„Fahrradfahren ist für die Stadt gut geeignet“

„Fahrradfahren ist für die Stadt gut geeignet“

Inge Grau erledigt alle Einkäufe und Termine in Wuppertal per Fahrrad.

„Mit dem Fahrrad komme ich durch die Nordbahntrasse fast überall in der Stadt zügig und lustvoll hin“, findet Inge Grau. Das Fahrrad bedeutet für sie persönliche Freiheit. Und es mache einfach gute Laune, morgens auf das Rad zu steigen anstatt in ein Auto. „Die anderen Radfahrer und Fußgänger begrüßen einen auch alle unterwegs.“ Nach der Arbeit baue eine Heimfahrt auf dem Rad Stress ab.

Teilweise organisiert die Nordstädterin ihr Leben nach dem Fahrrad: „Ich suche solche Ziele, die ich auch im Winter gut mit dem Fahrrad erreichen kann“ — also besser den Sportkurs in Elberfeld statt oben in Cronenberg. Zum Einkaufen radelt sie im Zweifel lieber auf der Nordbahntrasse nach Vohwinkel als im stinkenden Verkehr zur Steinbecker Meile. Die beiden Trassen seien überhaupt hervorragende Fahrradwege, voller herrlicher Ein- und Ausblicke. „Da begegnet einem auch zu jeder Tages- und Nachtzeit jemand.“

Die Wege von und zur Nordbahntrasse ließen sich aber noch verbessern, findet Inge Grau: „Elberfeld ist ein Riesenziel für Menschen, die dort arbeiten, einkaufen oder zum Arzt müssen. Deshalb ist eine gute Anbindung wichtig — damit müsste man anfangen.“

Sie schlägt als wichtige Verbindung die Neue Friedrichstraße vor, weil dort die Steigung am geringsten sei. Doch auch in Barmen müsste eine gute Route von der Trasse in die Innenstadt ausgebaut werden. Mehr Fahrradständer in den Zentren seien ebenfalls wichtig, damit möglichst viele Wuppertaler zum Umstieg bewegt werden.

Gerade in einer Stadt wie Wuppertal sei man auf gute Routenempfehlungen angewiesen, findet die engagierte Radfahrerin. Denn es gebe oft durchaus sinnvolle Wege über kleine Nebenstraßen — nur müsse man diese halt finden. Auf den großen Durchgangsstraßen zu radeln, vermeidet sie nicht nur wegen der Abgase: „Man muss immer im Verkehr mitfahren — das ist schwierig und man muss es sich trauen.“

Immer wieder erlebt sie es, dass Autofahrer mit sehr geringem Abstand an ihr vorbeibrausen. Auch das Links-Abbiegen kann bei stetem Verkehrsfluss gefährlich sein. Die Bus-Spur, etwa an der Gathe, sieht sie deshalb durchaus zwiespältig: „An der Hochstraße muss ich mich dann wieder in die Spur einfädeln — da fahre ich lieber direkt auf der Spur und die Autos müssen halt hinter mir herzuckeln.“

Fahrradwege auf Fußgängerwegen hält Inge Grau ebenfalls für problematisch: „Die Fußgänger achten da oft nicht drauf.“ Zudem hätten Fußgänger und Autofahrer gleichermaßen Schwierigkeiten damit, sich auf die Geschwindigkeiten der Radfahrer einzustellen. Pedelec-Fahrer seien sowieso schneller als solche ohne Motor, doch auch letztere hätten durch die bessere Fahrrad-Technik an Tempo zugelegt.

Bei Einbahnstraßen erlebt sie immer wieder, dass Autofahrer sich nicht bewusst sind, wenn diese für Radfahrer in die andere Richtung freigegeben sind. Das gebe häufig Ärger.

Doch trotz alledem ist Inge Grau überzeugt: „Fahrradfahren ist für die Stadt gut geeignet.“ Als Freizeitvergnügen sei eine Radtour wie ein kleiner Urlaub: „Ich bin immer wieder begeistert, was ich alles entdecke. Neulich war ich in Hückeswagen und bin auf dem Rückweg eine traumhaft schöne Strecke gefahren. Oder ich habe ein tolles Café in Sprockhövel entdeckt.“

Auf allen Seiten von Wuppertal gebe es wunderbare Routen, meist auf Trassen. Für viele davon gebe es auch Flyer, die die Orientierung erleichtern. Nur bei heftigem Regen oder Eis auf der Straße — da lässt auch Inge Grau ihr Fahrrad stehen und nimmt den Bus.