Verblüffend: Wasser hilft gegen Schmerzen

Verblüffend: Wasser hilft gegen Schmerzen

Forscher fanden heraus, dass die Flüssigkeit bei Ratten wohltuend wirkt.

Düsseldorf. Was haben ein Glas Wasser und Schokolade gemeinsam? Zunächst vermeintlich nichts. Doch Wissenschaftler von der University of Chicago haben jetzt etwas Verblüffendes herausgefunden: Beide Lebensmittel helfen gegen Schmerzen. Für Schokolade mag die Erkenntnis nichts Neues sein, aber für Wasser?

Peggy Mason und Hayley Foo fütterten Ratten mit einem Stück Schokolade, einer zuckrigen Lösung und einem Schluck Wasser. Während des Fressens erhitzte eine unter dem Käfig installierte Glühlampe den Boden. Normalerweise heben die Tiere ihre Pfoten, um dem Schmerz zu entgehen. Beim Verzehr der Schokolade oder der Getränke beobachteten die Forscher jedoch, dass die Ratten die schmerzhafte Situation länger aushielten - egal, ob sie hungrig oder satt waren. Gab man ihnen anstatt der wohlschmeckenden Lebensmittel eine eklige Chininlösung, hoben sie sofort ihre Pfoten.

Das war den Wissenschaftlern aber noch nicht genug. Sie machten ihren Versuch auch an kranken Ratten und gaben den Tieren ebenfalls Schokolade, zuckrige Lösung und Wasser.

Das Ergebnis war erstaunlich: Ausschließlich klares Wasser hatte bei den Ratten einen schmerzdämpfenden Effekt. "Das war vermutlich das Einzige, das sie in ihrem Zustand als angenehm und wohltuend empfunden hatten", sagt Peggy Mason. Deshalb vermuten sie und ihr Kollege, dass es für eine schmerzlindernde Wirkung nicht auf Kalorien, süßen Geschmack, Hunger oder Appetit ankomme, sondern auf einen angenehmen Geschmack und "das Gefühl, die Nahrung tue dem Körper gut.

Tieren in der Wildnis helfe dieses Verhalten, die richtigen Prioritäten zu setzen: Schmeckt etwas angenehm, ist das in diesem Moment das einzig Wichtige und sollte deshalb die volle Aufmerksamkeit erhalten. Laut Peggy Mason soll damit sichergestellt werden, dass Nahrung vollständig verzehrt wird, wenn sie vorhanden ist. Während das in der Tierwelt überlebenswichtig sein kann, ist es beim Menschen eher umgekehrt. "In unserer Gesellschaft gibt es überall etwas zu essen. Dadurch läuft der Mensch Gefahr, viel mehr zu essen, als er eigentlich braucht."

Inwieweit die Ergebnisse auf den erwachsenen Menschen übertrag sind, wissen die Wissenschaftler noch nicht genau. Hierzu fehlen noch eindeutige Studien. "Ich glaube aber, das es beim Erwachsenen auch funktioniert", ist sie sich sicher. An Babys konnte hingegen schon gezeigt werden, dass ein Glas klares Wasser denselben besänftigenden und schmerzlindernden Effekt hat wie Zuckerwasser.

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