden. Bis Samstag war der Algerier Gladbachs unbekannter Neuzugang. Das ist jetzt anders.

Natürlich stand Ramy Bensebaini am vergangenen Samstag nach seinem umjubelten Elfmetertreffer zum 2:1 über Bayern München im Mittelpunkt, die meiste Arbeit aber hatten Borussias Pressechef Markus Aretz und sein Assistent Matthias Rech. Die zwei sind der französischen Sprache mächtig und waren damit für die Vertreter von Presse, Funk und Fernsehen begehrte Hilfen. „Ich möchte schon sehr schnell deutsch lernen, um mich mit allen besser unterhalten zu können. Bei meiner Eingewöhnung hat es mir jedoch sehr geholfen, dass viele hier französisch sprechen können", sagte Bensebaini.

Offenbar auch Tobias Sippel. Ohne den Ersatztorhüter hätte Bensebaini den Strafstoß nämlich vielleicht gar nicht ausgeführt. Dabei war der Algerier dafür vorgesehen, hatte dies in der Hektik jener Minuten aber nicht mehr im Kopf. „Nach dem Breel Embolo am vergangenen Sonntag gegen Freiburg verschossen hatte, war klar, dass er sich hinten anstellen muss. Dann habe ich gesagt, dass ich es machen werde. Dies jedoch hatte ich vergessen, als der Elfmeter gepfiffen wurde. Tobi hat mich dann daran erinnert, er hat laut aufs Spielfeld gebrüllt: „Schnapp' dir den Ball und mach' ihn rein", erzählte Bensebaini.

Beim Afrika-Cup "nervte" Bensebaini auch Ibrahima Traoré

Der Linksverteidiger tat wie ihm befohlen und schnürte damit auch den ersten Doppel-Pack seiner Karriere. Zuvor hatte er mit einem wuchtigen Kopfball bereits das 1:1 erzielt. „Kopfbälle sind eigentlich keine besondere Spezialität von mir, aber ich sollte bei Ecken mit in den Strafraum gehen." Das also hatte er nicht vergessen, setzte sich über eine zweite Order allerdings hinweg. „Ich war eigentlich für den anderen Pfosten eingeteilt, aber da hat mich Thomas Müller gedeckt." So positionierte sich Bensebaini an den anderen Pfosten, wo ihn Leon Goretzka übersah.

So richtig wahrgenommen hatten ihn allerdings selbst in Mönchengladbach noch nicht viele. Wer also ist dieser Ramy Bensebaini? Einige Fußball-Freaks haben ihn im vergangenen Sommer entdeckt. Wer in Jahren ohne WM oder EM nicht ohne Fußball sein will, der konnte dank eines Streaming-Anbieters den Afrika-Cup verfolgen. Dort gewann Bensebaini mit Algerien den Titel, dabei gab es im Viertelfinale ein 3:0 über Guinea mit Gladbachs Ibrahima Traoré. „Aus diesem Spiel weiß ich, dass es hart ist, gegen ihn zu spielen. Ramy ist ein unangenehmer Gegenspieler. Besonders im Zweikampf ist er stark", sagt Traoré.

Bensebainis Jugend-Ausbildung: Barfuß und gegen Erwachsene

Schließlich holte ihn Borussia nicht zum Tore erzielen, sondern um endlich eine Alternative für den "ewigen" Oscar Wendt als linken Verteidiger zu besitzen. Nach Karim Matmour ist Bensebaini Gladbachs zweiter Algerier und Matmour gratulierte dann auch zu diesem Transfer. „Ramy ist körperlich hart und hat die Gabe, den inneren Schweinehund zu überwinden", sagt Matmour. Dies sei auf eine spezielle Art der Ausbildung zurückzuführen. In Bensebainis Jugendclub Paradou, aus dem auch Didier Drogba stammt, wird die Technik barfuß erlernt. Zudem bestreiten die 14-Jährigen dort bereits Testspiele gegen Erwachsene.

Mit 24 ist Bensebaini nun selbst ein Erwachsener und für Gladbach offenbar ein Gewinn. Schließlich kann der für acht Millionen Euro vom französischen Europa-League-Starter Stade Rennes geholte Algerier auch in der Innenverteidigung aushelfen, was er in dem mit 1:0 gewonnenen Spiel beim Wolfsberger AC bereits recht zuverlässig tat. „Es ist, als wäre ich schon lange bei der Borussia.

Ich verstehe mich mit den Jungs super und die Stimmung im Stadion ist einfach überragend", meint Bensebaini. Gegen die Bayern hat er einen großen Teil dazu beigetragen.