Spätes Gegentor knackt den WSV

Spätes Gegentor knackt den WSV

In einem zähen Spitzenspiel vor 4322 Zuschauern unterliegt der WSV dem Tabellenführer KFC Uerdingen 0:1.

Die Wettquoten auf einen 1:0-Sieg des KFC Uerdingen in Wuppertal dürften nicht allzu hoch gewesen sein, schließlich hatte der Tabellenführer der Fußball-Regionalliga West seit acht Spielen kein Gegentor kassiert und vier dieser Spiele mit einem - meist späten - Tor gewonnen. Genau so kam es dann auch am Samstag vor der bisher besten Saisonkulisse von 4322 Zuschauern im Stadion am Zoo. Von denen hatten die meisten natürlich auf einen anderen Ausgang gehofft.

84 Minuten hielt der WSV ein 0:0, war in der ersten Hälfte gegen die Defensivspezialisten aus Krefeld sogar die bessere Mannschaft, geriet aber nach der Pause immer mehr unter Druck und kassierte dann ein Standard-Gegentor. 0:1 — die dritte Niederlage für den WSV in Serie und die Erkenntnis, dass man dem defensiv mit großer Qualität ausgestatteten Tabellenführer vor allem in Halbzeit zwei offensiv zu wenig entgegensetzen konnte.

„Die Qualität ist in der Breite nicht da“, sagte WSV-Trainer Stefan Vollmerhausen, der seine Anfangsformation nur auf einer Position verändert (Daniel Grebe für Dennis Dowidat) und zunächst auf eine Vierer- statt auf eine Fünfer-Abwehrkette gesetzt hatte, nachher. Er bekannte, dass er trotz Tabellenplatz sechs, den der WSV weiterhin belegt, bei nur noch sechs Punkten Abstand auf den ersten Abstiegsplatz nun zunächst einmal nach unten schaue. In den noch fünf Spielen bis zur Winterpause spielt der WSV nur noch gegen Teams, die zwischen ihm und Platz 15 liegen, beginnend mit dem letzten Hinrundenspiel in Gladbach in zehn Tagen.

Der KFC war dagegen mit der klaren Absicht nach Wuppertal gefahren, die Tabellenführung zu verteidigen. „Ich kenne das ja schon, deshalb bin ich relativ ruhig geblieben“, bekannte Gästetrainer Michael Wiesinger nachher, dass er sich wenige Sorgen gemacht habe, auch wenn es lange 0:0 stand. In einer sehr zäh geführten Partie war das Tor erst der zweite Aufreger nach der schweren Kopfverletzung des Uerdingers Christian Müller gewesen. Der hatte nach 13 Minuten und einem unglücklichen Luftkampf mit Peter Schmetz minutenlang auf seine Behandlung warten müssen, was nun sogar ein juristisches Nachspiel haben wird (siehe Seite 15).

Auch das Uerdinger Siegtor fiel nach einem Luftkampf, den der ansonsten fehlerfreie WSV-Torwart Joshua Mroß gegen den schlecht abgeschirmten KFC-Innenverteidiger Mario Erb verlor. Mroß kam etwas zu spät und bekam noch einen Körperteil Erbs an den Kopf, was Schiedsrichter Kevin Domnick aber für nicht ahndungswürdig befand.

Kurz zuvor hatte WSV-Trainer Vollmerhausen auf Fünferkette umgestellt, um die langsam schwindende Stabilität zurückzubekommen und endlich auch mal wieder nach vorne Nadelstiche zu setzen. Die hatte es in der zweiten Halbzeit bis auf einen feinen Pass des ansonsten blassen Kapitäns Gaetano Manno auf Christopher Kramer nicht mehr gegeben. Kramer stand dabei leider hauchdünn im Abseits.

Doch auch mit Davide Leikauf kam kurz vor dem 0:1 nicht die erwünschte Entlastung. Stürmer Raphael Steinmetz, der sofort nach dem Gegentreffer eingewechselt wurde, konnte auch keinen Effekt mehr erzielten. Vor der guten Kulisse, die die Mannschaft bis zum Schluss toll unterstützte, gab es nur noch einen Angriff, der in die Nähe des von Kevin Vollath gewohnt sicher gehüteten KFC-Tors gelangte. Da hätte man sich die Zweikampfstärke von WSV-Dribbler Kevin Hagemann gewünscht. Im Moment ist niemand in Sicht, der den nach seiner Schulterverletzung noch bis ins neue Jahr auf Eis liegenden Stürmer ersetzen könnte.

Und da Torjäger Christopher Kramer und Mittelfeldrenner Gino Windmüller, die zuletzt beim WSV die Erfolgsgaranten waren, gegen die KFC-Betonabwehr auch nicht zum Zuge kamen, stand beim WSV vorne zum zweiten Mal in Folge die Null. Da kommen die zehn Tage Pause nicht ungelegen, um sich für die Partie in Gladbach zu sammeln.

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