Gestiegene Kosten für Platz-Umbau in Wuppertal: Berliner Verhältnisse

Offen gesagt : Berliner Verhältnisse

Warum es jetzt wichtig wäre, dass die Ratsdamen und - herren bei der Abstimmung zum Umbau des Von-der-Heydt-Platzes zögern.

An dieser Stelle wird regelmäßig Kritik geübt. Deshalb ist es jetzt allerhöchste Zeit, Lob auszusprechen. Das tut der Wuppertaler Seele gut. Also ein Lob. Was funktioniert in Wuppertal gut? Wie bitte? Fifty-Fifty? Publikumsjoker? Jemanden anrufen? Warum? Die Antwort liegt doch auf der Hand: Nichts. Ganz im Gegenteil.

Seit dieser Woche gibt der Von-der-Heydt-Platz in Elberfeld allen Anlass zur Verzweiflung. Der ist zugegebenermaßen nicht besonders schön, aber er ist ja auch nicht die wichtigste Fläche der Stadt. Dafür hat er nun alle Chancen, verhältnismäßig der Teuerste zu werden. Wenn Baudezernent Frank Meyer (SPD) die Ratsdamen und -herren überzeugen kann, dann schwingt sich dieser mittelmäßig bedeutende Fleck am 16. Dezember kostenmäßig zu Flughafendimensionen auf. Der Berliner Airport war einst für knapp zweieinhalb Milliarden Euro geplant worden, nun kostet er mehr als sieben Milliarden. Wenn’s reicht. Verglichen damit sind möglicherweise drei Millionen Euro für den Elberfelder Platz zwischen Kaufhof und C&A zwar ein Klacks. Aber erstens sind drei Millionen Euro auch sehr, sehr viel Geld und zweitens war der Umbau einmal mit kaum mehr als einer Million Euro veranschlagt worden. Also für ein Drittel der drohenden Kosten, ganz wie BER.

Das ist noch gar nicht so lange her, fällt in Zeiten, in denen die Baubranche längst zu boomen begonnen hatte und scheint die Verantwortlichen im Rathaus nun trotzdem zu überraschen. Der Preis soll sich also verdreifachen, wenn der Rat mitspielt – und wenn’s reicht. Dass der Baudezernent in diesem Zusammenhang von Fantasiepreisen spricht, wirft die Frage auf, wer im Rathaus solchen Angeboten denn den Zuschlag erteilt. Wenn ein Auftragnehmer meint, eine Stadt ausbeuten zu dürfen, dann sollte die Stadt sich schon wehren können. Beispielsweise, in dem sie die Neugestaltung verschiebt, neu plant – und nicht schon mit den Eigenarbeiten beginnt, ehe die Fremdarbeiten vergeben sind. Wuppertal macht das anscheinend genau umgekehrt. Die Bäume waren weg, ehe ein Vogel piep sagen konnte, die Kanalarbeiten haben der Fläche den Rest gegeben. Das ist, als ließe ein Hausbesitzer das Dach seiner Immobilie abdecken, ohne vorher dafür zu sorgen, dass er neue Dachpfannen hat.

Auf dem Von-der-Heydt-Platz stehen nun vereinsamt ein paar Weihnachtsbuden, die es einfach gar nicht schaffen können, festliches Flair zu verbreiten. Und im Rathaus will ein Dezernent die Schatulle öffnen wie der Nikolaus seinen Jutesack am 6. Dezember. Frohes Fest.

 Preiskarrieren wie die des Von-der-Heydt-Platzes haben Tradition in Städten, leider auch in Wuppertal. Unvergessen ist die Sanierung der Schildwand am Stadion Zoo, die einst mit zehn Millionen D-Mark veranschlagt worden war, dann aber mehr als 30 Millionen D-Mark kostete. Sie sieht wunderschön aus. Einerseits. Auf der anderen Seite hat sich der heutige Fußball-Drittligist Waldhof Mannheim für weniger Geld ein ganzes Stadion bauen lassen.

Auch die Stadthalle ist wunderschön, weil sie wunderbar saniert wurde. Dass die geplanten Kosten sich auf 84 Millionen D-Mark fast verdreifachten, ist das traurige Kapitel der Geschichte.

Es wird in seiner Tragik nur von der Schwebebahn überboten. Sie sollte einst für 490 Millionen D-Mark komplett saniert werden, am Ende waren es dann gut 620 Millionen Euro – dafür fährt sie heute, anders als vor der Sanierung, allerdings nicht mehr regelmäßig.

All diese Dramen ereigneten sich übrigens nicht in Niedrigzinsphasen. Es gab auch keinen sonderlichen Bauboom. Um Ausreden waren die öffentlichen Akteure dennoch nie verlegen. Verwunderlich ist dabei damals wie heute nur, dass private Bauherren es in aller Regel schaffen, Kostenrahmen einzuhalten. Es gäbe in Wuppertal wahrscheinlich keinen einzigen privaten Neubau, wenn die Kosten dafür wie bei der öffentlichen Hand immer um das Dreifache stiegen. Welche Familie könnte sich dann noch ein Reihenhäuschen leisten?

Es ist also was faul im Staate Dänemark. Irgendwelche Kontrollfunktionen greifen nicht, wenn es sie denn überhaupt noch gibt. Zweifel daran sind berechtigt. Das ist äußerst misslich für eine Stadt, die überhaupt nichts mehr auf der hohen Kante hat. Deshalb sollten die Ratsdamen und -herren im Falle des Von-der-Heydt-Platzes zögern, die Hände zu heben. Vielleicht lässt sich die Sache ja doch noch billiger regeln. Wuppertal hat’s auch so schon schwer genug. Da müssen nicht auch noch weiter Berliner Verhältnisse herrschen.