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Stahlnetz liefern mit ihrem Album die neue Hymne für Wuppertal

Neuerscheinung : 50 psychedelische und poppige Tracks

Detlev Cemer und Jochen Rausch haben sich nach jahrelanger Pause wieder zusammengetan und ein neues Album veröffentlicht. Auch der Schwebebahn haben die beiden einen eigenen Song gewidmet.

Die Wuppertaler Band „Stahlnetz“ meldet sich nach langer Zeit mit einem neuen Album zurück. „Music for Smartphones“ thematisiert sogar die Schwebebahn. In den 1970er Jahren trafen sie sich zufällig auf der Straße, zwei Wuppertaler Jungs, die Musik machen wollten. Der Gitarrist Detlev Cremer benutzte als Verstärker ein Radio und der Keyboarder Jochen Rausch jagte die Philicorda-Heimorgel seines Vaters durch Verzerrer und lötete die ersten Synthesizer selbst in einer Zigarrenkiste. Nach Stationen in verschiedenen Bands wie „Die Helden“, mit denen sie sich Ende der 70er Jahre an der Musik von Peter Gabriel orientierten, folgte New Wave mit deutschen Texten in der Band „Stahlnetz“.

Gedichte vertont, Lindenberg-Tracks aufgenommen

Das erste und bislang einzige Album von Stahlnetz „Wir sind glücklich“ entstand im Sommer 1982 im Studio des legendären Conny Blank, dem damals wichtigsten deutschen Musikproduzenten. Dann vertonten Cramer und Rausch Gedichte des deutschen Beatpoeten Jörg Fauser und 2008 entstanden die „Lindenbergtracks“, wo Udo selbst Fauser-Texte zur Musik der beiden spricht. Doch ihre Liebe zu „Stahlnetz“ erkaltete nie und so fanden sie vor einigen Jahren wieder zusammen, um an neuem Material zu arbeiten. Ohne einfach da weiterzumachen, wo sie vor Jahren aufgehört hatten. Das neue Album sollte keine Fortsetzung von „Wir sind glücklich“ sein, denn in den vergangenen Jahrzehnten ist vor allem auch in der Musikszene sehr viel passiert und die Musik und auch die Hörgewohnheiten haben sich stark verändert.

Nach vielen Sessions, Versuchen und Experimenten kam ihnen die Idee, ein Album mit minimalem Sound und Songs, die kaum länger als eine Minute sind, einzuspielen. Die Texte sollten nie mehr als einen Satz, manchmal nur ein, zwei Worte beinhalten. „Music for Smartphones“ nennen sie das soeben beim Label „Warner Music Germany“ veröffentlichte Album, mit einem kreativ-witzigen Schwebebahnmotiv als Cover. 50 Tracks, die psychedelisch und poppig mit Klavier, Mellotron, analogem Synthesizer und 70er-Jahre-Orgeln aufgenommen wurden. Die Texte werden von der synthetischen Stimme Martha vorgetragen, eine Frau, die es gar nicht gibt.

Einzig die Single-Auskopplung „Schwebebahn“ ist mit zwei Minuten und 53 Sekunden deutlich länger als alle anderen Tracks. Eine Hommage an die Stadt Wuppertal, wo Rausch und Cremer auch heute noch leben und die zur neuen Wuppertal-Hymne werden könnte. Vor allem aber ist das Stück eine deutliche Verneigung vor „Kraftwerk“ und ihrem erst kürzlich verstorbenen Mitbegründer Florian Schneider, ohne die es die deutsche elektronische Musik, die um die Welt ging und alles und jeden in diesem Genre beeinflusste, wohl nie gegeben hätte.