Wuppertaler weltweit: Mit dem Rad nach Australien

Wuppertaler weltweit : Mit dem Rad nach Australien

Carmen Fett hat sich mit dem Fahrrad auf den Weg gemacht, um Spenden für den Verein „Krass“ zu sammeln.

Athen und Shanghai stehen schon fest – der Rest wird sich zeigen. Allzu geplant geht Carmen Fett nicht an ihre Reise heran, dabei zählt auch Umsicht sonst zu ihrem Job: Die Kostümbildnerin arbeitet fürs „Theater in Cronenberg“ und die Wuppertaler Bühnen, aber Ende März ist sie per Rad Richtung Australien gestartet. Weniger nach Maß als frisch der Nase nach.

Hintergrund ist der Düsseldorfer Verein Krass, der Kulturprojekte für Kinder fördert und dafür Spender findet. Angebote mit Tanz, Theater und Musik richten sich an junge Menschen, die sozial benachteiligt sind und neben dem Spaß ihre Persönlichkeit stärken und entwickeln. Auch Fett ist dort Dozentin und stand zuletzt hinter einem Erfolgsprojekt: ein eigener Wagen auf dem Düsseldorfer Rosenmontagszug. Die Idee zur Weltreise kam von Fett selbst, für die sich so zwei Interessen verbanden: ihr Engagement für Kinder und die Liebe zum Rad.

Begegnungen mit Menschen
und roten Luftballons

Starke visuelle Effekte werden bei Carmen Fetts sportlicher Aktion eine Rolle spielen. Mit roten Luftballons will die junge Frau immer wieder Begegnungen im Bild festhalten und online stellen: https://fraufett.net ist die Adresse, unter der jeder ihren Weg bequem vom Sofa begleiten kann und Auskunft für Spenden findet.

Neben der Unbesorgtheit fällt schnell die kommunikative Art auf, die günstig sein wird gegenüber den Menschen in Indien. Oder Iran. Oder Kambodscha. Auch dafür scheint ihr sinnvoll, auf keine Route fixiert zu sein: Locken spannende Menschen, kann sie bleiben.

Nicht nur zur Begleitung der Tour kommen moderne Mittel zum Einsatz – auch beim Sponsoring. Neben Einzelpersonen mit Sympathie für Abenteurer hofft Carmen Fett auf Spenden von Unternehmen, die dafür auf ihrer Homepage genannt werden. Wofür genau man dann spendet, erinnert an Finanzierungsmodelle wie Fundraising, wo zuweilen schräge Vergütungen warten. Übertragen auf Carmen Fett und ihr Fahrrad: Man könnte sich eine Bezahlung pro Kilometer vorstellen, meint sie, oder auch „pro Land“. Weiter gesponnen, was das heißen könnte – vielleicht erinnert sich ein Unternehmer, dass er schon immer mal nach Hongkong wollte … und sich vorerst lieber aufs Spenden beschränkt.

Immerhin ist Carmen Fett realistisch genug zu wissen, dass es gewisse Rahmenbedingungen gibt, die Grenzen setzen. Visa haben Geltungsfristen und bedeuten daher Zeitdruck; beantragen wird sie diese, klar, auf der Reise – immer wenn ein neues Land ansteht. Auch an konkreten Angaben fehlt es nicht im Gespräch: Zehn bis zwölf Stunden will sie am Tag auf dem Rad verbringen, mit 45 000 Kilometern beziffert sie harmlos die Strecke, die vor ihr liegt, als spräche sie vom Weg zum Bäcker.

Doch auch für die fitte Sportlerin ist es ein Aufbruch ins Ungewisse, als sie am vergangenen Wochenende vom Derendorfer Frankenplatz gestartet ist. Was treibt sie an, für den guten Zweck so massiv in die Pedale zu treten? Nach all dem bewusst Planlosen: Ihr Bekenntnis zum Rad klingt bei Carmen Fett ausnahmsweise weder unbestimmt noch unglaublich, sondern komplett überzeugend: „Fahrradfahren ist mein Inbegriff von Freiheit.“