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Wuppertals OB Schneidewind will sich seinen Kompass bewahren

Politische Runde der VHS : „Ich werde mir meinen Kompass bewahren“

An dem bisherigen Auftreten des neuen Oberbürgermeisters hatte sich zuletzt Kritik entzündet: Von vielen Seiten gab es Kritik, weil er nicht ausreichend in der Öffentlichkeit präsent gewesen und der erhoffte Neustart in den diversen Politik- und Gesellschaftsfeldern bislang ausgeblieben sei.

An dem bisherigen Auftreten des neuen Oberbürgermeisters hatte sich zuletzt Kritik entzündet: Von vielen Seiten gab es Kritik, weil er nicht ausreichend in der Öffentlichkeit präsent gewesen und der erhoffte Neustart in den diversen Politik- und Gesellschaftsfeldern bislang ausgeblieben sei. Für Uwe Schneidewind ist dieser Wunsch ein „berechtigtes Bedürfnis“, dokumentiert aber zugleich ein etwas antiquiertes Bild von den Möglichkeiten eines Oberbürgermeisters. Das Amt eines Bürgermeisters diene eher der Repräsentation, sagte Schneidewind jetzt in der Politischen Runde der Bergischen Volkshochschule. Politik sei eher eine Teamleistung. Das betreffe auch und nicht zuletzt die Pandemie-Bekämpfung. Hier wies der frühere Präsident des Wuppertal Instituts jedes Ansinnen zurück, sich zum „Corona-Heroen stilisieren“ zu lassen.

Knapp zwei Stunden nahm sich der Grünen-Politiker am Montagabend Zeit, um sich unter dem Motto „Fünf Monate nach dem Amtsantritt: Wuppertal im Aufbruch?“ den Fragen der Moderatorin Annette Hager und der zugeschalteten Internetgemeinde zu stellen. Etwa 90 Personen fanden sich zu der Veranstaltung ein – beileibe nicht nur Schneidewind-Fans, sondern auch Teilnehmer, die das bisher Erreichte kritisch sehen. Das zumindest ließ sich aus den Chat-Kommentaren der virtuell Anwesenden herauslesen.

Die Erwartungshaltung an den renommierten Wissenschaftler und Träger des Bundesverdienstkreuzes ist offensichtlich groß – was auch Moderatorin Hager deutlich machte, indem sie der Wahl Schneidewinds quasi eine bundespolitische Signalwirkung attestierte. Das stimmt insofern, als sich auch überregionale Medien mit der Wahl des Wuppertaler OBs beschäftigt haben; getreu der erkenntnisleitenden Frage: „Kann ein Wissenschaftler Lokalpolitik?“

Zugegeben: Ein neues Stadtoberhaupt kann sich sicherlich einen besseren Zeitpunkt als eine weltweite Pandemie wünschen, um in Amt und Würden eingeführt zu werden. Gleichwohl habe ihm diese Situation auch die Freiheit gegeben, viele Dinge im Rathaus „strategisch“ zu platzieren und die „Gestaltungslust“ in der Verwaltung aufzugreifen, erklärte der gelernte Wirtschaftswissenschaftler und Nachhaltigkeitsexperte. Insofern sei die Pandemie durchaus „ambivalent“.

Schneidewind hat große Pläne und keine Angst vor Visionen, er weiß, dass man eine ambitionierte Politik von ihm erwartet und er gleichwohl nicht alle Erwartungen erfüllen kann. Zugleich will er sich aber auch nicht von der „täglichen Nervosität“ und den Projektionen der Bürger unter Druck setzen lassen. „Ich werde mir meinen Kompass bewahren“, sagte er. Er werde nach fünf Jahren eine Bilanz ziehen. „Ziel ist es, Wuppertal zu einem zentralen Impulsgeber für Urbanität des 21. Jahrhunderts zu machen.“

Wie die Umsetzung der Vorhaben im Einzelnen aussehen soll, erklärte Schneidewind im Gespräch zumeist erst auf Nachfrage. So soll etwa die Verkehrswende in Wuppertal erreicht werden, indem ein Netzwerk von Radwegtrassen geschaffen und ein Pedelec-Verleihsystem ins Leben gerufen werden. Die Innenstadt soll attraktiver werden, indem mehr Kultur- und touristische Angebote geschaffen und die Außengastronomie erweitert werden. Die Rodungen im Osterholz sieht der OB kritisch, warnte aber davor, den Streit um das Waldstück symbolisch aufzuladen und seine Bedeutung mit dem Hambacher Forst gleichzusetzen. Und bei der Frage nach der hohen Zahl an Corona-Neuinfektionen in der Stadt verwies Schneidewind – etwas unklar formulierend – darauf, dass es sich da um „ein extrem statistisches Phänomen“ handele. 

Nicht mit allen Antworten dürften die Teilnehmer zufrieden gewesen sein, hatten sich einige doch offenbar konkretere Aus- und Zusagen erhofft. Für sie alle hatte Uwe Schneidewind zum Ende der Veranstaltung immerhin ein Versprechen parat: „Die Dinge sind auf dem Weg!“