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Wuppertal: Kneipen-Gäste finanzieren Bestattung eines Ronsdorfer Kneipiers

Solidarität : „Die letzte Runde geht auf uns“: Gäste finanzieren Kneipier-Bestattung

Die Ronsdorfer wenden eine anonyme Bestattung ab. Vorausgegangen war eine solidarische Spendenaktion.

„Er hat das Kneipenleben in Ronsdorf geprägt, er war ein Urgestein.“ Wenn Sascha Stiefeling von Martin Krämer spricht, macht er bewusst, welchen Stellenwert der Kneipenwirt im Südhöhen-Stadtteil hatte. Nun ist Martin Krämer gestorben. Seit Anfang der Neunziger hatte er seine Kneipe „Stoffwechsel“ an der Breiten Straße betrieben und sich dabei als fester Bestandteil des Ronsdorfer Zentrums etabliert. „Er hat ein neues Konzept nach Ronsdorf gebracht, sein Motto war: ‚Das Stoffwechsel ist euer Wohnzimmer‘“, erinnert sich Stiefeling. Gerne bezeichnete Krämer seine Wirtschaft als „Ort der stromlosen Kommunikation“, er legte viel Wert auf den persönlichen Austausch und wurde so zu einem engen Freund vieler Gäste.

Diese enge Verbindung zu seiner Kundschaft besteht auch nach seinem Tod weiter. Da Krämer keine engen Angehörigen mehr hatte, die die Bestattungspflicht hätten wahrnehmen können, wäre er – so die übliche Handhabung – anonym beigesetzt worden. „Das hätte er nicht verdient“, fand Stiefeling, selbst langjähriger Freund des Kneipiers, und startete auf Facebook gemeinsam mit einigen anderen Bekannten aus der Stoffwechsel-Gemeinschaft eine Initiative für einen würdevollen Abschied.

Stiefeling telefonierte mit dem zuständigen Amt, ließ sich erklären, dass jeder Bürger ein Bestattungsrecht besitze und wollte dieses wahrnehmen. So kam die Idee auf, Geld für die Beerdigung zu sammeln, die dann in Ronsdorf stattfinden würde und nicht auf einem beliebigen Wuppertaler Friedhof. Zunächst zweifelte Stiefeling an dem Plan: „Ich war lange nicht sicher, ob überhaupt genug Geld zusammenkommt.“

Trotzdem ging die Initiative online. Verbunden mit dem Wunsch, die Jahre mit Krämer im Stoffwechsel Revue passieren zu lassen, wurde zum Spenden aufgerufen. Via Internet oder per Sammeldose konnte zu der Bestattung beigetragen werden. Die Initiatoren der Aktion erinnerten an Krämers „offenes Ohr“ für Sorgen und Probleme und beschworen: „Die letzte Runde geht auf uns.“

Die Reaktionen der Netzgemeinde ließen nicht lange auf sich warten, einstimmige Solidarität wurde gezeigt. „Selbstverständlich beteilige ich mich“, ließ eine Nutzerin wissen, ein anderer versprach: „Wir sorgen für ein würdiges Begräbnis.“ Nur zwei Tage, nachdem die Aktion gestartet wurde, waren so bereits 3000 Euro gesammelt worden. Über 160 Personen haben sich beteiligt und sorgten dafür, dass eine persönliche Beisetzung möglich ist. „Schön, dass die Leute mitgezogen und Solidarität gezeigt haben“, sagt Sascha Stiefeling

Martin Krämer wird in der nächsten Woche in Ronsdorf bestattet. Die Trauerfeier findet unter freiem Himmel statt, sodass es bis zu 100 Wegbegleitern trotz Corona möglich sein wird, Abschied zu nehmen.