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Vor 125 Jahren erntete Kneipp Bravorufe im Tal

Vor 125 Jahren erntete Kneipp Bravorufe im Tal

Ein Vortrag im Barmer Centralhotel begeisterte die Zuhörer. Der Kneipp-Verein feiert 2018 sein 125-jähriges Bestehen.

Wuppertal. Seine eigene überraschende Genesung von der Tuberkulose dank Wasseranwendungen war für den angehenden Theologen Sebastian Kneipp (1821-1897) Anlass, seine Gesundheitslehre zu entwickeln. Die machte ihn bald über Deutschland hinaus bekannt. Vor 125 Jahren besuchte er auch Elberfeld und Barmen. Das galt lange als Anstoß zur Gründung der beiden Kneipp-Vereine in den Städten. Darum feiert der Wuppertaler Kneipp-Verein in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen.

Als Kneipp als 28-jähriger Student gegen die Tuberkulose kämpfte, konnten ihm die Ärzte nicht helfen. Er aber hatte von hilfreichen Kaltwasseranwendungen gelesen, stieg in die eiskalte Donau, behandelte sich selbst mit Bädern und Abgüssen — und wurde gesund.

Wasser ist wichtiger Bestandteil seiner Gesundheitslehre: Kneipp-Güsse und Wassertreten sind bis heute vielen ein Begriff. Er entwickelte aber ein umfassendes Konzept mit fünf Säulen: Wasser, Bewegung, Ernährung, Heilpflanzen und Ordnung — was heute Work-Life-Balance genannt würde.

Von seiner Lehre sprach Pfarrer Kneipp, der zu dieser Zeit schon berühmt und Mittelpunkt des Kurorts Bad Wörishofen war, auch bei seinem Vortrag am 16. Januar 1893 im Barmer Centralhotel. Davon berichten die Barmer Zeitung und die Elberfelder Zeitung.

Der Raum sei überfüllt gewesen, viele hätten nur im Stehen zuhören können. Kneipp habe „von der guten Wirkung des kalten Wassers“ berichtet, sogar erklärt, er habe erblindete Kinder das Augenlicht wiedergegeben. „Mit lebhaftem Bravo wurde der Vortrag aufgenommen“, heißt es in der Barmer Zeitung, Kneipp habe einen Lorbeerkranz überreicht bekommen.

Die kleinen Meldungen über den Vortrag hat das Stadtarchiv auf WZ-Anfrage gefunden. Sie sind nun eine zusätzliche Quelle für den Wuppertaler Kneipp-Verein, der bisher nur aus Kneipps Biografie von dessen Besuchen in Barmen und Elberfeld wusste. Neuigkeit für den Verein: Zu dem Vortrag hatte der Barmer Kneipp-Verein geladen, dieser bestand also schon. Bekannt ist, dass der Elberfelder Verein sich im Mai 1893 gründete. Gefeiert wird in diesem Jahr so oder so.

Heute hat der Wuppertaler Kneipp-Verein rund 100 Mitglieder und macht seit einiger Zeit mit verstärkter Öffentlichkeitsarbeit und neuen Veranstaltungen auf sich und Kneipps Ideen aufmerksam. Zum Programm gehören Vorträge, Workshops, Nordic Walking, Wandern und Yoga - unter anderem Familienyoga für Erwachsene mit Kindern. Renate Mankel, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, will Kneipps Ideen wieder stärker ins Bewusstsein der Wuppertaler rücken. „Sie sind heute noch aktuell“, betont sie.