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Ronsdorfer Sterbekasse fehlen die Mitglieder

Die letzten zwei Versicherungen dieser Art fusionieren : Ronsdorfer Sterbekasse fehlen die Mitglieder

Nach fast 100 Jahren muss die evangelische Notgemeinschaft Ronsdorf die Arbeit einstellen - weil nicht genug neue Mitglieder hinzugekommen sind. Die letzte Sterbekasse in Ronsdorf übernimmt die Mitglieder.

Fast 100 Jahre liegt es nun zurück, dass sich in Ronsdorf die „Lutherische Liebes- und Notgemeinschaft“ gründete. Daraus entstand später die evangelische Notgemeinschaft Ronsdorf; bald wird die Geschichte dieser Sterbekasse aller Voraussicht nach zu Ende gehen. Ende dieses Jahres soll die Notgemeinschaft sich der zweiten verbliebenen Ronsdorfer Versicherung ihrer Art – der Sterbeauflage Nr. 10 – anschließen.

Sterbekasse hat nur
noch 400 Mitglieder

Der Vorsitzende der evangelischen Notgemeinschaft, Rolf Overhoff, gibt einen Überblick über die Anfangsjahre: 1923 wurde mit der Gründung der Sterbekasse ein Weg gefunden, die Not in der damaligen Inflation zu lindern. Weil zu dieser Zeit das Geld immer wertloser wurde, konnten auch Beerdigungen nicht auf übliche Weise durchgeführt werden; die Beschaffung eines Sarges wurde zur Mammutaufgabe. So mussten viele Menschen stattdessen in Papiersäcken bestattet werden. Sechs Männer aus der evangelisch-lutherischen Gemeinde nahmen sich des Problems an und gründeten mit Unterstützung des Pastors Schoen die Sterbekasse. Die ersten Mitglieder sammelten Geldspenden, mit denen Holz beschafft werden konnte. Auf diese Weise stand im Todesfall für jedes Mitglied ein Sarg zur Verfügung. Die Inflation wurde überbrückt, auch den Krieg und den darauf folgenden Neubeginn überstand die Gemeinschaft.

Nun aber, 97 Jahre nach ihrer Gründung, steht sie kurz vor dem Aus. In der Jahreshauptversammlung wurde beschlossen, dass man mit der Sterbeauflage Nr. 10 fusionieren will und somit die eigenen Geschäfte aufgibt. „Wir sind mittlerweile zu klein geworden“, erklärt Rolf Overhoff. In Spitzenzeiten in den 1980er-Jahren hatte die Ronsdorfer Notgemeinschaft mehr als 1200 Mitglieder, nun ist ihre Zahl auf rund 400 gesunken. „Die Verwaltungskosten pro Mitglied sind zu hoch“, berichtet der Vorsitzende. Zwar habe der regelmäßig einberufene Versicherungsmathematiker bescheinigt, dass die Gemeinschaft auch alleine noch lebensfähig sei, jedoch ist die Entscheidung zur Fusion auch mit Blick auf Zukunftsfragen gefallen: „Die Neuzugänge bleiben aus“, weiß Overhoff.

Bis die Notgemeinschaft endgültig in die Sterbeauflage Nr. 10 übergehen kann, muss zunächst noch deren Jahreshauptversammlung über den Vorgang entscheiden. Das allerdings sei „eine Formsache“, prognostiziert Overhoff. Auch die Absegnung durch den Regierungsbezirk Düsseldorf als Aufsichtsbehörde gilt als sicher.

Sobald die Fusion abgeschlossen ist, wird die Sterbeauflage Nr. 10, die schon jetzt verglichen mit der Notgemeinschaft ein Vielfaches an Mitgliedern aufweisen kann, die einzige verbliebene Sterbekasse im Stadtteil sein. Sie wurde 1860 gegründet und war einst eine von 19 dieser Kleinst-Versicherungen in Ronsdorf, die dafür Sorge trugen, dass im Falle des Ablebens ihrer Mitglieder Familienangehörige bei den Kosten für die Beerdigung unterstützt wurden. Die Kunden dieser Versicherungen stammten meist aus Arbeiterfamilien ohne großes Einkommen. Der Name „Sterbeauflage Nr. 10“ zeigt, wie viele dieser Unternehmen es bereits zur Mitte des 19. Jahrhunderts in Ronsdorf gab.

Für die heutigen Mitglieder der evangelischen Notgemeinschaft bedeutet die Fusion keine große Umstellung. Overhoff erklärt: „Die Rechte und Pflichten der Mitglieder ändern sich nicht, auch die Beiträge bleiben gleich“. Am 12. August wird die Jahreshauptversammlung der Sterbeauflage Nr. 10 die Aufnahme wohl endgültig besiegeln.