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Wuppertalerin verliert bei Waldbrand in den USA alles - bis auf eine Wuppertal-Tasse

Wuppertalerin verliert bei Waldbrand in den USA alles - bis auf eine Wuppertal-Tasse

Bei einem Waldbrand hat die Cronenbergerin Claudia Meglin alles verloren. Nur ein bergisches Andenken schaffte es aus den Trümmern.

Wuppertal. In fünf Minuten mussten sie weg sein. Mit Reisetasche, Pässen, Computer und der Katze verließen Claudia Meglin und ihr Mann Erick Dunn das Haus in Kalifornien — für immer. Von jetzt auf gleich auf der Flucht vor einem Waldbrand. Heute ist nichts mehr von ihrem ehemaligen Zuhause übrig. Wenn die gebürtige Wuppertalerin daran denkt, muss sie schwer schlucken. „Dinge des Alltags lassen sich ja leicht ersetzen, aber es waren auch die Kunstwerke meines Mannes im Haus“, sagt sie. Die Wirkungsstätte des Künstlers wurde ebenso von den Flammen geschluckt, wie Meglins Mineraliensammlung und alle persönlichen Gegenstände und Erinnerrungen. Bis auf einen Gegenstand aus der Heimat, der wie zum Trotz den Flammen standgehalten hatte...

Wuppertalerin verliert bei Waldbrand in den USA alles - bis auf eine Wuppertal-Tasse
Foto: Erick Dunn

Das Feuer kam ohne Vorankündigung. Am Sonntagabend des 8. Oktober lag Claudia Meglin schon im Bett, als sie plötzlich draußen eine Taschenlampe aufblitzen sieh. „Da war unsere Nachbarin und rief: Feuer in Kenwood.“ Dass eine Naturgewalt auf ihre Heimat zurollt, hörte die 49-Jährige in diesem Moment zum ersten Mal. Später erfuhr sie, dass sich in der Nacht rund um ihre Stadt Kenwood bei starkem Wind gleich zehn bis 15 verschiedene Feuer entzündeten, weil Oberlandleitungen Funken geschlagen hatten.

Bei der Flucht mit dem Auto bemerkte das Ehepaar schnell, dass sie von mehreren Bränden bedroht wurden. „Wir sahen riesige Flammen“, sagt sie. Vergeblich versuchten sie noch, ihre Freunde übers Handy zu erreichen — drehten schließlich noch einmal um, um diese aus dem Schlaf zu holen. Denn: „Es gab kein Sirenenalarm oder eine Benachrichtigung per SMS.“ Rund vier Stunden dauerte die Flucht vor den Flammen, die sie immer wieder von vermeintlich sicheren Orten zur Weiterfahrt zwangen. „Es war ein Alptraum“, beschreibt Claudia Meglin den Abend.

Ein paar Tage später kam dann die Stunde der Wahrheit. Als die Sperrung der Behörden aufgehoben war, besuchten Meglin und ihr Mann zum ersten Mal die Stelle, an der einmal ihr Haus stand. „Als wir ankamen, war sofort klar, dass da nichts mehr ist“, sagt Meglin. Trotzdem inspizierte die Filmemacherin den verkohlten Haufen aus Schutt und Asche einmal genauer.

Noch immer kann sie kaum fassen, was sie da sah: „Ich habe keine Ahnung, wie das sein kann, aber da habe ich eine Tasse aus Wuppertal gefunden.“ Zumindest dieses eine Andenken mit der Schwebebahn konnte Meglin bergen. „Das war sehr berührend“, sagt sie.

Finanziell standen die Eheleute zunächst vor dem Nichts. Wie in den Vereinigten Staaten üblich, war das Haus nicht versichert. Ehemann Erick Dunn wurde durch den Brand die Arbeitsgrundlage genommen. „Man muss sich vorstellen, dass wir am nächsten Tag nichts hatten. Wir mussten uns von unseren Freunden neue Kleidung leihen“, sagt Meglin.

Inzwischen haben Meglin und Dunn von Bekannten ein kleines eigenes Reich zur Verfügung gestellt bekommen. Im Internet wurde Geld für das Paar gesammelt — inzwischen sind dabei mehr als 30 000 Dollar zusammengekommen.

Nach all dem Verlust erlebten die Kalifornier, deren Haus eines von 5000 Gebäuden waren, die bei den Bränden zerstört wurden, jetzt eine Zeit, die sie hoffnungsvoll macht. „Diese ganze Unterstützung und Liebe von Freunden und Familie zu spüren, das war ein unglaubliches Erlebnis.“ Auch die amerikanischen Behörden hätten sich vorbildlich verhalten. Aus einem staatlichen Hilfsfonds erhielten die Wohnungslosen 3500 Dollar — ihre gesamten Dokumente von den Ausweisen bis zur Heiratsurkunde konnten sie kurz nach dem Unglück „ganz unbürokratisch“ neu beantragen.

Das nächste Ziel von Claudia Meglin, die bereits ihre Arbeit wieder aufnehmen konnte: „Wir wollen jetzt wieder etwas Normalität finden.“ Und wahrscheinlich möchte sie ihr traumatisches Erlebnis auch eines Tages künstlerisch aufarbeiten. Vielleicht spielt ja dann auch das Rätsel um die Wuppertal-Tasse eine Rolle.