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Wegen Coronavorus: Heimbesuche in Wuppertal eingeschränkt

Wegen Coronavorus : Heimbesuche in Wuppertal eingeschränkt

Senioren sind durch das Coronavirus besonders gefährdet und sollen geschützt werden. Deshalb werden die Möglichkeiten für Heimbesuche in Wuppertal stark eingeschränkt.

Je älter die Menschen sind, desto größer ist die Gefahr, dass das Coronavirus zu einer lebensbedrohlichen Lungenentzündung führt. Deshalb sind seit Samstag Besuche in Altenheimen stark beschränkt.

In einer Allgemeinverfügung hat die Stadt bestimmt, dass jeder Bewohner pro Tag nur von einer Person maximal eine Stunde besucht werden darf. Der Besuch muss auf dem Zimmer stattfinden, nicht in Gemeinschaftsräumen. Alle Besuche werden registriert, um Infektionsketten zurückverfolgen zu können. Oberbürgermeister Andreas Mucke sagte: „Wir empfehlen, am besten gar keine Besuche zu machen.“

Ganz untersagt sind Besuche von Menschen, die bis zu 14 Tage zuvor in einem Risikogebiet waren, ebenso Menschen, die Kontakt mit jemandem hatten, der infiziert ist. Unter Kontakt fällt in diesem Fall auch der Aufenthalt im gleichen Raum. Ausnahmen kann es für nahestehende Menschen bei einer Sterbebegleitung geben. Diese Regeln gelten seit Samstag in ganz NRW.

Personal kennt den Umgang mit ansteckenden Krankheiten

Susanne Bossy, Sprecherin des Caritasverbands Wuppertal/Solingen, erklärt: „Nun gilt es, einfühlsam unseren Bewohnerinnen und Bewohnern die Situation zu erklären, um ein enttäuschtes Warten auf besuchende Angehörige möglichst zu vermeiden.“ Auch Cornelia-Maria Schott, Geschäftsführerin der Diakonischen Altenhilfe Wuppertal sagt: „Unsere höchste Priorität ist es, unseren Bewohnen die Einschränkungen so angenehm wie möglich zu machen.“

Auf solche Maßnahmen sind die Einrichtungen bereits vorbereitet. Denn Stadt, Heimaufsicht und die Träger der Alteneinrichtungen stehen schon seit längerem in Kontakt, um ihre Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionen abzustimmen.

Insgesamt sehen sie sich gut vorbereitet: „Wir haben den Vorteil, dass wir mit geschultem Personal arbeiten“, sagt Ulrich Renziehausen, Leiter des Stadtbetriebs Alten- und Pflegeheime. Auch beim immer wieder grassierenden Norovirus oder bei Infektionen mit resistenten Keimen müssten die Mitarbeiter Bewohner isolieren und Schutzkleidung tragen.

Aber sie seien sich auch bewusst, dass die Menschen, die ihnen anvertraut sind, von dem neuartigen Coronavirus besonders gefährdet sind: „Die meisten Bewohner sind hochaltrig, der Altersdurchschnitt liegt etwa bei 85/86 Jahren“, schätzt Ulrich Renziehausen. Dazu kämen Vorerkrankungen und möglicherweise Demenz.

Schon vergangene Woche galt, dass Besuche reduziert werden sollten. Veranstaltungen wie Basare oder der Auftritt eines Clowns waren abgesagt, Besucher wie Lieferanten angewiesen, sich auf direktem Weg zu ihrem Ziel im Haus zu begeben. An Eingängen stehen Desinfektionsspender, Plakate weisen auf Hygieneregeln hin.

Die Gesundheit der Bewohner werde gut überwacht, versichert Michael Renziehausen. Die Pflegekräfte bemerkten Veränderungen schnell. Im Falle einer Erkrankung könnten Einzelzimmer leicht in Isolierzimmer verwandelt werden. Schutzkleidung sei bisher im ausreichenden Maß vorhanden. „Schwierig könnte es werden, wenn die Situation über Wochen anhält“, sagt Michael Cujai, Leiter des Altenzentrums Paul-Hanisch-Haus in Elberfeld.

Sozialamtsleiter Michael Lehnen weist darauf hin, dass es Überlegungen für noch weitergehende Maßnahmen gibt: „Wir haben Dinge im Köcher.“ Dazu zählten zum Beispiel, die Gruppen eines Hauses voneinander zu trennen, Einzelzimmer mit mehreren Bewohnern zu belegen oder die Fachkraftquoten zu senken.

Als „große Herausforderung“ bezeichnet Cornelia-Maria Schott von der Diakonie, die Personalfrage. Schon jetzt sei die Personaldecke kurz. Mitarbeiter werden beim Verdacht einer Infektion sofort freigestellt, dürfen erst wiederkommen, wenn ein Arzt bestätigt, dass sie nicht infiziert sind. Michael Cujai sagt, sie seien in Gesprächen mit der Personalvertretung, dass die Mitarbeiter mit Mehrarbeit rechnen müssen. Alle Einrichtungen sind vernetzt, können sich bei Ausfällen gegenseitig unterstützen, auch trägerübergreifend. Und Ulrich Renziehausen betont: „Die Kollegen leisten glänzende Arbeit, wir sagen ihnen jetzt schon ,Danke!‘“