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Vorgehen in der Corona-Pandemie: Große Hoffnungen vor dem Impf-Gipfel

Druck steigt : Große Hoffnungen vor dem Impf-Gipfel

Der Druck auf dem deutschen Gipfel kommt auch vom deutlich besseren Vorankommen anderer Länder. Deshalb muss Gesundheitsminister Jens Spahn sein Vorgehen begründen.

Unter dem Eindruck der Verhältnisse in Thüringen stellte Deutschlands großer Dichter Johann Wolfgang Goethe vor gut 240 Jahren fest: „Über allen Gipfeln ist Ruh’.“ Über dem Impfgipfel an diesem Montag liegt keine Ruhe, sondern eine große Erwartung – auch die aktuellen Corona-Verhältnisse in Thüringen mit Inzidenzwerten von bis zu 456 unterstreichen das.

Und die 15 Toten in einem Leverkusener Seniorenheim sollten jedem Teilnehmer den Ernst der Lage klarmachen.
Natürlich können die Verantwortlichen darauf verweisen, dass im ersten Monat bereits mehr Menschen in Deutschland geimpft wurden (2,3 Millionen), als in einem ganzen Jahr als Infizierte (2,2 Millionen) verzeichnet wurden.

Doch der Maßstab muss ein anderer sein: Von Dezember bis heute ist der Anteil derjenigen, die sich auf jeden Fall impfen lassen wollen, von 37 auf 54 Prozent gestiegen. In Millionen gerechnet sind das nun 44 Millionen Menschen, die darauf warten, die erste Spritze der Hoffnung zu bekommen.

Mag sein, dass die Neigung groß ist, den Gipfel zu einem Verschiebebahnhof der Schuldzuweisungen zu machen. Doch dann riskieren Bund, Länder, EU und Impfstoffhersteller einen dramatischen Vertrauensverlust. Die Demoskopen sind sich nicht einig, ob das Vertrauen in die deutsche Corona-Politik noch stabil oder schon im Schwinden begriffen ist. Dass die Impffortschritte jedenfalls den Beweis für das Vertrauen antreten müssen, liegt auf der Hand. Der Druck auf dem deutschen Gipfel kommt auch vom deutlich besseren Vorankommen anderer Länder.

Deshalb muss Gesundheitsminister Jens Spahn sein Vorgehen begründen: Warum hat er bereits im März vergangenen Jahres in das neue Infektionsschutzgesetz die Ermächtigung hineingeschrieben, Lizenzen notfalls per Zwang auf andere Hersteller übertragen zu können, damit die Bevölkerung schneller Impfstoff hat – und bis heute nicht im Ansatz daran gedacht, von dieser Karte Gebrauch zu machen?

Vertrauen in die smarten Biontech-Tüftler und ihren großen Partner Pfizer ist gut, aber nachweislich auch kraftvolle Ergänzungen erwogen zu haben, wäre besser gewesen.
Die Bevölkerung muss wissen, ob die Regierenden darum ringen, jeden Tag zu mehr Impfstoff zu kommen, wo jeden Tag Menschen sterben, sich infizieren sowie die (auch seelischen) Belastungen für Schüler, Eltern, Lehrer, Alte und nicht zuletzt die um ihre Existenz ringenden Gewerbetreibenden zunehmen.