Laurentiusempfang: Serap Güler: „Vielfalt ist anstrengend und schön“

Laurentiusempfang : Serap Güler: „Vielfalt ist anstrengend und schön“

Serap Güler sprach beim Laurentiusempfang über Integration in Deutschland.

„Der wahre Schatz der Kirche sind die Menschen, die ihr angehören.“ Aktueller denn je ist in Zeiten, in denen von rechtspopulistischen und rechtsextremen Politikern an christlichen Werten wie Toleranz und Menschlichkeit gerüttelt wird, der Kernsatz der Botschaft des Wuppertaler Stadtpatrons Laurentius.

In diesem Jahr stand beim Laurentiusempfang des Wuppertaler Katholikenrates das Thema Integration im Mittelpunkt, wobei wenige Stunden vor zwei wegweisenden Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg deutlich wurde, dass das Bekenntnis zum christlichen Glauben angesichts der Polarisierung bei den Themen Migration und Integration auch ein politischer Standpunkt ist.

Menschen aus 60 Nationen bereichern die Gemeinde

Stadtdechant Bruno Kurth hieß seine Gäste aus Politik, Verwaltung, Vereinen und Verbänden in der Basilika St. Laurentius zunächst zu einer Andacht willkommen, die von Mitgliedern der Remscheider Gemeinde St. Suitbertus musikalisch gestaltet wurde.

Bürgermeisterin Ursula Schulz entzündete die Kerze der Stadt Wuppertal. Angela Gotzhein, Gemeindereferentin von St. Antonius, griff in ihrem Grußwort das Thema des Abends auf und wies auf die Bereicherung der Barmer Gemeinde durch Menschen mit Migrationshintergrund hin. 60 Nationen sind in St. Antonius vertreten. „Sie bringen Begeisterung mit“, so Angela Gotzhein über neue Mitglieder im Pfarrgemeinderat und über junge Menschen, die sich im Kommunionunterricht engagieren.

Im Stadthaus am Laurentiusplatz begrüßte anschließend Gerlinde Geisler, Vorsitzende des Wuppertaler Katholikenrates, die Staatssekretärin für Integration des Landes NRW Serap Güler (CDU). Neben der Gastreferentin Güler zählten der Bundestagsabgeordnete Helge Lindh (SPD) sowie die Landtagsabgeordneten Dietmar Bell und Andreas Bialas (beide SPD) und eine Reihe von Stadtverordneten zu den Gästen am Laurentiusplatz. Superintendentin Ilka Federschmidt repräsentierte die evangelischen Christen, Stadtdirektor Johannes Slawig den Verwaltungsvorstand.

„Wuppertal ist eine Stadt, in der 160 Nationen friedlich zusammenleben“, sagte Gerlinde Geisler zur Bedeutung der Themen Migration und Integration für die Stadtgemeinschaft.

„In jedem Menschen, auch wenn er uns noch so fremd ist, kann man den Mitmenschen sehen. Hinter dieser Botschaft können sich auch Menschen versammeln, die nicht dem christlichen Glauben angehören“, so Serap Güler, die sich im katholischen Kolpingwerk einsetzt.

Als Kind türkischer Eltern in Dortmund und Köln aufgewachsen, verkörpert sie eine gelungene Integration. „Ich fände es schade, wenn Menschen wie ich in der Gesellschaft keinen Platz hätten“, sagte Güler und gab somit einen Hinweis, dass sie ihren Weg nicht gänzlich ohne Verletzungen zurückgelegt hat.

Die CDU-Politikerin beschrieb authentisch und nachvollziehbar, welche Herausforderungen Integration mit sich bringt. „40 Prozent der Menschen in Wuppertal haben eine Migrationsgeschichte. Es geht nicht allein um Sprache, Bildung und berufliche Chancen. Diese Menschen müssen auch unsere Werte teilen. Zum Beispiel, dass ein Mann nicht mehr wert ist als eine Frau“, sagte Güler.

Es sei an der Zeit, dass Deutschland sich als Einwanderungsland begreife, denn nur dann würden die notwendigen Strukturen zum Beispiel für die Sprachausbildung geschaffen. „Vielfalt ist anstrengend, Vielfalt ist schön“, sagte Güler.

Ein sehr hörenswertes Beispiel für diese These lieferte der Jugendliche Kareem Ghali, der vor vier Jahren aus Syrien nach Deutschland geflüchtet ist. Mit der Prelude 1 von Villa-Lobos und einer Eigenkomposition stellte der Schüler des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums sein Können als klassischer Gitarrist beim Laurentiusempfang unter Beweis.

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