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Fakten & Fälschungen: Twitter: Kein blauer Haken für Mahmoud Ahmadinejad

Fakten & Fälschungen : Twitter: Kein blauer Haken für Mahmoud Ahmadinejad

Neuland. Mahmoud Ahmadinejad ist wieder da: Acht Jahre, nachdem der Ex-Präsident Irans den Kurznachrichtendienst Twitter in seinem Land verboten hat, hat sich islamistische Fundamentalist einen eigenen Twitter-Account zugelegt — was unter seinem Namen und mit seinem Foto allerdings schon etliche vor ihm getan haben, die damit allerlei (teils recht glaubwürdigen) Satire-Nonsens verbreiten.

Der Orginal-Ahmadinejad hat deshalb — wahrscheinlich bekommen Unternehmensfeinde wie er bei Twitter keinen blauen Haken — erst einmal ein Video von sich selbst gepostet, in dem er erklärt, dass es wirklich er selbst ist, der unter „@Ahmadinejad1956“ für Unterhaltung sorgt.

So zum Beispiel am 5. März mit einem für Europäer etwas unverständlichen Tweet: „Chavez lebt“, verkündete Ahmadinejad darin, und er werde zurückkehren „wie Freiheit und Gerechtigkeit zurückkehren werden.“ Den Tweet schloss er mit dem Hashtag #porahora. Kurz erklärt: Hugo Chávez (1954-2013) war von 1999 bis 2013 als Staatspräsident von Venezuela faktisch Diktator des Landes. 1992 scheiterte sein erster Putschversuch. Chávez ergab sich, im Gegenzug durfte er im TV zur Nation sprechen. Unter dem Schlagwort „por ahora“ (spanisch = zunächst, für den Augenblick) wurde aus diesen wenigen Sekunden ein Revolutions-Klassiker (spanisches Video: goo.gl/y35GeK).

Für den Chávez-Auferstehungs-Tweet musste sich Mahmoud Ahmadinejad prompt von Seth Frantzman (Twitter: @sfrantzman), einem Redakteur der „Jerusalem Post“ veräppeln lassen. Ob Chávez wie der Mahdi zurückkehren werde, fragte Frantzman ganz unschuldig, worauf @Ahmadinejad1956 nicht regierte. Der Ex-Präsident gilt als fanatischer Anhänger des Glaubens an den „Zwölften Imam“ (Zusammenfassung bei Wikipedia: goo.gl/7oVnha). Dieser zwölfte Imam, Muhammad al-Mahdī, soll gemäß der schiitischen Lehre als Kind während des 9. Jahrhunderts verschwunden sein, seitdem aber verborgen auf der Welt leben und eines Tages wie ein apokalyptischer Messias zurückkehren. Laut Verfassung ist der zwölfte Imam das eigentliche Staatsoberhaupt des Iran.

Beobachter gehen davon aus, dass Mahmoud Ahmadinejad seine Twitter-Aktivitäten nutzen wird, um sich aktiv in die iranische Präsidentschaftswahl im Mai einzumischen, wenngleich er auch nicht selbst kandidieren wird (siehe Washington Post: goo.gl/cGK3u8). Obwohl Twitter im Iran noch immer offiziell verboten ist, nutzen auch der oberste Religionsführer Ajatollah Chāmeneʾi (@khamenei_ir) und Präsident Rohani (@HassanRouhani) den Dienst; letzterer sogar mit blauem Haken.