Wuppertal: Landmarke Gerichtshochhaus stand nur 38 Jahre lang

Historie : Landmarke Gerichtshochhaus stand nur 38 Jahre lang

Das einst höchste Gebäude der Stadt wurde 2002 Stück für Stück abgerissen.

Für den langjährigen WZ-Fotografen Kurt Keil war das Justizhochhaus auf der Gerichtsinsel vor allem „ein idealer Aussichtspunkt“. Denn einige Jahre war es das höchste Gebäude der Stadt, verschaffte ihm beste Ausblicke ins Tal und bis nach Schwelm und Vohwinkel. Und einen Blick auf das Bendahler Gefängnis, in das er sonst nicht so leicht hineinkam. Aus heutiger Sicht sicher keine Schönheit entsprach das Haus aber „der städtebaulichen Idee der Zeit“, wie Uwe Haltaufderheide vom Denkmalschutz erläutert. Wegen Problemen mit dem Brandschutz und Asbest wurde das 1964 fertiggestellte Gebäude 2002 wieder abgerissen.

Uwe Haltaufderheide erklärt, unter Baudezernent Hetzel sei die Stadt autogerecht umgestaltet worden – unter anderem mit dem Ausbau der B7. Die Vorstellung sei damals gewesen, dem Autofahrer große Orientierungsmarken zu bieten, daher sollten Gebäude an der B7 mindestens siebengeschossig sein. Dabei seien auch Gebäude mit besonderer Architektur entstanden wie die Schwimmoper oder das Berufskolleg Elberfeld.

Das Gerichtshochhaus hatte 18 Stockwerke und war mit 72 Metern das höchste Gebäude der Stadt, bis 1973 das Sparkassengebäude (75 Meter) gebaut wurde. Untergebracht waren im Justizhochhaus das Amtsgericht und auch die Staatsanwaltschaft, die heute im ADAC-Haus an der Bundesallee ihre Büros hat. Die direkte Nachbarschaft mit den Staatsanwälten „war insofern schön, weil man kurze Wege hatte“, erinnert sich Norbert Müller, Vorsitzender Richter am Landgericht und Baudezernent des Gerichts in der Zeit des Abrisses. Richter und Staatsanwälte hätten damals viel häufiger persönlichen Kontakt gehabt.

2002 wurde das Gebäude zurückgebaut. Eine Sprengung kam wegen des Kindergartens, der Schwebebahn und der Straßen nicht in Frage. Foto: ja/Kurt Keil

Er erinnert sich an einen Staatsanwalt, der morgens zwar später mit der Arbeit begann, dann auch bis spät in den Abend arbeitete. Weil aber in dem modernen Hochhaus der Strom nach dem offiziellen Dienstschluss abgeschaltet war, habe er sich mit Kerzen beholfen. Das habe eines Tages zu einem Einsatz von Polizei und Feuerwehr geführt. Jemand hatte das flackernde Licht im Fenster gesehen, es wurden Einbrecher oder ein Feuer befürchtet. Doch die Einsatzkräfte trafen nur den Staatsanwalt über seinen Akten an.

Das Gebäude habe Ende der 90er Jahre zunächst saniert werden sollen, auch weil Asbest verbaut worden war. Doch dann seien noch Brandschutz- und Statikprobleme aufgetreten und man habe sich zum Abriss entschlossen. Der Neubau konnte kleiner ausfallen, weil die Staatsanwaltschaft die neuen Räume fand, „obwohl wir das alle sehr bedauert haben“. Das Amtsgericht zog vorübergehend in das alte Siemensgebäude am Hofkamp. „Das wurde extra mit Panzerglasfenstern gesichert“, sagt Norbert Müller.

Der Abriss des Gebäudes war nicht einfach, denn man musste auf den Kindergarten daneben, aber auch auf die Schwebebahn und die Straßen Rücksicht nehmen. Daher kam eine Sprengung nicht infrage. Das Gebäude wurde Etage für Etage zurückgebaut, Norbert Müller erinnert sich, dass zum Schluss „Knabber-Bagger“ die Wände einrissen.

Beim neuen Gebäude war er mit dafür zuständig, den Architekten zu erklären, wie ein Gericht funktioniert. „Die erste Raumplanung haben wir völlig umgeschrieben.“ Unter anderem hätten sie sich für eine gewisse Höhe der Verhandlungssäle eingesetzt, was die Würde des Gerichts deutlich mache und wie es heute noch im Altbau des Landgerichts erlebbar sei.

„Das ist uns nur im Sockelgeschoss gelungen“, bedauert er. Und in dieser unteren Etage seien die Säle auch nur deshalb höher, weil sich auf der gleichen Ebene der Haftzellen des Gerichts befinden und die Einfahrten für die Gefangenentransporter eine entsprechende Höhe brauchen.