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Singen mit Mund, Arm und Bein

Singen mit Mund, Arm und Bein

„Singpause“ der Bergischen Musikschule in der Stadthalle: 2680 Grundschüler bestreiten drei Konzerte.

Dracula ist in der Historischen Stadthalle auf dem Johannisberg. Was eine spaßige, unterhaltsame und zeitlich begrenzte Angelegenheit ist, denn der Blutsauger beschränkt sich aufs Singen, das aber ganz und gar nicht blutleer. Aus vollen Kehlen singen und swingen Wuppertaler Kinder den „Dracula Rock“. Die „Singpause“, Grundschulprogramm der Bergischen Musikschule, macht es möglich. Am Dienstag und am Mittwoch präsentiert sie unter dem Titel „Mit Liedern durch das Jahr“, was im endenden Schuljahr in den teilnehmenden Schulen Wuppertals gelernt wurde. Höhepunkt des „Singpause-Jahres“.

Die Methode geht auf die US-Amerikanerin Justine Ward (1879 bis 1975) zurück, die sich der musikalischen Bildung der Kinder widmete, zu diesem Zweck bei den Grundschülern ansetzte, die dem Singen noch aufgeschlossen gegenüber stehen. Ziel ist es, ihnen das (vom Blatt) Singen und das Notenlesen bei-, allgemein die Musik näher zu bringen. Die Düsseldorfer Musikschule entwickelte auf der Ward-Basis das Modell der „Singpause“, was wörtlich zu nehmen ist. „Die Gesangspädagogen gehen in die Schulen. Der normale Unterricht pausiert, die Schüler haben zweimal in der Woche 20 Minuten Singen“, erklärt Musikschulleiter Raphael Amend.

Während in Düsseldorf alle Grundschulen mit mehr als 15 000 Kindern so für die Musik gewonnen werden, sind es in Wuppertal 2680 — „in Düsseldorf finanziert die Stadt alles, in Wuppertal die Sponsoren“, sagt Pressesprecherin Ursula Slawig. Pro Schule sind das 10 000 Euro, insgesamt 120 000 Euro im Jahr. Das Programm steht und fällt mit den Sponsoren.

2012 stiegen die Wuppertaler in die „Singpause“ ein, zunächst mit einer Schule — heute sind es zwölf, um die sich 14 Dozenten der Musikschule kümmern — die eine Gesangsausbildung oder Vergleichbares aufzuweisen haben und die in der Ward-Methode geschult sind. So wie Anca Pop, die eigentlich Querflötenlehrerin ist und so zum immer schon geliebten Singen zurückgekommen ist.

Bis vor einigen Jahren fanden die Präsentationen in der Bayer-Sporthalle statt, nun freuen sich alle, „im wundervollen Ambiente der Stadthalle“ singen zu dürfen, diese so kennenzulernen. Was durchaus auch einen Erziehungswert hat, findet Slawig und schwärmt: „Hier machen Kinder aus allen Schichten mit.“ Nicht zu vergessen ihre Familien, Eltern, Geschwister, Großeltern, die mitfiebern und auch mitsingen. Das Programm wurde dieses Jahr erstmals auf drei Konzerte (zwei am Dienstag, eines am Mittwoch) verteilt, damit auch genug Platz für die Zuhörer ist.

Die Singleiter werden wie Popstars begrüßt, als sie auf die Bühne kommen — hinter sich die Musiker an Klavier, Schlagzeug und Bass, sowie dem Singen entgegenfiebernde Kinder, die die VIP-Plätze auf der Bühne einnehmen. Gesungen wird freilich überall. Lautstark und präzise, stets den Anweisungen der Lehrer folgend — Bewegungen mit Armen und Beinen eingeschlossen. Moderator Amend sagt die Lieder an, die durch die Jahreszeiten führen — beginnend und endend mit dem Winter und dem Lied „Us olle Schwewebahn“ (schließlich ist man in Wuppertal).

An der Auswahl der Lieder sind mittlerweile auch die Schulen beteiligt, damit deren kulturelle Vielfalt eingebunden wird. „So wird auch Integration gelebt. Musik ist doch die Sprache der Welt“, erklärt Pop.

2017 unternahm die „Singpause“ eine musikalische Reise durch die Welt, dieses Mal wird das russische Herbstlied „Listopad/Blätter fallen“ in zwei Sprachen gesungen. Am Mittwoch stimmt Oberbürgermeister, Schirmherr und Musikschüler Andreas Mucke ein.