Wuppertalerin sprach vor 4500 chinesischen Schülern

Schulzeit : Wuppertalerin sprach vor 4500 chinesischen Schülern

Bei einer Schüleraustausch-Reise nach China gab es für einige Wuppertaler Gymnasiasten viel zu erleben.

Jessica Krämer (16) wurde kürzlich eine besondere Ehre zuteil – sie durfte vor 4500 Schülern reden. In Wuhan, China. Sie war Teil eines Schüleraustauschs mit China.

18 Schüler und zwei Lehrer mehrerer Wuppertaler Gymnasien flogen in der Woche vor den Osterferien ins Land der aufgehenden Sonne.

Zu Beginn der ersten vollen Woche, am Montag, fand dann die Fahnenzeremonie statt, bei der es um die Dankbarkeit und einen erfolgreichen Start in die Woche gehe, erklärt Jessica Krämer. Auch die europäischen Gäste sollten etwas sagen. Sie und eine Freundin hätten sich gleich gemeldet – „alleine wollten wir beide jeweils nicht vor 4500 Schülern reden, dafür war unser Lampenfieber zu groß.“

Die Schüler stellen sich auf
wie bei einer Militärparade

Nach ihrem Papierschnitt-Kurs haben sich die beiden auf den Weg zum Platz gemacht. Sie hätten nicht glauben können, wie so viele Schüler dort Platz finden sollen. Aber als diese sich dann militärisch in Reih und Glied aufstellten, sei der Zweifel schnell verflogen.

„In der Mitte stellten sich die Schüler, die dem Militär angehören, in blauen Uniformen auf und zogen auch letztendlich die Flagge hoch, als Musik aus den Lautsprechern ertönte“, beschreibt die 16-Jährige die Szenerie. Nachdem ein chinesischer Schüler die Zeremonie eröffnet hatte, waren sie auch schon dran: „Vor so vielen Menschen stand ich noch nie zuvor in meinem Leben. Die Aufregung stand mir sicherlich in mein Gesicht geschrieben und ich musste auch meine zittrige Stimme unterdrücken. Als dann aber mein letzter Satz fiel und alle begannen zu applaudieren, fiel mir ein großer Stein vom Herzen.“

Ganz frei durften die Schülerinnen vom Gymnasium Sedanstraße nicht reden. Der Schulleiter hatte sich vorher das Dankwort, das sie in Englisch hielten, geben lassen. Ohnehin hat Jessica Krämer in China eine ganz andere Kultur erlebt, wie sie berichtet. Das merke man schon im Alltag der Schüler. Die Schule beginne um 7.30 Uhr und dauere bis 17 Uhr. Aber auch danach könnten die Schüler bis 20/21 Uhr bleiben und lernen, was viele auch täten. Wenn die Eltern die Schüler dann abholten, würden sie zu Hause schnell duschen und noch Hausaufgaben – oft bis Mitternacht – machen. „Trotzdem sind alle sehr nett, sogar viel höflicher als in Deutschland“, berichtet sie.

Dass der Austausch inklusive Leben bei der Gastfamilie anders sein würde, war schon bei der Vorbereitung klar. Die Schüler haben einen Sprachkurs besucht und auch einen Kulturkurs, um die feinen Unterschiede im Verhalten zu kennen und sich angemessen zu benehmen. Denn kulturelle Unterschiede können Fettnäpfchen sein. „Wir haben zum Beispiel gelernt, dass wir kein rotes Geschenkpapier benutzen sollen“, erzählt Jessica Krämer. In Sachen Sprache haben sich die Schüler mit einer Übersetzungs-App geholfen, wenn Englisch, ihre wenigen Worte Chinesich und Handzeichen nicht weiterführten.

Gleich zu Beginn der Reise konnten sich Jessica Krämer und die anderen Schüler und Lehrer von der Vielfältigkeit und den Sehenswürdigkeiten des Landes überzeugen. Nach zehn Stunden Anreise mit sechs Stunden Zeitverschiebung hatten die Reisenden in Peking erst einmal Zeit für Sightseeing. „Wir verbrachten drei Tage in einem Vier-Sterne-Hotel und haben uns allerlei Sehenswürdigkeiten angesehen wie die Große Mauer, die verbotene Stadt und den Himmelstempel.“

Für Jessica Krämer war alles in allem eine prägende Erfahrung. Sie ist sehr glücklich, den Austausch mitgemacht zu haben. „Ich würde auf jeden Fall wieder hinfliegen. Und ich würde es jedem empfehlen“, zieht sie ihr Fazit.

Dabei sticht die Fahnenzeremonie besonders heraus. Das gilt auch für ihre Freundin Carah Melching: „Für mich war die Zeremonie ein sehr besonderes Erlebnis, weil man das in Deutschland nirgendwo sieht. Zu sehen, wie ambitioniert die Schüler sind, war auch sehr beeindruckend. Vor allem eine so große Masse an jungen Menschen in unserem Alter zu sehen, die schon so davon geprägt sind, ihr Land zu lieben und dass ihnen diese Zeremonie so wichtig war, war sehr verblüffend.“

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