Schluss mit lustig - Delfinarien auf dem Rückzug

Schluss mit lustig - Delfinarien auf dem Rückzug

Münster. Es ist feucht, es riecht nach Chlor, einSeelöwe grölt. Die Tribünen des Delfinariums im Zoo von Münster sindvoller Schulkinder. Jetzt kommen die Delfine.

Die Tümmler springen,werfen Ringe und Bälle, schießen mehrere Meter hoch aus dem Wasser.Bundesweit gibt es nur noch drei Delfinarien: in Duisburg, Nürnbergund in Münster. Dort ist in zwei Jahren Schluss mit lustig.

Seit der Dokumentation "Die Bucht" (2008), die schockierendeBilder vom Delfinfang in Japan zeigte, sind die Proteste vonTierschützern gegen das Halten von Delfinen in Gefangenschaft wiederlauter geworden. "Grundsätzlich werden die Delfinarien einAuslaufmodell sein", meint der Chef des Delfin- und Walschutzforums,Jürgen Ortmüller. In Großbritannien sind nach seinen Angaben bereitsalle ursprünglich 30 Delfinarien dicht.

In Deutschland wurden bereits mehrere Delfinarien geschlossen.Insgesamt 17 Delfine sind an den drei noch verbliebenen Standorten zusehen, vier Tiere davon im Zoo Münster. Der Zoo begründet dieSchließung mit wirtschaftlichen Gründen. Gemessen an den Einnahmenlohne sich der Erhalt des Delfinariums nicht mehr. Daher sollenlangfristig Seelöwen das Delfin-Programm ersetzen.

Für Ortmüller ist das Delfinarium ein Dorn im Auge. Die Tierewürden gequält, lebten auf zu kleinem Raum in unhygienischen Becken,in die kein Sonnenlicht komme, sagt der Kritiker. Durch den Tod einesDelfinbabys des Nürnberger Zoos vor wenigen Tagen sieht er sich inseiner Haltung bestätigt. Es sei das neunte Delfinjunge seit 2004,das kurz nach der Geburt gestorben sei.

Delfin-Dompteur Jörg Feldhoff arbeitet seit den 80er Jahren mit Delfinen. Er kennt die Argumente seiner Gegner. "Es ist scheinheilig: Ich bin entweder gegen jede Art von Tierhaltung, auch die von Jagdhunden zu Hause, oder ich lasse es sein." Die Freiheit sei für die Tiere nicht zwangsläufig besser: "Sie birgt auch Gefahren."

Die Kunststücke hielten die Tiere fit. "Delfine haben einenenormen Bewegungsdrang", sagt der Dompteur. Ortmüller sieht dasanders: "Die antrainierten Kunststücke machen sie nur, weil siegefüttert werden." Kein Delfin springe in Freiheit über Hindernisse.

Feldhoff ist sich sicher, anhand der Spiellust seiner Delfine zuerkennen, ob es ihnen gut oder schlecht geht. Zudem würden die Tiereständig medizinisch versorgt. Die Delfinschützer hoffen derweil, dassdas Delfinarium noch früher schließt. "Delfine können niemalsartgerecht gehalten werden", sagt Ortmüller. "Die Lebensqualität vonDelfinen in Gefangenschaft ist gleich null."

Der Beckenrand ist grün, der Boden schwarz gefleckt. Es hat sichMoos gebildet. Feldhoff räumt ein: "Wir kommen mit dem Säuberneinfach nicht hinterher." Aber das habe nichts damit zu tun, wie esden Tieren ginge. Größer könnte das Becken sicherlich sein. Und schönwäre eines draußen, sagt er.Wo die vier Delfine aus Münster hinkommen werden, ist unklar.Einer kommt vielleicht nach Nürnberg, die drei anderen wahrscheinlichnach Holland. Am Ende der 15-minütigen Show schwimmen die Delfine aufdem Rücken. Zum Abschied winken sie mit der Flosse. dpa

Mehr von Westdeutsche Zeitung