So haben Wuppertaler Studierende den ESC erlebt

Musikalisches Europa : So haben Wuppertaler Studierende den ESC erlebt

Für viele Jugendliche ist der Wettbewerb sehr politisch. Doch beim Public Viewing stand der Spaß im Vordergrund.

Am Samstag fand auf der Asta-Ebene der Universität der Eurovision Song Contest als Public-Viewing-Veranstaltung statt. „Gerade an der Universität ist die Vielfalt an Herkunftsländern sehr groß“, erklärt Asta-Vorsitzender Sven Bischoff. Daher würde sich eine solche Veranstaltung für die Studenten sehr gut anbieten. „Der ESC ist ein Erinnerungsort für die Europäische Gemeinschaft“, sagt Cornelis Lehmann, Kulturreferent des Asta. Der europäische Gedanke würde vermittelt werden. Hauptsächlich gehe es aber darum, den ESC zusammen zu schauen.

Doch wird der ESC von den Studierenden eher als politische oder als kulturelle Veranstaltung wahrgenommen? Corinne Platte schaut den ESC zusammen mit ihren Freunden. „Ich fände es schön, wenn der ESC eine Veranstaltung wäre, bei der alle miteinander Spaß haben und es nur um die Musik gehen würde“, sagt sie. Dass so viele Menschen auf der Welt gleichzeitig zuschauen, verbinde die Menschen miteinander. „Europa besteht sonst nur aus Politik, die die Länder vereint, jetzt stehen Kultur und Freizeit im Mittelpunkt“, sagt die Geographie- und Spanisch-Studentin.

Ihre Kommilitonin Eva Heyen sieht das ähnlich: „Europa wird auf kultureller Ebene zusammengeschweißt.“ Sie findet es sehr spannend, was sich die teilnehmenden Länder jedes Jahr einfallen lassen würden. „Ich mag es, dadurch andere Kulturen und Künstler kennenzulernen“, sagt sie.

Für Kai Immes ist die Bedeutung und die ursprüngliche Idee des ESC allerdings verloren gegangen. „Es geht nur um die Show, anstatt um Wertevermittlung. Ob eine Botschaft vermittelt wird, kommt auf den Künstler an“, sagt der angehende Sicherheitstechniker. Gerade Israel als diesjähriges Gastgeberland sei ein gutes Beispiel dafür, dass Konflikte vor Ort nicht thematisiert würden.

Für Celina Schmitz geht es aber hauptsächlich um das Talent der einzelnen Künstler. Sie schaue sich den ESC vor allem an, um sich verschiedene Musikstile anzueignen. „Der ESC zeigt den Zusammenhalt von Europa, man sollte jedem die Chance geben, daran teilzunehmen“, sagt sie.

Unter den etwa 50 bis 60 Zuschauern, die bei Chips, Getränken und ausgelassener Stimmung den ESC feiern, befinden sich auch einige internationale Studierende aus Polen, Frankreich, Italien und den USA. Tal Ollivier aus Frankreich erzählt, dass sie letztes Jahr zur Zeit des ESC in Israel gewesen sei und erinnert sich an die Freude, die die Menschen bei dem israelischen Sieg empfunden haben. „Ich liebe die Idee und zu sehen, wer für wen stimmt. Es ist eine Schande, dass das durch politische Diskussionen zerstört wird“, sagt sie.

Liliana Lewandowska aus Polen fand den Auftritt von Island am Besten. „Island ist für den Eurovision Song Contest gemacht“, sagt sie und beschreibt den Auftritt als „extraordinary“, als außergewöhnlich. Für sie bedeute der ESC vor allem Integration.

Die „Internationals“ sind sich einig, dass der ESC politisch sei. Jacob Russel kommt aus den USA und sieht den ESC erst zum zweiten Mal. Er habe den Eindruck, dass es hauptsächlich darum geht, wer mit wem politisch übereinstimmt.

Trotz Enttäuschung über null Publikumspunkte für Deutschland, wurde am Ende für den Sieger aus den Niederlanden gejubelt.

Gökhan Aslan, Carina Bartresch und Oguzhan Durdu fieberten für Aserbaidschan mit, da die Türkei nicht beim Wettbewerb angetreten ist. Für die drei Nintendo-Fans, die als Erkennungszeichen jeweils ein Yoshi-Stofftier mitgebracht haben, steht der Spaß an der Veranstaltung im Vordergrund. „Ich schaue den ESC schon seit meiner Kindheit; es ist schön, dass all die Länder zusammenkommen“, sagt Oguzhan Durdu. Für ihn stecke hinter der Veranstaltung eine Friedensbotschaft. „Den ESC auszutragen, kann eine Chance für das Land sein“, sagt er. Carina Bartresch stimmt ihm zu: „Man muss zeigen, dass man sich nicht unterkriegen lässt.“

„An der Uni sind wir Europäer durch und durch. Es ist ein schönes Zeichen, dass so viele Nationen auch außerhalb der EU teilnehmen“, sagt Sven Bischoff vom Asta.

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