Pro: Soll Wuppertal eine Seilbahn bekommen?

Kommentar : Pro: Soll Wuppertal eine Seilbahn bekommen?

Parallel zur Europawahl wird in Wuppertal über den Bau einer Seilbahn abgestimmt. Unser Autor plädiert dafür, denn sie wäre eine Chance für die Stadt und ein Signal für die Verkehrswende.

Wuppertal sollte sich für die Seilbahn aussprechen. Wegen der Uni, wegen des Signals, in ein großes Verkehrsprojekt zu investieren und wegen des Eindrucks von Wuppertal nach außen.

Die Seilbahn wäre vor allem ein Gewinn für die Uni und die Studenten – denn sie könnte neue Studenten anziehen, weiteres Wachstum bringen und damit auch viele Vorteile für die Stadt. Zum einen ein Zuzug von (angehenden) Akademikern, die vielleicht bleiben, zum anderen ein Gewinn an Arbeitsplätzen an der Uni und aus der Uni heraus. Auch in Sachen Verkehr wäre es ein Gewinn. Viele Studenten kommen per Auto zur Uni. Am Campus Grifflenberg gibt es allein 1500 Parkplätze in den Parkhäusern, ohne Straßenparkplätze einzubeziehen. Wenn mehr Studenten den ÖPNV nehmen, könnte das die Straßen entlasten, die Luft sauberer machen. Die Uni könnte damit größer und gleichzeitig grüner werden, wenn die Seilbahn attraktiv genug ist (und die Parkplätze vielleicht auch etwas kosten würden).

Klar gibt es Nachteile oder zumindest Befürchtungen, weil Buslinien eingestellt werden. Allerdings ist es auch bisher so gewesen, dass die Stadtwerke das Netz mehr oder weniger stark ausgedünnt haben. Der ÖPNV ist mit der aktuellen Finanzierung kein tragendes Geschäft, im Gegenteil. Deswegen sind Initiativen wie das Bürgerticket oder auch Vorstöße von Frank Meyer im Rathaus, an der Finanzierung etwas zu ändern, richtig und wichtig. Denn andernfalls werden Linien auch ohne Seilbahn eingestellt, die nur dünn besetzt sind. Keine Seilbahn ist keine Garantie für ein stabil ausgebautes Busnetz.

Auf der anderen Seite: Buslinien lassen sich umstellen und anpassen. Die Seilbahn müsste auch ein Anstoß sein, für ein gut angebundenes Netz zu sorgen, um alle Anlieger weiter mit dem ÖPNV zu versorgen. Die wegfallenden zehn Linien dürfen nicht bedeuten, dass die Bürger, die auf den ÖPNV angewiesen sind, dann ohne dastehen. Die Seilbahn muss also weitere Veränderungen nach sich ziehen.

Dass die Investition aber getätigt werden soll, spricht doch dafür, dass die Stadtwerke von einem lohnenden Geschäft ausgehen - und das im schlecht finanzierten ÖPNV-Sektor. Abgesehen vom Kraftwerk Wilhelmshaven sollte man davon ausgehen, dass die WSW ihre ökonomischen Risiken richtig einschätzen.

Aber eine derart große Investition in den ÖPNV ist einfach auch ein Signal für den ÖPNV, für die Verkehrswende. Im besten Fall werden viele, die von der Strecke betroffen sind, ihr Auto stehen lassen können.

Wuppertal kann zudem an Image gewinnen, an Touristen und Studenten, mit so einem Projekt. Noch immer steht die Stadt häufig schlecht da, wenn sie überhaupt wahrgenommen wird. Mit einer Seilbahn könnte daran noch einmal etwas getan werden.

Klar, alles kann man nicht mit einbeziehen, vor allem nicht alle Zahlen - und die Erfahrung lehrt, dass die häufig eh nicht so stehen bleiben wie erwartet. Trotzdem: Die Seilbahn wäre eine Chance für die Stadt.

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