Offen gesagt: Sterntaler trägt rote Socken

Offen gesagt: Sterntaler trägt rote Socken

Satire darf alles. Das sei Extremisten aller Verblendungen lauthals zugerufen. Deshalb ist es auch nicht schlimm, dass das Rote-Socken-Video der Wuppertaler Linkspartei den „Niedlich-Status“ bereits nach wenigen Sekunden einbüßt, um in den „Peinlich-Status“ zu wechseln.

Aber Satire darf ja alles, auch schlecht und unkomisch sein. Nur dumm nicht.

Die Linken haben sich in ihrem Videoclip des Themas Döppersberg angenommen und in knapp vier Minuten gezeigt, warum jeder sich gut überlegen sollte, mit ihrer Hilfe an Macht und Posten zu kommen.

Über Geschmack lässt sich trefflich streiten. Und so mancher Architekten-Entwurf ist vielleicht nicht groß gewesen. Das mag beim einen oder anderen auch für den sogenannten Investorenkubus gelten. Außerdem ist diskussionswürdig, wo auf dem Platz das Gebäude stehen sollte, um den Gesamteindruck nicht zu schmälern.

Dass aber am Ende des letztlich viel zu lang geratenen Clips auch noch Gunhild Böth auftaucht, um Linken-gleich grundsätzlich gegen alles zu sein, ist schlimmer als ein Loch im Strumpf. Dabei überrascht es niemanden, dass die in Staatsdiensten wohlbehütete Pädagogin Marktwirtschaft pauschal geißelt.

Aber der Vorschlag, den Platz einfach frei zu lassen, ein paar Sonnenschirme aufzustellen und sonst womöglich Rollrasen zu verlegen, ist ein schlechter Witz. Wuppertals Bahnhofsvorplatz ist das, was Fachleute gemeinhin ein Filetgrundstück nennen. Ihn nicht so zu nutzen, dass darauf Wertschöpfung stattfindet, kann nur jemandem einfallen, der Wertschöpfung nicht braucht, weil er ja sowieso aus Steuermitteln alimentiert wird. Dass diese Steuern ein anderer bezahlen muss, einer, der künftig vielleicht sogar auf dem Döppersberg arbeitet, ficht Gunhild Böth nicht an. Genossin Lehrerin lebt im Märchen. Geld regnet vom Himmel. Und Sterntaler trägt rote Socken.

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