Reisetrend: Paare wollen getrennt schlafen

Die Preise für Fernziele haben leicht zugelegt. Auffallend: Paare wollen getrennt schlafen.

Nicht zuletzt der wachsenden Zahl der Singles und Oldies verdanken die Reiseveranstalter eine steigende Nachfrage nach Einzelzimmern und nach Doppelzimmern zur Alleinbenutzung. „Aber es gibt auch Paare, die partout im Urlaub getrennt schlafen wollen“, so Dr. Peter Fankhauser (51), Chef der Thomas Cook AG, in unserem Interview über aktuelle Reisetrends 2012.

Wir erleben derzeit einen Fernreiseboom. Ihr Unternehmen hat vergangenes Jahr so viele Fernreisen wie noch nie verkauft. Dieses Jahr setzt sich der Trend fort. Wie kommt’s?

Fankhauser: Da spielen mehrere Gründe mit. Weil Ägypten als Ziel fast ganz ausgefallen ist, wurde vielfach ersatzweise ein noch entfernteres Ziel gewählt. Die näher liegenden Ziele haben in den Augen vieler Urlauber nicht mehr den Reiz des Neuen, des Exotischen und des Abenteuers. Schließlich lockt die Ferne mit neuen Zielen, zum Beispiel Kambodscha und Südkorea.

Normalerweise reagieren die Kunden auf steigende Preise mit sinkender Nachfrage. Anders bei den Malediven, die in den vergangenen zehn Jahren ihre Preise um stolze 75 Prozent angehoben haben, sich aber dennoch wachsender Nachfrage erfreuen. Was ist der Grund?

Fankhauser: Die Malediven verfolgen in ihrer touristischen Entwicklung eine klare Linie, die konsequent eingehalten wird. Das honorieren die Gäste.

Thomas Cook hat in Deutschland ein Rekordjahr hinter sich. Der Gewinn von Thomas Cook mit Condor erreichte 160 Millionen Euro und eine Umsatzrendite von 4,3 Prozent. Dieses Jahr nehmen die Buchungen erneut zu. Die jetzt in mehreren Zielgebieten steigenden Preise — Thailand acht, Malediven vier, Domrep drei, Türkei und Kanaren zwei Prozent — provozieren die Frage: Machen die guten Geschäfte jetzt übermütig?

Fankhauser: In einigen Bereichen mussten Preissteigerungen durch den teureren Dollar und das teurere Kerosin weitergegeben werden. Anderseits bemühen wir uns um Neuerungen, um Preise stabil zu halten oder sogar senken zu können. Jüngstes Beispiel: Um zusätzliche Hotelangebote schneller und billiger zum Verkauf stellen zu können, haben wir jetzt auf Mallorca ein Team angesiedelt, das Hotels aus Spanien und Portugal mit einer neuen Technik direkt an unser Reservierungssystem anbinden kann. Damit sind diese Angebote schneller in den Reisebüros und im Internet verfügbar. 60 Prozent unserer Kunden informieren sich im Internet und nicht in Katalogen.

Die aktuellen Trends gehen in Richtung Langzeiturlaub und eine steigende Nachfrage nach Einzelzimmern und nach Doppelzimmern zur Alleinbenutzung. Wie kommt es?

Fankhauser: Die wachsende Zahl der Best Ager und der Singles macht sich bemerkbar. Aber es gibt auch Paare, die im Urlaub getrennt schlafen wollen, meist weil man im Urlaub auch mal Urlaub von dem schnarchenden Partner machen will. Inzwischen gibt es Hoteliers, die in bestimmten Saisonzeiten für das Doppelzimmer zur Alleinbenutzung keinen Aufpreis verlangen.

Für kein anderes Land wurde so sehr die Werbetrommel geschlagen wie für Griechenland. Es hat nichts gebracht. Die Buchungen liegen zwischen 20 und 30 Prozent unter den Zahlen des vorigen Jahres. Hat das Land als Reiseziel noch eine Chance?

Fankhauser: In Griechenland kann man gerade jetzt preiswert und gut Urlaub bei freundlichen Gastgebern machen. Diese Erkenntnis wird sich sicher im kommenden Jahr wieder durchsetzen.

Wo sehen Sie gegenwärtig das größte Problem der Reisebranche?

Fankhauser: Immer mehr virtuelle Kleinstveranstalter bieten Reisen zu Niedrigpreisen an. Das kann nicht gutgehen. Wir brauchen dringend ein Gesetz, das Mindestanforderungen an die Qualität der Reiseleistungen konkret formuliert.

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