Zweiter Weltkrieg: Wuppertaler erinnern an verheerende Luftangriffe

Zweiter Weltkrieg : Wuppertaler erinnern an verheerende Luftangriffe

Silvester 1944 starben 200 Menschen in den Flammen, 23 davon in einem Kanal am Ludgerweg, der zur Falle geworden war. Eine Veranstaltung gedenkt der Opfer.

Es war ein schicksalhafter Jahreswechsel, der Tod und Zerstörung über Vohwinkel brachte. Bei den schweren Luftangriffen an Silvester und Neujahr 1944/45 warfen britische Lancaster Flugzeuge insgesamt 2500 Sprengbomben ab. Über 200 Menschen starben, etliche Gebäude gingen in Flammen auf. Ziel des Angriffs waren die Bahnanlagen, doch aufgrund schlechter Sichtverhältnisse traf die tödliche Fracht auch viele Wohnhäuser.

In den Kellern bangten die Menschen um ihr Leben. Am Bremkamp flüchteten sich fünf Bewohner der Siedlung und 18 Zwangsarbeiter in einen Kanal, der als Luftschutz-Unterstand diente. Fatalerweise war dieser mit einer Bretterwand getrennt, um den Kontakt zwischen den Vohwinkeler Bürgern und den Kriegsgefangenen zu unterbinden. „Als die Bomben am 1. Januar 1945 die Hauptwasserleitung oberhalb des Neulandwegs zerstörten, überraschte eine Flutwelle die Menschen in der Röhre“, erläutert Historiker Stephan Stracke. Die Holzabtrennung trug dazu bei, dass der Kanal für alle Schutzsuchenden zur tödlichen Fall wurde. „Mit Hilfe eines Zeitzeugen konnten wir den genauen Standort der Betonröhre feststellen, in der die Menschen ertrunken sind“, berichtet Stracke. Ein Einstieg befand sich demnach unterhalb des heutigen Ludgerwegs unter der alten Korkenziehertrasse und jetzt gegenüber der Kirche St. Ludger.

Vor dem Gotteshaus soll am 31. Dezember eine ökumenische Gedenkfeier stattfinden. Daran beteiligen sich noch die Evangelische Kirchengemeinde Vohwinkel, die Katholische Pfarreiengemeinschaft Wuppertaler Westen und die Vohwinkeler Politik. „Wir möchten die Erinnerung wachhalten“, sagt Bezirksbürgermeister Heiner Fragemann (SPD). Es sei wichtig, gerade jüngeren Menschen zu vermitteln, dass die furchtbaren Kriege der Vergangenheit nicht bloß abstrakte Kapitel in den Geschichtsbüchern waren, sondern ganz konkret auch Wuppertal betrafen. Bei den Überlebenden wirkte das Trauma der Luftangriffe lange nach.

Gedenken gilt auch erschossenen Zwangsarbeitern

„Das war in unserer Familie immer ein sehr schmerzhaftes Thema“, erzählt Ilse Weithe. Ihr Schwiegervater kam im Kanal am Ludgerweg ums Leben. „Meine Schwiegermutter war während der Angriffe mit ihren Kindern in einem Luftschutzkeller im Vohwinkeler Zentrum, aber ihr Mann wollte das Haus der Familie in der Siedlung nicht allein lassen“, berichtet die Bremkamperin. Als die Angriffe zu heftig wurden, habe er dann in der nahe gelegenen Betonröhre Schutz gesucht.

Bei der Gedenkfeier soll insbesondere auch an das Kriegsverbrechen von Silvester 1944 im Bereich des Vohwinkeler Bahnhofs erinnert werden. Zum Zeitpunkt der Angriffe befand sich ein Zug mit Zwangsarbeitern auf dem Gelände. Einige von ihnen suchten in einem zerbombten Haus nach Lebensmitteln. „Ein Wehrmachtsoffizier verlangte, dass die Täter sich melden, was diese aber nicht taten“, sagt Lieselotte Bhatia. Sie beschäftigt sich schon lange mit dem Thema Zwangsarbeit während des Nationalsozialismus. „Der Offizier holte sechs zufällig ausgesuchte Personen aus dem Zug, die ihr eigenes Grab ausheben mussten und dann erschossen wurden“, berichtet Bathia. Das Grab wurde im Oktober 1945 von Beauftragten der französischen Kommission zur Aufklärung von Kriegsverbrechen entdeckt. Die Opfer wurden geborgen und am Friedhof an der Ehrenhainstraße bestattet.