Fakten & Fälschungen: Wie die Bundeswehr ihren Offizieren die Wirkung von „Fake News“ erklärt

Fakten & Fälschungen : Wie die Bundeswehr ihren Offizieren die Wirkung von „Fake News“ erklärt

Neuland. Dass die Bundeswehr sich nicht nur in ihrem neuen Kommando „Cyber- und Informationsraum“ (siehe goo.gl/MQS56y) mit „Fake News“ beschäftigt, ist spätestens seit den mutmaßlich aus russischen Gerüchte-Küchen gestreuten Falschmeldungen naheliegend, Bundeswehr-Soldaten des neuen Nato-Bataillons hätten in Litauen eine dort zu Jahresbeginn eine Minderjährige vergewaltigt (siehe goo.gl/xsMJb9).

Seit 61 Jahren gibt die Bundeswehr für die Truppe ein Heft namens „if — Zeitschrift für Innere Führung“ heraus, das sich auch mit solchen Fragen beschäftigt. In einem siebenseitigen Beitrag widmet sich das aktuelle Heft 03/2017 daher „Fake News“ (kurioserweise nur auf Papier, siehe goo.gl/aitRi6). Die Bundeswehr-Sicht, wieso selbst nicht absichtsvoll in Russland fabrizierte „Fake News“ auf Bevölkerungsmehrheiten wirken, ist absolut lesenswert.

Die rabiat gekürzte Version: „Die meisten Konsumenten nehmen Medien heutzutage nur noch als Präsenzmedien wahr. Sie laufen wie das Radio oder inzwischen auch der Fernseher im Hintergrund, werden in Feeds auf das Handy eingespeist oder poppen in Form von Fenstern oder Tickern in gängigen Anwendungen von Email bis Partnerbörse auf. Der Verlust des Einschaltmediums hat viele Folgen für die Inhalte und die Konsumenten.“ Für die Inhalte: Im medialen Dauerfeuer müsse man auffallen: „Während Mitter 1990er-Jahre das ARD-Fernsehen zwischen fünf und zehn Eilmeldungen im Jahr über den Sender schickte, waren es allein durch die Tagesschau-App im vergangenen Jahr 122 Eilmeldungen, die auf die Handys der Nutzer geschickt wurden.“

Der Dauer-Erregung stehen immer weniger Journalisten gegenüber: „Arbeiteten nach der Wiedervereinigung rund 63.000 Journalisten in der Bundesrepublik sind es aktuell nach Schätzungen des Deutschen Journalistenverbandes (DJV) rund 20.000.“ Und deren Fokus werde schmaler: „Als Folge davon schaffen es regionale oder lokale Themen kaum noch in die Berichtertstattung. Breite Leserschichten fühlen sich durch den Themenmix und die Distanz nicht mehr angesprochen.“ Zweite Folge: „Nach Erhebungen amerikanischer Wissenschaftler sind mehr als Hälfte der als Fake News bezeichneten Inhalte ein klarer Fall von schlechtem Journalismus.“ Und: „Der Übergang vom schlechten Journalismus zur Falschmeldung ist an der Stelle zu ziehen, an der eine Meldung unwahr wird.“ Ganz ehrlich? Besser hätte wir nicht erklären können, warum Regionalzeitungen wichtig sind.

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